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EXIL-URNERIN: «Der Aufkleber war mir anfangs ziemlich peinlich»

Silvia Baumann hat Uri vor über zehn Jahren verlassen, wird aber auch in Luzern sofort als Urnerin erkannt – wegen ihres Dialekts und des Uristier-Aufklebers am Auto, den sie ihrem Freund zu verdanken hat.
Silvia Baumann mit ihrem «Urner» Auto. (Bild: eca (Emmenbrücke, 20. 7. 17))

Silvia Baumann mit ihrem «Urner» Auto. (Bild: eca (Emmenbrücke, 20. 7. 17))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung

Gleich nach der Lehre zog es Silvia Baumann aus dem Kanton Uri weg. «Wegen der Arbeit», wie sie sagt. «Als gelernte Polygrafin findet man in Uri nicht so viele Stellen, also ging ich auswärts arbeiten.» Und da ihr das Pendeln nach Altdorf und später nach Seedorf auf Dauer zu anstrengend war, hat Baumann auch ihren Wohnkanton gewechselt: zuerst nach Schwyz, dann Nidwalden und jetzt Luzern.

Auf den Uristier-Aufkleber an ihrem Autoheck angesprochen, muss die 35-Jährige ausholen. «Das hat mein jetziger Freund verbrochen.» Baumann lernte den Grafiker aus dem Zürcher Oberland vor neun Jahren an der gemeinsamen Arbeitsstelle in der Stadt Luzern kennen. Aus Jux stellte ihm die Urnerin regelmässig mal wieder typische urnerische Begriffe vor, dessen Bedeutung er erraten musste.

Plötzlich war der Aufkleber am Autoheck

Dieses Uri-Quiz blieb nicht ohne Folgen. Zwar verstehe er noch immer nicht jedes Urner Wort. «Aber eines Tages», erinnert sich Baumann, «hatte ich auf einmal einen Uristier an meinem Auto.» Der Schuldige war schnell gefunden: Ihr Arbeitskollege hatte den Aufkleber ohne Baumanns Wissen an ihr Autoheck geklebt. «Er meinte, wenn ich schon so eine Uri-Expertin bin, bräuchte ich auch so einen Aufkleber», sagt Baumann. Ihr selber sei das Ganze «ziemlich peinlich» gewesen, sagt Baumann. «So ein Urner Wappen haben doch nur alte Menschen am Auto», dachte sie – und wollte den Aufkleber eigentlich sofort wieder entfernen.

Das war vor neun Jahren. Inzwischen sind Baumann und ihr damaliger Arbeitskollege seit acht Jahren ein Paar. Und der Aufkleber? Immer noch dran. Inzwischen habe sie sich mit ihm angefreundet, sagt Baumann. Durch ihn würden viele ihr Auto erkennen. «Oder ich werde angesprochen von fremden Leuten, die auch Urner Wurzeln haben. Das ergibt manchmal ganz lustige Begegnungen.» Leugnen könnte Baumann ihre Herkunft auch ohne den Uristier-Kleber nicht, wie sie sagt. Ihr Urner Dialekt sei zwar ausgeprägter, wenn sie mit der Familie oder Urner Freunden spreche. In Luzern spreche sie neutraler. «Nicht, weil ich mich schämen würde. Aber man passt sich halt an.» Trotzdem würden die meisten sofort merken, dass sie keine Luzernerin ist. Und auch wenn sie das Uri-Quiz inzwischen nicht mehr spielen, so ist der Urner Dialekt in der Beziehung zwischen der Polygrafin aus Uri und dem Grafiker aus dem Zürcher Oberland noch immer Thema.

Der Grund: die Sprache ihres gemeinsamen Sohnes. «Er benutzt manchmal Urner Wörter, manchmal Zürcher Begriffe. Da streiten wir uns manchmal schon darum, welchen Dialekt er sprechen soll», sagt Baumann und lacht.

Die Urner Idylle fehlt ihr manchmal

Da ihre Mutter in Seedorf wohnt und ihre Zwillingsschwester vor vier Jahren nach Uri zurückkehrte, ist Silvia Baumann sicher einmal pro Woche in ihrer Heimat zu Besuch. An eine definitive Rückkehr denkt sie jedoch nicht. Zu sehr gefällt es ihr in der Stadt Luzern. «Auch wenn mir die Urner Idylle manchmal fehlt.»

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