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EXPO: Urner Schüler trotzen der Hitze

Urner Oberstufenschüler haben die Weltausstellung besucht. Als Botschafter haben sie sich für die Nachhaltigkeit von Wasser eingesetzt. Und dafür haben sie sogar einen freien Schultag geopfert.
Oben: Schülerinnen aus Silenen besuchen den China-Pavillon. Unten: der Erstfelder Lehrer Cédric Progin und drei Schüler an der Expo. (Bilder Anian Heierli)

Oben: Schülerinnen aus Silenen besuchen den China-Pavillon. Unten: der Erstfelder Lehrer Cédric Progin und drei Schüler an der Expo. (Bilder Anian Heierli)

Anian Heierli

Gnadenlos brennt die Sonne am wolkenlosen, vom Staub und den Abgasen grau gefärbten Himmel. Innert Sekunden kleben die Kleider am Körper, denn aus jeder einzelnen Pore tropft unaufhaltsam der Schweiss. Selbst Schattenplätze bieten kein Entkommen vor der sengenden Hitze. In diesem Brutofen der Lombardei findet bei gefühlten 50 Grad die Expo 2015 statt. Trotz der Hitze sind der Ansturm und das Gedränge enorm: Auf dem Messegelände in Mailand bahnen sich Hunderte Schulkassen und Zehntausende Besucher ihren Weg von Pavillon zu Pavillon.

Anerkennung für noble Geste

Unter ihnen waren auch rund 40 Urner Oberstufenschüler aus Erstfeld, Silenen und Gurtnellen, die im Rahmen des Wasserfests «Aqua Viva» am Freitag die Expo besichtigt haben. Zusammen mit weiteren Schülern der Gotthardkantone Graubünden, Tessin und Wallis waren sie als Wasserbotschafter unterwegs. Denn die Nachhaltigkeit von Wasser ist das Thema der aktuellen Ausstellung der Gotthardkantone im Schweizer Pavillon. In einem gemeinsamen Postautokonvoi reisten die Schweizer Schüler an die Expo, wo sie sich mit italienischen «Gspändli» trafen und ihnen symbolisch eine Trinkflasche mit Wasser aus ihrem Heimatort übergaben. Hinter dieser Geste steckt die Botschaft, dass sie sich der Verantwortung eines nachhaltigen Umgangs mit Wasser auch in Zukunft bewusst sind.

Urner Schüler fällt in Ohnmacht

In Mailand macht die Hitze sogar der zähen Urner Bergjugend zu schaffen. Keine 30 Minuten nach Verlassen des Postautokonvois fällt einer der Schüler in Ohnmacht. Der Schreck ist aber nur von kurzer Dauer – etwas Wasser reicht, und der Schüler ist wieder auf den Beinen.

Das Szenario zeigt: Wasser ist so wertvoll wie die Luft zum Atmen. Das weiss auch die 13-jährige Nadja Jauch. Die Oberstufenschülerin aus Silenen kennt Tricks, wie man Wasser sparen kann. «Im Unterricht haben wir gelernt, dass Duschen nachhaltiger als Baden ist», betont sie. Zudem solle man beim Abwaschen den Hahnen nie weiter als nötig öffnen. Und bei der Gartenarbeit sei es wichtig, Regenwasser anstelle von Trinkwasser zu nehmen.

Erschreckendes Resultat

Bereits im Vorfeld der Expo-Reise hatten die Schüler im Unterricht das Gut Wasser durchgenommen. «Im Geografieunterricht haben wir gelernt, wo die Flüsse Rhein, Reuss, Ticino und Rhone hinfliessen», erklärt Roger In­eichen. Der 14-Jährige besucht die zweite Oberstufe in Erstfeld. Vor dem Ausflug an die Expo hatte er zusammen mit seiner Klasse einen Abschnitt des Reuss­ufers in Erstfeld gereinigt. Dabei ist ihm klar geworden, dass nicht jeder den Wert des Wassers kennt. Denn das Resultat der Aufräumaktion gab zu denken: Auf einem Abschnitt von rund einem Kilometer hatten die Schüler an einem einzigen Nachmittag sieben 120-Liter-Säcke Abfall gesammelt.

Trotz Hitze ist die Motivation und Freude der Urner Schüler gross. Immerhin findet der Ausflug an einem freien Tag statt. Ihre Begeisterung gilt jedoch nicht ausschliesslich den verschiedenen Austellungen. Bei den Silenern etwa bricht lautes Geschrei aus, als jemand eine McDonald’s-Filiale entdeckt. «In Uri gibt es eben nur Burger King», meint einer der Schüler.

Dutzende Sicherheitskräfte

Neben den Imbissbuden hinterlassen auch die vielen Sicherheitskräfte einen bleibenden Eindruck. So wimmelt es an der Expo von Securitys, Militärs und Polizeieinheiten. Am Eingang zum Messegelände findet sogar eine Kontrolle wie am Flughafen statt. Metallgegenstände müssen zur Begutachtung abgegeben werden, und jeder einzelne Rucksack wird geröntgt, während daneben ein Mann steht, der pausenlos «Bongiorno, avanti, avanti, avanti» sagt. Unter allen Sicherheitskräften stechen aber zweifellos die italienischen Carabinieri hervor. Die Show gehört ganz ihnen: Denn niemand sonst versteht es, derart langsam Auto zu fahren und mit einer «coolen» Eleganz die Wege zwischen den Pavillons auf- und abzuschlendern.

Doch weder das Gedränge, die heissen Temperaturen noch die zahlreichen neuen Eindrücke vermögen es, den Schülern die Laune zu verderben. Im Gegenteil: Auf der Heimreise geht im Postauto der Silener die Post ab. Die Jungs johlen und ärgern die Mädchen – während diese jeweils mit Gekreische reagieren. Gefühlte 100 Mal mahnt die Lehrerin zum Absitzen. Aber selbst ihre Drohung «Ich sage es nicht noch einmal» bleibt wirkungslos.

Obwohl sich das Schulsystem und die Unterrichtsformen in einem ständigen Wandel befinden, bleibt an der Schule eben doch so manches immer beim Alten. Am Ende des tollen Ausflugs sind aber alle froh, wieder zurück in Uri zu sein, wo ein angenehm kühler Wind weht.

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