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FALL SEIDEL: E-Mails zeigen Widersprüche auf

Die Kesb und der Fall eines 88-Jährigen ­erhitzen weiter die Gemüter. E-Mails rütteln nun aber an der Version, welche die Urner Behörde vertritt.
Florian Arnold/Anian Heierli
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde schützt bedürftige Personen. Das kann im höheren Alter eine Einweisung ins Pflegeheim bedeuten. (Bild: Keystone/Geatan Bally)

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde schützt bedürftige Personen. Das kann im höheren Alter eine Einweisung ins Pflegeheim bedeuten. (Bild: Keystone/Geatan Bally)

Florian Arnold/Anian Heierli

«Die Kesb hat Helmut Seidel beziehungsweise dessen Anwalt kein Gespräch verwehrt.» So liess sich Kesb-Präsidentin Barbara Eastwood in unserer Zeitung zitieren (siehe Ausgabe vom Samstag, 22. August). Doch nun zeigen unserer Zeitung zugespielte E-Mails etwas anderes.

Betreuungskonzept hat vorgelegen

Im März brachte die Kesb den 88-jährigen Rentner Klaus Seidel gegen seinen Willen im Pflegewohnheim Höfli unter. Die Behörde lehnte eine von der Familie Seidel vorgeschlagene Betreuung bei ihm zu Hause ab (siehe Box). Dies begründete die Behörde damit, dass die Familie Seidel nicht aufgezeigt habe, wie sie den 88-jährigen Rentner Klaus Seidel heimisch betreuen würde. Aus dem ­E-Mail-Verkehr geht nun aber hervor, dass die Familie sehr wohl klare Vorstellungen geäussert hatte: «Ein Familienmitglied wird die ganztägige Betreuung vor Ort im Haus für mehrere Wochen übernehmen. In der Zwischenzeit kümmern wir uns um einen privaten Betreuungsdienst», schrieb Helmut Seidel (74), der jüngere Bruder des betagten Klaus Seidel, am 13. März 2015 an die zuständige Ärztin der Psychiatrischen Klinik Zugersee und an die Kesb Uri: «Die ausgewählte Person wird dann im Haus wohnen und meinem Bruder rund um die Uhr in allen Dingen zur Seite stehen.»

Seitens der Klinik wurden zwar Bedenken, aber auch Verständnis gezeigt. «Ich persönlich habe nichts gegen ein von Ihnen bevorzugtes Betreuungsmodell, welches oftmals gut funktioniert», antwortet die zuständige Ärztin: «Wir werden diese Dinge beim weiteren Vorgehen beachten und respektieren.»

Ärztin beruft sich auf Behörde

Später war davon aber nichts zu spüren. «Nach telefonischen Gesprächen mit dem Hausarzt und der zuständigen Fachperson der Kesb müssen wir für Ihren Bruder leider doch eine geschlossene Langzeiteinrichtung finden», teilte die Ärztin am 17. März mit: So laute der Beschluss der Kesb. «Gegen diesen können wir nicht viel machen.» Umso mehr verwundert es, dass sich die Kesb ihrerseits vorwiegend auf das Gutachten der Psychiatrischen Klinik stützt. Zudem bat die Ärztin die Familie Seidel, «während der Telefonate mit Ihrem Bruder nicht über das laufende administrative Geschehen zu sprechen». Sie gab gleichzeitig den abschliessenden Entscheid preis: Klaus Seidel wird zuerst in Oberwil bleiben, bis ein Pflegeheim mit Demenzstation und Garten gefunden wird. In einem zweiten Schritt soll überlegt werden, ob auch Frau Seidel ins gleiche Heim ziehen soll. Andererseits wird der 24-Stunden-Betreuung zu Hause eine Chance eingeräumt. Da sich Klaus Seidel aber gegen eine Betreuungsperson sträube, sei eine längere Probephase nötig. «Wir finden das einen guten Weg, der doch die Chance lässt, eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause zu etablieren», so die Ärztin. Heute sagt Helmut Seidel dazu: «Diese Chance hat nie bestanden.» Schlichtungsversuche per Hausanwalt seien von der Kesb abgeblockt worden.

Ohne Gruss und Signatur

Gegenüber unserer Zeitung betonte Kesb-Präsidentin Barbara Eastwood, die Behörde habe im regelmässigen Kontakt mit Klaus Seidel, dessen Familie und dem Hausanwalt gestanden. Der E-Mail-Verkehr aber lässt nun auf etwas anderes schliessen: Helmut Seidel bat am 20. März bei der Kesb um ein Gespräch. Dafür wollte er extra in die Schweiz reisen. Wegen Ferienabwesenheit seitens der Kesb musste er sich aber gedulden. Am 16. April fragte er ein zweites Mal an. Daraufhin verwies ihn die Kesb am 20. April für Fragen zu einem geplanten Gutachten der Krankenkasse von Rentner Klaus Seidel an eine dafür zuständige Sozialarbeiterin der Kesb Uri. Klaus Seidel meldete sich daraufhin bei der Sozialarbeiterin und erhielt noch am 20. April folgende Antwort: «Beim heutigen Stand der Abklärungen ­erachte ich von unserer Seite im Moment keinen Bedarf für ein weiteres Gespräch.» Unter der knappen Antwort standen weder ein Gruss noch eine Signatur der Sozialarbeiterin.

Helmut Seidel hakte nach. Er wollte wissen, wie wichtig die Expertise der Krankenkasse sei. In einer weiteren knappen Antwort der Sozialarbeiterin heisst es: «Die Prüfung der Pflegestufe durch den Krankenversicherer ist seitens der Versicherung üblich, für uns jedoch nicht relevant.» Auch bei dieser E-Mail fehlen Signatur und Gruss. Helmut Seidel hat kein Verständnis für diesen Umgang. «So antwortet also eine hilfsbereite Behörde. Welche Qualifikationen haben eigentlich diese Leute?»

Bei der Kesb hiess es gestern, dass Barbara Eastwood persönlich Stellung zu den Vorwürfen nehmen müsse. Die Kesb-Präsidentin sei diese Woche aber ferienhalber nicht zu erreichen.

Verbotene Ausreise

AH. Der 88-jährige Klaus Seidel erlitt Ende 2014 einen Schlaganfall, worauf er zusammen mit seiner Ehefrau ins Altersheim hätte ziehen sollen. Nach der Äusserung, «dann erschiesse ich mich lieber gleich – mich und meine Frau», ordnete die Kesb Uri eine psychiatrische und anschliessend eine Unterbringung in der Pflegewohngruppe Höfli an. Seine Familie hätte Klaus Seidel aber lieber zu Hause in Altdorf betreuen wollen. Da die Kesb die heimische Betreuung untersagte, brachte Seidels Neffe ihn daraufhin nach Deutschland.

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