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Interview

«Ohne komplette SVP wird es schwierig für Heidi Z’graggen»

Der Urner Politologe Tobias Arnold glaubt an eine Wahl von Viola Amherd. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt er aber auch, weshalb sich Uri über Heidi Z’graggen als erste Urner Bundesrätin freuen dürfte.
Florian Arnold
Bundesratskandidatin Heidi Zgraggen ist momentan ein Magnet für die Medien. (Bild: Keystone/Peter Schneider, Bern, 27. November 2018)

Bundesratskandidatin Heidi Zgraggen ist momentan ein Magnet für die Medien. (Bild: Keystone/Peter Schneider, Bern, 27. November 2018)

Tobias Arnold arbeitet als Politologe bei «Interface» in Luzern. (Bild: PD)

Tobias Arnold arbeitet als Politologe bei «Interface» in Luzern. (Bild: PD)

Tobias Arnold, wird der Kanton Uri ab Mittwoch eine Bundesrätin haben?

Ich gehe nicht davon aus, um ehrlich zu sein. Die Chancen sind nicht gleich null. Aber die SVP, von der ich dachte, dass sie geeint hinter Heidi Z’graggen steht, hat doch signalisiert, dass einige Vertreter auch Viola Amherd Stimmen geben werden. Und wenn Z’graggen diese Fraktion nicht komplett hinter sich hat, wird es schwierig.

Steckt Taktik dahinter, dass die SVP nach dem Hearing so transparent verkündet hat, dass sie eher pro Z’graggen entschieden habe?

Es widerspiegelt einfach, dass Heidi Z’graggen etwas bürgerlicher wahrgenommen wird als Viola Amherd, was man schon wusste. Ich würde aber nicht Taktik hineininterpretieren, denn es geht um den CVP-Sitz. Verglichen mit früheren Wahlen, wo die SVP auch schon stärker versucht hat, die eigenen Reihen zu schliessen, haben die Parlamentarier dieses Mal wohl relativ freie Wahl.

Wer von der SVP setzt eher auf Amherd?

Die Hearings sind eine «Black Box», da nicht einmal Medienschaffende Zutritt haben. Gehört habe ich aber, dass Amherd bei den Bauern-Vertretern gut abgeschnitten haben soll. Und nicht ganz ausser Acht gelassen wurde wohl auch das «akustische Missverständnis», das Heidi Z’graggen geltend gemacht hat. Sich hier aus der Affäre zu ziehen, war nicht ganz einfach.

Hat Heidi Z’graggen an einem Podium «Depp» gesagt, oder nicht?

Da bin ich der falsche, um dies zu beantworten. Aber wenn sie geltend macht, dass sie es nicht gesagt hat, ohne eine Alternative zu nennen, lässt sie eben viele Fragen offen.

Ein kleines Wort mit einer grossen Wirkung ...

Es geht dabei mehr um die Art und Weise, wie Heidi Z’graggen im Nachhinein kommuniziert hat. Es wurde kritisiert, warum sie nicht darauf eingegangen ist und immer nur auf ihrer Aussage beharrt hat.

Wie gut hat sich Heidi Z’graggen sonst im Wahlkampf geschlagen?

Vielleicht ist mein Urner Blick nicht total objektiv. Aber nur schon, dass sie als Nicht-Bundesparlamentarierin auf das Ticket kam, zeigt, dass Heidi Z’graggen einiges richtig gemacht hat. Sie wird wahrgenommen als gute Politikerin, Rednerin und als jemand, der sich gut verkaufen kann. Viola Amherd muss sich viel weniger behaupten, da sie Bundesparlamentarierin ist.

Womit wir bei der Statistik sind. Seit 1980 wurden nur drei Personen in den Bundesrat gewählt, die nicht im Parlament waren. Gibt es eine Art «Parlamentariertreue»?

Das ist ein ganz wichtiger Faktor. Die Bundesparlamentarier sind ein «Klub». Sie müssen jemanden wählen in eine Regierung, die sie selber beaufsichtigen. Diejenigen vom «Klub» kennt man. Und wenn es darunter eine gibt, die als wählbar gilt, dann hat es eine Aussenstehende immer schwer. Heidi Z’graggen ist überdurchschnittlich gut vernetzt für eine Nicht-Parlamentarierin. Aber nicht gleich gut wie Amherd. Falls Amherd gewählt wird, werden sich die Experten auf dieses Argument stützen.

Bei einer Wahl von Heidi Z’graggen würde wohl eher mit dem Links-rechts-Verhältnis argumentiert.

Klar ist die politische Position sehr wichtig. Zum Beispiel wäre ein Gerhard Pfister bei der jetzigen Konstellation mit zwei SVP- und zwei FDP-Vertretern im Bundesrat für die Linken niemals wählbar. Aber zwischen Viola Amherd und Heidi Z’graggen bestehen nicht so grosse Unterschiede. Innerhalb der CVP gäbe es noch Personen mit viel grösseren Unterschieden.

Heidi Z’graggen scheint die Aufmerksamkeit aber darauf zu lenken, sie sei rechts von Viola Amherd einzuordnen.

Das muss sie auch. Als Kantonspolitikerin hat sie sich mit anderen Fragen auseinandergesetzt als die Bundesparlamentarier. Deshalb geniesst sie eine gewisse Freiheit, wenn sie sich jetzt zu nationalen Fragen äussern muss.

Die Wahl verspricht, spannend zu werden. Wie viele Wahlgänge erwarten Sie?

Sicher drei.

Dann gibt es am Anfang auch andere Namen?

Ein Gerhard Pfister könnte wahrscheinlich einige Stimmen machen. Dabei geht es aber mehr um Symbolik. Die SVP will damit zeigen, dass man mit dem Ticket der CVP nicht zufrieden ist. Am Schluss wird aber jemand vom Ticket gewählt.

Wieso diese Spielchen?

Für Bundesparlamentarier gibt es wohl nichts Spannenderes in Bern als die Bundesratswahl. Einerseits haben sie eine grosse Symbolkraft, und andererseits ist die mediale Präsenz extrem gross.

War das CVP-Ticket für Sie eine Überraschung?

Heidi Z’graggen ist eine arrivierte Politikerin. Sie hat sich im Kanton Uri einen guten Namen gemacht. Auf der anderen Seite spielten auch parteistrategische Überlegungen eine Rolle. Die FDP hat allen mit dem Shootingstar Karin Keller-Sutter die Show gestohlen. Bei der CVP war die Kandidatenauswahl eher schwach. Mit dem Zwei-Frau-Ticket hat sie schliesslich einen Überraschungscoup gelandet.

Wieso?

Das Frauenthema entspricht dem Zeitgeist. Die Gleichstellung hat mehr Bedeutung als früher. Das beweisen Themen wie «Me too» oder die Geschichten um Donald Trump. Dass der Sitz der CVP zusteht, wurde nicht in Frage gestellt. Und dann werden andere Themen wichtig, etwa regionalpolitische oder eben auch geschlechtsspezifische. Meiner Meinung nach sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass beide Geschlechter angemessen in der Landesregierung vertreten sind.

Der Kanton spielt also keine Rolle. Trotzdem: Was würde die Wahl von Heidi Z’graggen Uri bringen?

Sie wäre eine von sieben, und um etwas zu bewirken, müsste man mindestens zu viert sein. Eine offensichtliche Bevorzugung des eigenen Kantons würde auf alle Fälle bemerkt. Chancen sehe ich aber für Uri, was das Image angeht. So wie ich Heidi Z’graggen als Regierungsrätin wahrgenommen habe, wäre sie auch eine gute Bundesrätin. Ich traue ihr das Amt zu. Und das kann durchaus das Image des Hinterwäldler-Kantons, durch den man einfach auf der Autobahn durchfährt, verbessern.

Wären Sie stolz?

Ich hätte zwar nichts dazu beigetragen, aber ich würde gegen aussen meine Freude zeigen, dass Uri den Sprung in die Landesregierung geschafft hat. Für Heidi Z’graggen müsste man sich sicher nicht fremdschämen.

Trotzdem reden Sie in der Möglichkeitsform. Wer wird es am Schluss?

Wenn ich um Geld wetten würde, dann: Karin Keller-Sutter und Viola Amherd.

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