FALL WALKER: Verteidiger verlangt Freispruch für Walker

Der Verteidiger des wegen Tötungsdelikten angeklagten Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker hat am Mittwoch vor dem Urner Obergericht einen Freispruch gefordert. Er warf der Staatsanwaltschaft vor, möglicherweise widerrechtlich eine Zeugenbefragung verhindert zu haben.

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Ignaz Walker (rechts) erscheint mit seinem Verteidiger Linus Jaeggi am Montag in Altdorf zur Gerichtsverhandlung. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Ignaz Walker (rechts) erscheint mit seinem Verteidiger Linus Jaeggi am Montag in Altdorf zur Gerichtsverhandlung. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Die Taten, über die das Gericht zu befinden hat, gehen auf 2010 zurück. Die damalige Frau des Angeklagten Ignaz Walker wurde durch Schüsse schwer verletzt. Es gibt dazu zwei Tatversionen: Gemäss der einen hat ein vom Barbetreiber beauftragter Killer auf die Frau geschossen, gemäss der anderen hat die Frau das Attentat fingiert, wobei statt ihrer Tasche sie selber getroffen wurde. Zudem soll der Barbetreiber ausserhalb des Lokals auf einen Gast geschossen haben.

Ignaz Walker war 2013 vom Obergericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Das Bundesgericht hob das Urteil 2014 auf, so dass der Beschuldigte erneut vor Gericht erscheinen musste.

Die Rügen des Bundesgerichts betrafen den Fall, bei dem auf den Gast geschossen worden war. Es verfügte, dass eine DNS-Spur des Beschuldigten auf einer Patronenhülse nicht als Beweis verwendet werden dürfe. Zudem bemängelte es, dass der Gast als Hauptbelastungszeuge vom Gericht nicht erneut befragt worden sei. Das Obergericht müsse Anstrengungen machen, den Gast zu finden.

Zeuge offenbar verstorben

Die SRF-Sendung «Rundschau» und Verteidiger Linus Jaeggi erklärten am Mittwoch, der Hauptbelastungszeuge sei tot. Jaeggi warf der Staatsanwaltschaft vor, durch Täuschung eine erneute Befragung des Zeugen verhindert zu haben. Er sprach von Amtsmissbrauch und Urkundenfälschung, welche die Staatsanwaltschaft begangen haben könnte.

Gemäss Jaeggi hatte die Staatsanwaltschaft schon vor dem ersten Prozess vor Obergericht Kenntnis davon, wo der Gesuchte zu finden gewesen wäre und dass er Chef einer Drogenbande gewesen sei. «Die Story der angeblichen Unauffindbarkeit des Zeugen stinkt zum Himmel», sagte Jaeggi.

Die Aussagen des Hauptbelastungszeugen seien damit erledigt und dürften nicht zu Lasten des Beschuldigten verwendet werden, sagte Jaeggi. Gegen eine Schuld seines Mandanten führte er neben anderem an, dass an seinen Händen keine Schmauchspuren gefunden worden seien.

«Nicht an Wahrheit interessiert»

Wie zu erwarten, forderte der Verteidiger einen Freispruch. Das gesamte Verfahren gegen den Barbetreiber bezeichnete er als «Alptraum». Die Staatsanwaltschaft sei nicht an der Wahrheit interessiert gewesen, sondern habe den Beschuldigten vorverurteilt und alles Entlastende Beiseite geschoben.

Begonnen hatte der zweite Prozesstag damit, dass ein Ballistiker, der bereits am Montag ausgesagt hatte, erneut vor Gericht trat, um seine Aussagen zu ergänzen. Er hatte im letzten September eine Tatrekonstruktion durchgeführt und dabei drei verschiedene Schussszenarien durchgespielt.

Martin Lory vom Forensischen Institut Zürich (FOR) erklärte, er habe erneut den Tatort aufgesucht. Dabei habe er festgestellt, dass wegen der Dunkelheit und durch Lampen erzeugtes Gegenlicht ein genaues Zielen kaum möglich gewesen sei.

Für Lory rückt damit das fingierte Attentat, bei dem die Tasche der still stehenden Frau getroffen werden sollte, in den Hintergrund. Am wahrscheinlichsten ist für ihn gemäss den Erkenntnissen aus der Tatrekonstruktion das Szenario, das von einem Mordversuch ausgeht, bei dem die Frau zügig marschierte und der Täter in Abständen von ein bis zwei Sekunden schoss. Hier habe der Schütze intuitiv auf die Silhouette des Opfers zielen können, erklärte er.

sda