Exil-Urner erinnert sich an TV-Legenden

Seit über 40 Jahren arbeitet Marco Lucchi beim Schweizer Fernsehen. Mit Heidi Abel und Crew war er damals bis morgens um 3 Uhr in Zürcher Clubs unterwegs. Jetzt freut er sich auf die Vorpremiere des Dok-Films über die TV-Pionierin.

Markus Zwyssig
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Marco Lucchi bei einem mit der Hardrockband Gotthard um den verstorbenen Sänger Steve Lee in Ayutthaya (Thailand). (Bild: PD)

Marco Lucchi bei einem mit der Hardrockband Gotthard um den verstorbenen Sänger Steve Lee in Ayutthaya (Thailand). (Bild: PD)

Die Welt der Filme hat den Altdorfer Marco Lucchi schon früh in den Bann gezogen. Ursprünglich machte er eine Lehre als Elektromonteur bei der Dätwyler AG. In seiner Freizeit war er damals Platzanweiser im Cinema Leuzinger in Altdorf. «So bekam ich die aktuellen Kinofilme jeweils drei bis vier Mal zu sehen», erinnert sich der heute 63-Jährige. Sein Ziel war es immer schon, sich später einmal beruflich mit dem Filmemachen zu beschäftigen.

Seit 1977 arbeitet er beim Schweizer Fernsehen und war hobbymässig als Operateur im Kino Uto in Zürich tätig. Fürs Fernsehen schnitt er viele Filmbeiträge und war Regieassistent. Dabei lernte er auch Heidi Abel kennen. Als sogenannter Video-Editor hat Lucchi deren legendäre Unterhaltungssendung «Musik & Gäste» mitgeprägt. Ende der 1970er- und in den 1980er-Jahren hat er regelmässig für die damals sehr beliebte Musik-Show gearbeitet.

Marco Lucchi war Heidi Abels Tanzpartner

Lucchi kommt ins Schmunzeln, wenn er sich daran erinnert, dass die Crew jeweils nach der Sendung in einem Zürcher Club abfeierte. Mit dabei waren die Disco-Formation Boney M. und ähnliche damalige Musik-Grössen. «Wir waren miteinander in der Stadt im Ausgang», so Lucchi. «Die ganze Bar-Theke war für uns reserviert.» Die Drinks seien für die gesamte Crew gratis gewesen. «Bis morgens um 3 Uhr waren wir gemeinsam unterwegs», erinnert er sich.

Heidi Abel hätte jeweils mit ihm tanzen wollen, da er als sicherer und guter Tänzer bekannt war. «Sie konnte sich auf mich verlassen», sagt er. «Ich habe sie beim Tanzen nicht fallen lassen.» Heidi Abel war damals «das Schätzchen der Nation».

Mit diversen musikalischen Grössen befreundet

Lucchis Arbeit brachte es mit sich, dass er viel im Ausland unterwegs war. Verschiedene Sendungen hat er mit dem Urner Schlagersänger Leonard gemacht. Für Filmaufnahmen war er unter anderem in Dubai, Zypern und Thailand. Gedreht hat er unter anderem auch mit «Gotthard» und «Krokus». «Dabei sind Freundschaften insbesondere mit verschiedenen Musikgrössen entstanden, die bis heute geblieben sind», sagt Lucchi. So trifft er sich heute nach wie vor gerne mit Rocksänger Marc Storace. Leidenschaftlich hat er auch Pannen und lustige Szenen von Sportreporter Hans Jucker gesammelt. Diese sind heute noch ein Renner auf Youtube.

«Es war eine spannende Zeit», blickt Lucchi zurück. Bei vielen Grossanlässen im In- und Ausland war er vor Ort. In besonderer Erinnerung ist ihm die Olympiade im australischen Sydney geblieben. «Anschliessend an das sportliche Grossereignis reiste ich einen Monat lang in Australien herum», so Lucchi. Damals habe man noch deutlich mehr Zeit gehabt.

Der Exil-Urner Marco Lucchi hat über 40 Jahre lang beim Schweizer Fernsehen als Video-Editor und Regieassistent auch viele Schweizer Musikgrössen wie die Hardrock-Band Gotthard um den verstorbenen Sänger Steve Lee kennen gelernt. (Bild: PD)
10 Bilder
Immer für einen Spass zu haben: Marco Lucchi auf dem Podest beim Skirennen in Adelboden. (Bild: PD)
Marco Lucchi bereist für das Schweizer Fernsehen viele Orte dieser Welt. (Bild: PD)
Marco Lucchi mit dem verstorbenen Fernseh- und Radio-Moderator Kurt Zurfluh. (Bild:PD)
Marco Lucchi an seinem Arbeitsplatz beim Schweizer Fernsehen. (Bild: PD)
Marco Lucchi zusammen mit Beni Turnheer bei desen letzem Arbeitstag. (Bild: PD)
Marco Lucchi witzelt mit Fernsehmoderator Stefan Klapproth. (Bild: PD)
Marco Lucchi arbeitet leidenschaftlich gerne für das Schweizer Fernsehen. (Bild: PD)
Marco Lucchi mit «Krokus»-Sänger Marc Storace. (Bild: PD)
Marco Lucchi zusammen mit Sängerin Francine Jordi. (Bild: PD)

Der Exil-Urner Marco Lucchi hat über 40 Jahre lang beim Schweizer Fernsehen als Video-Editor und Regieassistent auch viele Schweizer Musikgrössen wie die Hardrock-Band Gotthard um den verstorbenen Sänger Steve Lee kennen gelernt. (Bild: PD)

Heute macht Lucchi vor allem News-Sendungen. Er ist für die «Tagesschau» und «10 vor 10» im Einsatz. Hektik und Stress sind an der Tagesordnung. «Alles muss jeweils sehr schnell gehen», sagt er. «Aber es ist auch spannend, denn immer beschäftigt man sich mit neuen Themen. Das gibt mir auch stets aufs Neue einen Adrenalinschub.» Diesen Kick braucht er bis heute. Viel Freude bereitet ihm sein Sohn Tim, der im vergangenen August bei seinem Arbeitgeber TPC die Lehre als Multimediaelektroniker begonnen hat.

Ein Wiedersehen mit alten Kollegen

Nächstes Jahr wird Lucchi nach 43 Arbeitsjahren pensioniert. Er wohnt zwar heute im Aargau, hat aber immer noch einen starken Bezug zum Kanton Uri. So lebt sein Bruder Renato in Altdorf. Am kommenden Wochenende lässt er sich in alte Zeiten zurück versetzen. Am Sonntag, 10. Februar, morgens um 11 Uhr schaut er sich im Cinema Leuzinger in Altdorf die Vorpremiere zur Dok-Sendung mit Heidi Abel an. Nebst einem Wiedersehen mit der TV-Pionierin auf der Leinwand wird Lucchi auch auf viele Kollegen von damals treffen.

Ein Beispiel von Marco Lucchis Filmschnitten

Die Vorpremiere des Dok-Films «Heidi Abel – Licht und Schatten einer TV-Pionierin» findet am Sonntag, 10. Februar, um 11 Uhr im Cinema Leuzinger statt. Auf SRF 1 wird der Film am Donnerstag, 21. Februar, 20.05 Uhr ausgestrahlt. An diesem Tag hätte die 1986 verstorbene TV-Pionierin ihren 90. Geburtstag gefeiert.