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FALL BÜRGLEN: Pfarrer Bucheli räumt Fehler ein

«Die Segnung ist zu wenig diskret gewesen.» Pfarrer Wendelin Bucheli übte gestern in der Kirche Selbstkritik. Nun strebt er den Frieden mit dem Churer Bischof Vitus Huonder an.
Der vom Bistum Chur kritisierte Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli zeigte am Sonntag in der Kirche ein Hirtenhemd als Symbol für seine Rolle als Hirte. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Der vom Bistum Chur kritisierte Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli zeigte am Sonntag in der Kirche ein Hirtenhemd als Symbol für seine Rolle als Hirte. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Anian Heierli

Pfarrer Wendelin Bucheli (61) machte einen gefassten Eindruck, als er gestern nach der Sonntagsmesse vor die Medien trat. Dabei hielt er ein traditionelles blaues Urner Hirtenhemd in der Hand. «Dieses Hemd wurde mir von der Pfarrei Bürglen geschenkt», sagte er. Die Urner hätten immer den klaren Wunsch gehabt, dass ihr Pfarrer ein Hirte sei. Seine symbolträchtige Geste zeigte Wirkung: Die rund 200 Gläubigen jubelten ihm lauthals zu und für einen kurzen Moment wirkte die sonst so beschauliche Kirche wie ein Stadion.

«Ich bin der gute Hirte»

«Erst die Urner lehrten mich, was ein guter Hirte ist. Sie halfen mir zu verstehen, was Jesus meint, wenn er sagt: Ich bin der gute Hirte», verkündete ­Bucheli feierlich. Bürglen, das sei eine Perle unter den Schweizer Pfarreien, und die Bewohner seien eine kostbare Herde, die nun im Fokus stehe. «Als ihr Hirte will ich alles daransetzen, dass diese Herde nicht verletzt wird. Sie soll keine Wunden davontragen, die noch Jahre eitern.» Mittlerweile ist Bucheli seit zehn Jahren der Seelsorger von Bürglen.

Im weiteren Verlauf seiner Stellungnahme richtete der Pfarrer sein Wort mit Nachdruck an den Churer Bischof Vitus Huonder. Bucheli ist bei Huonder in Ungnade gefallen, weil er im Oktober ein lesbisches Paar gesegnet hat. «Das oberste Ziel unserer Gespräche mit Huonder wird die Herstellung des Vertrauens sein, damit Versöhnung geschehen kann», sagte er gestern. «Nun muss wieder Ruhe und Frieden in unserer Pfarrei einkehren.»

Pfarrer bittet um Verzeihung

Bucheli räumte in seiner Rede aber auch Fehler ein. «Wenn ich jetzt all die Reaktionen in Betracht ziehe, muss ich erkennen, dass ich die Segnung zu wenig diskret vorgenommen habe», sagte er. Es seien Menschen verletzt worden. «Jene, die ich zu wenig geschützt habe und die dadurch verletzt worden sind, bitte ich nun um Verzeihung.»

Als in der vergangenen Woche der Rummel um Bucheli losging, suchte er die Stille vor Gott. «In dieser Stille hörte ich in mir ganz deutlich das Gebet ‹Nada te turbe› der Teresa von Avila», meinte er und zitierte den Text auf Deutsch: «Nichts soll dich ängstigen. Nichts dich erschrecken. Alles vergeht. Gott bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott besitzt, dem kann nichts fehlen.» Seinen Worten folgte ein Augenblick der Stille, in dem nur das Klicken der Fotokameras zu hören war.

Umstrittene Segnung erklärt

Wendelin Bucheli rechtfertigte zudem ein weiteres Mal die Segnung des lesbischen Paares. Sein Leitgedanke als Seelsorger laute: «Verbinde dich mit Christus und lass dich auf das ein, was dir begegnet. Dann wirst du erkennen, was zu tun ist.» In dieser Haltung habe er auch die Anfrage der beiden Frauen angenommen. Vor der Segnung sei er in sich gegangen und habe einen erfahrenen Jesuitenpriester um Rat gefragt. «Es war für mich eine grosse Freude, den beiden Frauen sagen zu dürfen, dass Gott auch sie akzeptiert, so wie sie sind», betonte Bucheli. «Mit tiefem Frieden im Herzen habe ich ihnen gesagt, dass Gott sie auf dem gemeinsamen Weg beschützen werde, und erteilte den Segen.»

Geld für neue Orgel

Am Ende seiner Worte richtete sich Bucheli ganz explizit an die zahlreichen Journalisten. «Uri ist ein wunderschöner Kanton. Macht von der Gegend Fotos als Werbung für uns. Und wir brauchen noch eine neue Orgel und suchen dafür Sponsoren», sagte er und verliess die Kirche. Die anwesenden Gläubigen würdigten seine Rede mit Standing Ovations. Zurzeit warten die Bürgler Katholiken auf eine Antwort des Bistums Chur. «Wir haben Bischof Vitus Huonder um ein klärendes Gespräch gebeten», sagte Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk. Bislang sei aber noch kein Termin vereinbart worden.

Abt reiht sich als Kritiker ein

Zurzeit kritisieren grosse Teile der Öffentlichkeit und angesehene Kirchenvertreter die konservative Haltung des Bistums Chur. Auch der Engelberger Abt Christian ist einer der Vertreter (siehe «Zentralschweiz am Sonntag» von gestern). Abt Christian hofft nun, dass der Botschafter des Heiligen Stuhls, der Apostolische Nuntius, aktiv wird.

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