FALL WALKER: Bereits der dritte Obergerichtsschreiber

Das Obergericht beschäftigt sich im November zum dritten Mal mit dem Fall Walker. Zum dritten Mal begleitet auch ein anderer Gerichtsschreiber den Fall. Auf Gianpietro Cantoni und Andreas Gschwend folgt der Berner Anwalt Mark Schibler.

Bruno Arnold
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Ignaz Walker (links) und sein Verteidiger Linus Jaeggi werden erneut vor dem Obergericht Uri antreten. (Bild: Pius Amrein (Altdorf, 22. Februar 2016))

Ignaz Walker (links) und sein Verteidiger Linus Jaeggi werden erneut vor dem Obergericht Uri antreten. (Bild: Pius Amrein (Altdorf, 22. Februar 2016))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Am 16. November wird vor dem Obergericht Uri die dritte Runde im Fall Walker eingeläutet. Es geht dabei um versuchten Mord in Mittäterschaft (Schüsse auf Nataliya K., die Ex-Ehefrau von Walker) und um die Entschädigung der amtlichen Verteidigung. Für die Gerichtsverhandlung ist ein Tag vorgesehen. Falls erforderlich, finden am 20. November und am 6. Dezember weitere öffentliche Verhandlungen statt.

Seit dem 1. Oktober begleitet mit dem frei praktizierenden Anwalt Mark Schibler bereits der dritte Obergerichtsschreiber den Fall Walker. Der 55-jährige Berner löst MLaw Andreas Gschwend ab, der ab Juni 2015 und bis im Frühjahr 2016 – somit auch während der zweiten Berufungsverhandlung im Herbst 2015 und im Frühling 2016 – als ausserordentlicher Gerichtsschreiber tätig gewesen war. Er arbeitet heute als Gerichtsschreiber beim Bezirksgericht Hochdorf.

Befristete Anstellung für Schibler

Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass die Urner Regierung Schibler auf Antrag des Obergerichts gewählt hat, und zwar mit einer befristeten Anstellung bis 28. Februar 2018. Schiblers Vorgänger Gschwend hatte seinerseits am 1. Juni 2015 den ordentlichen Urner Obergerichtsschreiber Gianpietro Cantoni abgelöst. «Dies war nötig, weil der Fall Walker umfangreich, personalaufwendig und prioritär zu behandeln ist, da der ehemalige Erstfelder Barbetreiber wieder in Sicherheitshaft sitzt», teilte das Obergericht Uri im Sommer 2015 auf Anfrage mit. «Ist ein so grosser Fall hängig, besteht immer die Gefahr, dass andere Fälle nicht angemessen schnell behandelt werden können. Dies wollte man mit dieser Massnahme verhindern.»

Für das neuerliche Berufungsverfahren hat das Obergericht wiederum eine mündliche Gerichtsverhandlung angesetzt. Ein schriftliches Verfahren wäre zwar möglich gewesen. Allerdings hätten sich sämtliche Parteien damit einverstanden erklären respektive auf eine mündliche Verhandlung verzichten müssen. Walkers Verteidiger Linus Jaeggi soll aber ein schriftliches Verfahren abgelehnt haben.

Die Schüsse fielen bereits im Jahr 2010

Walker wird vorgeworfen, im Januar 2010 vor seiner Nightbar Taverne in Erstfeld auf den holländischen Gast Johannes Peeters geschossen zu haben. Zudem soll der ehemalige Erstfelder Barbetreiber den Kroaten Sasa Sindelic beauftragt haben, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Nataliya K. zu töten. Die aus der Ukraine stammende Frau wurde im November 2010 durch drei Schüsse schwer verletzt. Bei beiden Taten wurde gemäss Untersuchungen der Polizei dieselbe Waffe verwendet.

Im September 2012 befand das Landgericht Uri Sindelic des versuchten Mordes in Mittäterschaft schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren. Walker fasste wegen Gefährdung des Lebens (Fall Peeters) und versuchten Mordes in Mittäterschaft (Fall Nataliya K.) eine Strafe von zehn Jahren. Der Kroate akzeptierte das Urteil und hat zwei Drittel der Strafe abgesessen. Am 11. Juli 2017 ist er bedingt entlassen und nach Kroatien ausgeschafft worden. Die Schweiz hat gegen ihn eine Einreisesperre verhängt.

Bundesgericht schickt Urteil zweimal zurück

Walker legte gegen das Urteil des Landgerichts Berufung ein. Das Obergericht Uri verschärfte das Strafmass und verurteilte ihn im September 2013 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und versuchten Mordes in Mittäterschaft zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Im Dezember 2014 hiess das Bundesgericht eine Beschwerde Walkers teilweise gut, hob das Urteil auf und schickte den Fall zur Neubeurteilung ans Obergericht Uri zurück.

Die zweite Berufungsverhandlung vor dem Obergericht Uri begann am 19. Oktober 2015. Sie wurde am 30. Oktober unterbrochen, am 22. Februar 2016 wieder aufgenommen und am 24. Februar beendet. Am 18. April sprach das Obergericht Walker mangels Beweisen vom Vorwurf des versuchten Mordes in Mittäterschaft an Nataliya K. frei. Schuldig gesprochen wurde er aber im Fall Johannes Peeters. Walker wurde zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt.

Sowohl Walker als auch der Oberstaatsanwalt gelangten im Sommer 2016 erneut ans Bundesgericht. Dieses hob das Urteil des Obergerichts im April 2017 auf und wies es zur Neubeurteilung nach Uri zurück. Am 16. November geht der Fall Walker somit in die dritte Runde vor Obergericht. Zurzeit ist Walker auf freiem Fuss. Er hat bis heute fast vier Jahre und sieben Monate abgesessen.