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EW Altdorf ist mit Wasserkraft auf Kurs

Im Urner Unterland entstehen zwei neue Kraftwerke, ein drittes wird ab 2020 realisiert. Angefangen hat alles mit einer Potenzialanalyse.
Bruno Arnold
Werner Jauch, Vorsitzender der EWA-Geschäftsleitung, anlässlich des Spatenstichs für das KW Erstfeldertal. (Bild: PD, Erstfeld, 7. Mai 2019)

Werner Jauch, Vorsitzender der EWA-Geschäftsleitung, anlässlich des Spatenstichs für das KW Erstfeldertal. (Bild: PD, Erstfeld, 7. Mai 2019)

Unter der Federführung des Elektrizitätswerks Altdorf (EWA) laufen der Bau von neuen und die Erweiterung von bestehenden Kraftwerken im Kanton Uri seit mehreren Jahren auf Hochtouren. Zwei Beispiele: Im Mai 2017 konnte das rund 18,5 Millionen Franken teure KW Bristen offiziell eröffnet werden, und im August 2017 ist das für 25,5 Millionen Franken ausgebaute und erneuerte KW Gurtnellen zum ersten Mal ans Netz gegangen.

Zurzeit baut das EWA zusammen mit seinen Partnern zwei weitere neue Kraftwerke. Ende September 2018 erfolgte in Bürglen der Spatenstich für das neue Kraftwerk Schächen, Mitte Mai 2019 in Erstfeld derjenige für das KW Erstfeldertal. Bei beiden Projekten ist der Zeitdruck relativ gross. Um die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) nicht zu verlieren, muss das KW Schächen Ende 2019 ans Netz gehen, das KW Erstfeldertal Ende 2020. Bei der KEV handelt es sich um ein Instrument des Bundes, das zur Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien eingesetzt wird.

Die Fristverlängerung ist eine sehr schwierige Sache

Können die beiden Termine nicht eingehalten werden, hätte dies für die Beteiligten massive Konsequenzen – vor allem aus finanzieller Sicht. «Wir müssten bei der Pronovo, die seit Anfang 2018 für die Förderprogramme des Bundes für erneuerbare Energien verantwortlich ist, ein Gesuch um Fristverlängerung stellen», erklärt Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWA, auf Anfrage. «Eine solche zu erhalten, ist erfahrungsgemäss je nach Anmeldezeitpunkt sehr schwierig», betont er. Ein Nein hätte den Verlust der KEV zur Folge. Die Konsequenz: Alle Aktionäre müssten massive Sonderabschreibungen tätigen.

So sehen die Beteiligungen aus

(bar) Das KW Bristen ist für eine Jahresproduktion von 14 Gigawattstunden (GWh) ausgelegt, was dem Stromverbrauch von rund 3100 Haushalten entspricht. Hauptaktionärin ist mit 60 Prozent das EWA. Ebenfalls im Boot sind der Kanton Uri und die Korporation Uri mit je 15 Prozent und die Korporation Uri mit 15 Prozent sowie die Gemeinde Silenen mit 10 Prozent. Der Kanton Uri erhält pro Jahr Wasserzinsen von rund 230’000 Franken.
Das zwischen 2015 und 2018 erneuerte und ausgebaute KW Gurtnellen erreicht eine Jahresproduktion von 31,5 GWh. Dies entspricht dem Strombedarf von 7100 Haushalten. Beteiligt sind das EWA mit 70 Prozent und die Korporation Uri mit 30 Prozent. Das KW Gurtnellen spült rund 480’000  Franken an Wasserzinsen in die Urner Staatskasse.
Zur Tabelle: An der KW Schächen AG sind das EWA mit 51 Prozent, der Kanton Uri mit 34 und die Korporation Uri mit 15 Prozent beteiligt.
In der KW Erstfeldertal AG haben sich die Gemeindewerke Erstfeld und das EWA mit je 38 Prozent sowie der Kanton Uri mit 16 und die Korporation Uri mit 8 Prozent zusammen getan.
Die KW Palanggenbach AG setzt sich aus Vertretern der Aventron AG (60 Prozent), des EWA und der Korporation Uri (je 15) sowie der Gemeinde Seedorf (10) zusammen

Doch Jauch kann Entwarnung geben – vorerst einmal für das KW Schächen. «Aus heutiger Sicht sollte der Inbetriebnahme per Ende November/Anfang Dezember 2019 nichts mehr im Wege stehen.» In Bürglen kann der durch die Bauarbeiten bedingte Einbahnverkehr Ende September aufgehoben werden. Die Arbeiten bis zum Ruag-Areal kommen ansonsten plan- und termingemäss voran. Die Arbeiten am KW Erstfeldertal laufen bisher ebenfalls nach Programm, auch beim Sprengvortrieb am 850 Meter langen Stollen. «Trotzdem bleibt der Terminplan sehr anspruchsvoll», sagt der EWA-CEO. «Gerade beim Bau eines Stollens muss man aber immer mit Störzonen rechnen, die den Bau verzögern können.»

AG erhält grünes Licht für das KW Palanggenbach

Mit dem KW Palanggenbach in Seedorf wird beim EWA zurzeit ein drittes neues Werk geplant (siehe Box). Dieses muss Ende 2022 ans Netz gehen, um die KEV nicht zu verlieren. «Gegen die im Juli erfolgte Bauplanauflage sind keine Einsprachen eingegangen», freut sich Jauch. Läuft alles nach Plan, können die Bauarbeiten im Herbst 2020 gestartet werden. Das neue Werk dürfte dann im Herbst 2022 in Betrieb genommen werden.

«Die fünf neuen Kraftwerke sind konkrete Ergebnisse der 2006 vorgenommenen Analyse des Potenzials der Urner Wasserkraft sowie der anderen erneuerbaren Energien wie Wind, Fotovoltaik und Biomasse», sagt Jauch.

«Damals sprach man von einer grossen Stromlücke und befürchtete sogar, die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleisten zu können.

Es bestand Handlungsbedarf. «Beim EWA haben wir aufgrund dieser Analyse insgesamt 45 Projekte zur Nutzung von Wasser, Wind, Biomasse und Sonne geprüft. Der Schwerpunkt lag allerdings ganz klar beim Wasser», so der CEO des EWA. Realisiert wurde aber auch das erste Urner Biomasse-Kraftwerk nördlich der ARA Altdorf. Es produzierte ab 2009 Ökostrom für die Versorgung von zirka 200 Haushalten. Im November 2012 fiel das Werk einem Grossbrand zum Opfer. Die Green Power Uri AG mit dem EWA AG als Hauptaktionär verzichtete in Folge auf einen Wiederaufbau.

Mit dem Schutz- und Nutzungskonzept erneuerbare Energien (Snee) wurde im Jahr 2013 festgelegt, wo in Uri künftig Anlagen für die Produktion von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasser) erstellt werden dürfen und wo Landschaften und Fliessgewässer ungeschmälert erhalten bleiben sollen. Ziel war es, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 von 5 auf 25 Prozent zu steigern. «Für das EWA bedeutete dies unter anderem den Verzicht auf die ins Auge gefasste Nutzung des Wassers des Stierenbachs in Attinghausen, des Hinteren Schächens im Brunnital in Unterschächen oder des Grosstalbachs in Isenthal», erklärt Jauch.

Die Potenzialanalyse von 2006 führte aber nicht nur zur Planung und Realisierung neuer Werke, sondern auch zu einem Zubau der Leistung und Produktion bei bereits bestehenden Kraftwerken (siehe Tabelle). «Der vom EWA und seinen Partnern seit 2006 vorgenommene Zubau von 116 Gigawattstunden in total zwölf Wasserkraftwerken entspricht etwa 25 Prozent des gesamten Zubaus der Kleinwasserkraft in der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren», nennt Jauch beeindruckende Zahlen.

Nutzung der Meienreuss steht im Vordergrund

Experten gehen davon aus, dass der Strom in der Schweiz – unter anderem wegen des beschlossenen Ausstiegs aus der Atomenergie oder auch aufgrund der steigenden Elektromobiliät und des geringeren Importpotenzials – zeitweise wieder knapper werden könnte. «Wenn wir nicht weitere Inlandkapazitäten zubauen, werden wir zukünftig deutlich stärker vom Ausland abhängig sein», glaubt Jauch. Für das EWA sei der Ausbau der Wasserkraftnutzung deshalb nicht beendet. «Als neues Projekt steht die Nutzung der Meienreuss im Vordergrund», erklärt der Vorsitzende der EWA-Geschäftsleitung. Zudem werde man weitere Investitionen in die bestehenden Kraftwerke Bürglen und Arniberg tätigen, um diese Produktionen zu erhalten und zu optimieren.

«Das EWA ist bei allen Kraftwerken für die Betriebs- und Geschäftsführung verantwortlich, was sich wiederum sehr positiv auf die Urner Wertschöpfungsbilanz und die damit verbundenen Arbeitsplätze in Uri auswirkt», betont Jauch abschliessend.

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