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FALL WALKER: Scharfe Schüsse sollen Augen öffnen

Das Forensische Institut hat am Montagabend drei Szenarien in Erstfeld nachgestellt. Die Schüsse wurden mit der Originalwaffe abgegeben, mit der im November 2010 auf die ehemalige Frau von Ignaz Walker geschossen worden war.
In Erstfeld wurden am 28. September drei Szenarien der Tatnacht nachgestellt. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

In Erstfeld wurden am 28. September drei Szenarien der Tatnacht nachgestellt. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Im Erstfelder Bärenbodenweg fielen am Montagabend wieder Schüsse – und erst noch am selben Ort, wo vor knapp fünf Jahren auf die ehemalige Frau von Ignaz Walker geschossen wurde. Diesmal jedoch waren die Richter gleich vor Ort und verletzt wurde niemand. Denn das Forensische Institut Zürich stellte am Montagabend im Auftrag des Urner Obergerichts verschiedene Szenarien nach. Richter, Ankläger und Verteidiger sollten sich bei dem Augenschein ein Bild machen können, ob die Beschreibungen der Zeugen plausibel sind.

Fotografieren verboten

Für die Aktion wurde das Gebiet um die Liegenschaft Bärenbodenweg 23 zwischen 21 und 23 Uhr gesperrt. Die Behörden rufen aus Sicherheitsgründen die Anwohner auf, sich nicht hinter Fenstern aufzuhalten. Zudem werde ein Kugelfang installiert, so dass von den Schüssen keine Gefahr ausgehe, heisst es in der Mitteilung. Ausserdem würden zwei Fenster abgedeckt.

«Es geht darum, dem Gericht zu zeigen, was sich hier im November 2010 zugetragen haben könnte», sagt Kurt Zollinger vom Forensischen Institut Zürich (FOR). «Wir gehen verschiedene Szenarien durch, die uns das Gericht vorgegeben hat.» Herauszufinden, wie es genau ablief, sei nicht möglich. «Am Schluss muss das Gericht entscheiden, welches Szenario am realistischsten ist», so Zollinger. Das Opfer wurde am Montag mit einer fahrbaren Zielscheibe nachgestellt. Die Schüsse mit der Originalwaffe gab der FOR-Mitarbeiter Martin Lory ab. «Wir haben in Absprache mit dem Gericht entschieden, keinen Profischützen zu engagieren, sondern einen guten Laien», so Zollinger.

Der «Gerichtliche Augenschein» stiess auf sehr grosses Medienecho. 20 Journalisten waren im Vorfeld des Augenscheins vor Ort und beobachteten das Geschen schliesslich aus sicherer Distanz. Während der Durchführung waren Ton- und Bildaufnahmen untersagt.

Neue Version aufgetaucht

Bei dem Verfahren gegen einen Erstfelder Barbetreiber Ignaz Walker geht es um zwei Schussabgaben 2010. Damals soll der Mann ausserhalb seines Lokals auf einen Gast geschossen haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe die Ermordung seiner Ehefrau in Auftrag gegeben. Diese wurde durch drei Schüsse lebensgefährlich verletzt.

Der Wirt wurde 2013 vom Urner Obergericht des versuchten Mordes, der versuchten Tötung und weiterer Delikte schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren belegt. Das Bundesgericht hob das Urteil 2014 auf und wies es an das Obergericht zur Neubeurteilung zurück.

Dabei hielten die Richter fest, dass das Urner Obergericht die DNS-Spur des Wirts auf einer Patronenhülse nicht mehr als Indiz verwenden dürfe. Gemäss Bundesgericht ist nämlich nicht klar, ob die DNS-Spur vor oder nach der Schussabgabe auf die Hülse geraten war.

Die Urner Polizei sieht sich Kritik ausgesetzt, wonach es bei den Ermittlungen gegen den Barbetreiber zu Ungereimtheiten gekommen sei. Der leitende Spurenermittler in dem Fall soll befangen gewesen sein, da er 2006 nach einem Privatbesuch in der Bar wegen Pöbeleien in ein Strafverfahren mit dem Wirt verwickelt gewesen war. Die Frage der Befangenheit klärte das Bundesgericht nicht.

Parallel dazu läuft seit Anfang Juni 2015 ein zweites Strafverfahren, wonach nicht der Barbetreiber für den Anschlag auf seine Frau verantwortlich sein soll sondern diese selbst zusammen mit ihrem Freund. Der verurteilte Auftragsschütze, der stets bestritt in dem Fall selber Schüsse abgefeuert zu haben, erklärte im Gefängnis in einem TV-Interview, es handle sich um einen inszenierten, schiefgelaufenen Tötungsversuch, um den Barbetreiber ins Gefängnis zu bringen.

Florian Arnold/sda

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