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Experte gibt den Urner wertvolle Ratschläge zu Flüchtlingsfragen

Die Erwerbsquote von Flüchtlingen liegt heute unter 30 Prozent. Nun soll sie durch verschiedene gezielte Massnahmen wie etwa den Abbau von administrativen Hürden deutlich gesteigert werden.
Urs Hanhart
Eduard Gnesa referierte in Altdorf an einem Info-Anlass zur Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt. (Bild: urs hanhart, Altdorf, 27. März 2019)

Eduard Gnesa referierte in Altdorf an einem Info-Anlass zur Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt. (Bild: urs hanhart, Altdorf, 27. März 2019)

Das kantonale Amt für Arbeit und Migration sowie der Verband Wirtschaft Uri veranstalteten am Mittwoch in der Aula des Berufs- und Weiterbildungszentrums (BWZ) Uri in Altdorf gemeinsam eine Informationsveranstaltung zur Frage der besseren Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt durch. Rund 50 Personen nahmen daran teil. Im Zentrum stand ein Referat von Eduard Gnesa, ehemaliger Direktor des Bundesamts für Ausländerfragen und Sonderbotschafter für Migrationsfragen. Er hat im Auftrag des Staatssekretariats für Migration (SEM) unlängst einen Bericht vorgelegt, der primär auf Abklärungen bei Schweizer Arbeitgebern basiert und konkrete Empfehlungen beinhaltet.

Zugang zum Arbeitsmarkt wird erleichtert

Zunächst hatte aber Regierungsrat Urban Camenzind das Wort. In seiner Begrüssung sagte er: «Sie erhalten heute Informationen zum neuen Ausländer- und Integrationsgesetz, das Anfang 2019 in Kraft getreten ist. Und seit März 2019 gilt nun auch das beschleunigte Asylverfahren. Das erklärte Ziel sei es, die Integration von Ausländern durch positive Anreize mit geeigneten Massnahmen zu verbessern. Unter anderem solle der Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene erleichtert werden. Konkret können seit dem 1. Januar 2019 anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen nach einer Meldung bei der Arbeitsmarktbehörde eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Camenzind betonte:

«Das schafft einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt und entlastet auch die Arbeitgeber.»

Dadurch werde das inländische Arbeitskraftpotenzial gefördert und die Ausgaben für die Sozialhilfe würden reduziert, betonte der Experte für Migrationsfragen.

Für Camenzind eine Win-win-Situation

Der Urner Volkswirtschaftsdirektor verwies auch auf die Integrationsagenda Schweiz, ein gemeinsames Programm des Bundes und der Kantone. «Diese Agenda beinhaltet deutlich erhöhte Investitionen, konkrete Wirkungsziele und einen für alle Akteure verbindlichen Integrationsprozess von Flüchtlingen», sagte er. Uri erhalte neu pro anerkannten Flüchtling beziehungsweise pro vorläufig aufgenommene Person eine Pauschale von 18000 Franken statt wie bisher 6000 Franken. «Diese Erhöhung ist allerdings mit einer gewissen Herausforderung verbunden», betonte Camenzind. «Die Zielsetzung lautet, dass sich zwei Drittel der vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 25 Jahren nach fünf Jahren in einer nachobligatorischen Ausbildung befinden. Und sieben Jahre nach der Einreise sollen 50 Prozent aller erwachsenen Flüchtlinge nachhaltig im ersten Arbeitsmarkt integriert sein.» Der CVP-Politiker sprach im Zusammenhang mit der Integrationsagenda von einer «Win-win-Situation für die Asylsuchenden und die Unternehmer, aber auch für die öffentliche Hand».

Für Gnesa fehlt es nicht an der Bereitschaft

Gnesa startete sein Referat mit folgendem Kompliment: «Uri ist der einzige Kanton, der meine Empfehlungen bereits befolgt hat.» Damit meinte er die Zusammenarbeit mit den Unternehmen. Zur Haupterkenntnis aus seinem Bericht sagte Gnesa:

«Viele Arbeitgeber in der Schweiz wären grundsätzlich bereit, Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen zu beschäftigen.»

Es fehlen ihnen jedoch Informationen zu den Anstellungsbedingungen. Sie befürchten einen zusätzlichen Aufwand und haben Bedenken, was die Qualifikation dieser Arbeitssuchenden betrifft.»

Gnesa hat mehr als 50 Interviews mit Vertretern aus der Wirtschaft geführt. Um die Hürden abzubauen, empfiehlt er, den Aufbau einer Informationsplattform zu prüfen und die Begleitung von Job-Coaches einzuführen. Auch das Erarbeiten von Leitfäden zu den Anstellungsbedingungen und das Prüfen von finanziellen Anreizen für Arbeitgeber in Form von Einarbeitungszuschüssen oder Teillohnmodellen erachtet er als sinnvoll.

Schweiz kennt keine Parallelgesellschaften

An sich habe die Schweiz eine gute Ausgangslage, um vermehrt Flüchtlinge im Arbeitsmarkt zu integrieren. So gebe es hierzulande beispielsweise keine Parallelgesellschaften wie in anderen Ländern. Dennoch sei es nicht einfach, dieses Ziel zu erreichen. «Die administrativen Hürden waren in gewissen Kantonen recht hoch. Aber mittlerweile hat man dies erkannt und entsprechend reagiert», so Gnesa.

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