EXTREMKLETTERN: Dani Arnold: «Für gewisse Ziele lohnt es sich, ein Risiko einzugehen»

Dani Arnold klettert gerne schnell – sehr schnell. In der Extrem-Alpinistenszene ist er ein Star. Im Interview spricht der 32-Jährige über seine gefährliche Leidenschaft, Risikobereitschaft und die Sucht nach Rekorden.

Philipp Zurfluh
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Dani Arnold am 22. April 2015 auf dem Matterhorn, nachdem er in Rekordzeit – eine Stunde und 36 Minuten, die Nordwand erklommen hat. (Bild: Christian Gigi)

Dani Arnold am 22. April 2015 auf dem Matterhorn, nachdem er in Rekordzeit – eine Stunde und 36 Minuten, die Nordwand erklommen hat. (Bild: Christian Gigi)

Der Urner Extremkletterer und Bergführer meistert auch scheinbar unüberwindbare Hindernisse. Er hat mehrere Einträge im Guinness-Buch der Rekorde. Heute gibt er in Andermatt zusammen mit anderen Berg­führern Tipps zu verschiedenen Wintersportarten (Eisklettern, Skitouren oder Freeriden). In verschiedenen Workshops und Tagestouren lernen die Teilnehmer mit Technik, Material und Gelände umzugehen.

Dani Arnold, Sie loten oft Grenzen aus. Was treibt Sie an, bei waghalsigen Klettertouren Ihr Leben zu riskieren?

Das Extremklettern ist für mich wie ein Spiel mit mir selber. Wenn ich ein gestecktes Ziel erreicht habe, versuche ich herauszufinden, ob ich das Limit schon erreicht habe. Das Spiel ist ein ewiger Prozess. Meine jahrelange Erfahrung hilft mir weiter, heikle Momente zu überwinden. Wenn ich merke, dass ich nicht fit bin oder Kleinigkeiten nicht stimmen, dann lasse ich es sein.

Sie suchen bewusst den Nervenkitzel und das Risiko. Ist das nicht verantwortungslos?

Nein, überhaupt nicht. Klar, ich setze mir hohe Ziele, das ist mit hohen Anforderungen verbunden. Ich bereite mich oft ein Jahr lang auf eine Expedition oder ein Projekt vor. Für gewisse Ziele lohnt es sich aber, ein Risiko einzugehen. Wenn ich mir einen Lebenstraum realisieren will, muss ich um das Recht auf Risiko kämpfen.

Nach aufgestellten Rekorden bekommen Sie nicht nur Lob und Schulterklopfen. Wie stecken Sie negative Reaktionen weg?

Meistens beachte ich Leser-Kommentare zu meinen Zeitungsartikeln überhaupt nicht. Ich wurde auch schon beschimpft für das, was ich tue. Wenn mich jemand persönlich kritisiert, versuche ich mich natürlich zu erklären. Ich möchte mich aber nicht dauernd für meine Leidenschaft rechtfertigen müssen. Vor allem beim Klettern ohne Seil kommt von den Kritikern oft schnell die Frage nach der Verantwortungslosigkeit. Es ist absolut okay, wenn jemand eine andere Meinung hat. Ich bin aber froh, dass die positiven Rückmeldungen überwiegen, sie sind Motivation.

Sie sind verheiratet. Wie steht Ihre Frau zu Ihren risikoreichen Touren?

Meine Frau hat mich so kennen gelernt, wie ich bin. Sie hat Vertrauen in meine Stärken, mit dem Wissen aber, dass es ein Null-Risiko nicht gibt.

Was fasziniert Sie, so schnell wie möglich einen Gipfel zu erklimmen?

Etwas Unmögliches möglich machen. Das Gefühl oben auf einer Bergspitze ist einmalig und etwas vom Schönsten, was es überhaupt gibt. Dann herrscht eine grosse Zufriedenheit.

Würden Sie das Speed- Extremberglettern als Sucht bezeichnen?

Das kann man schon so sagen. Das Klettern, egal ob im Fels oder Eis, gibt mir sehr viel, macht mich glücklich und motiviert mich zu neuen Taten.

Welcher Aspekt spielt der mentale Bereich?

Klettern ist Kopfsache. Es geht um das volle Bewusstsein im Hier und Jetzt. Wenn man sich ablenken lässt, hat man verloren.

Bei den Workshops dieses Wochenende können die Teilnehmer Risikosportarten ausprobieren. Promoten Sie hier das Risiko?

So sehe ich das nicht. Eisklettern kann man zum Beispiel sehr sicher ausführen mit Hilfe von erfahrenen Eiskletterern. Wenn wir den einen oder anderen dazu animieren, über seine Fähigkeiten hinauszuwachsen, erachte ich dies als positiv. Gleichzeitig sensibilisieren wir die Leute auf die Gefahren.

Welche Gefahren sind das?

Man muss im Winter noch ein bisschen vorsichtiger sein als im Sommer. Dies hängt mit der Lawinengefahr zusammen. Obwohl ich seit zehn Jahren nichts anderes mache, tue ich mich immer noch schwer mit der Einschätzung dieser Gefahr. Auch der Nebel ist ein Faktor, den man immer im Auge behalten muss. Wenn man in ihm gefangen ist, fehlt jegliche Orientierung.

Welches Abenteuer steht für Sie als nächstes an?

In einer Woche geht es nach Kanada. Dort absolviere ich eine anspruchsvolle Expedition. Es ist Mixed-Klettern, eine Kombination zwischen Eis und Fels.

Interview: Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

 

Hinweis:Dani Arnold ist 32-jährig und auf dem Biel aufgewachsen. Heute wohnt er zusammen mit seiner Frau in Bürglen.

Dani Arnold klettert die letzte Seillänge am Gipfelpilz des Cerro Torre durch wilde, steile Eiskanäle. (Bild:Thomas Huber)

Dani Arnold klettert die letzte Seillänge am Gipfelpilz des Cerro Torre durch wilde, steile Eiskanäle. (Bild:Thomas Huber)

Dani Arnold beim Mixed-Klettern im Ben Nevis Gebiet in Schottland (2011). (Bild: Thomas Senf)

Dani Arnold beim Mixed-Klettern im Ben Nevis Gebiet in Schottland (2011). (Bild: Thomas Senf)

Dani Arnold gelingt an der Breitwangflue der Rekord, die drei weltbekannten Eiskletterrouten Flying Circus, Mach3 (Bild) und Crack Baby am selben Tag sturzfrei und im Vorstieg erfolgreich zu klettern (2012). (Bild: Thomas Senf)

Dani Arnold gelingt an der Breitwangflue der Rekord, die drei weltbekannten Eiskletterrouten Flying Circus, Mach3 (Bild) und Crack Baby am selben Tag sturzfrei und im Vorstieg erfolgreich zu klettern (2012). (Bild: Thomas Senf)

Für ein 360-Grad-Projekt steigt Dani Arnold die Eigernordwand mit einer Spezialkamera hoch. (Bild: PD Mamut)

Für ein 360-Grad-Projekt steigt Dani Arnold die Eigernordwand mit einer Spezialkamera hoch. (Bild: PD Mamut)