FASNACHT: Guggenmusik sucht Nachwuchs

Seit 1987 prägen die Chyybääderli die Urner Fasnacht. Am nächsten Wochenende feiern sie ein Jubiläum. Um weiter erfolgreich zu sein, müssen im nächsten Jahr aber viele neue Mitglieder gefunden werden.

Jessica Bamfordjessica.bamford@urmerzeitung.ch
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Die Guggä Chyybääderli gibt vor dem Telldenkmal ein Platzkonzert. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. Januar 2017))

Die Guggä Chyybääderli gibt vor dem Telldenkmal ein Platzkonzert. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. Januar 2017))

Jessica Bamford

jessica.bamford@urnerzeitung.ch

Die fünfte Jahreszeit hat angefangen. Die ersten Guggenfeste gehören bereits der Vergangenheit an. Am 27. und 28. Januar bietet die Guggenmusik Chyybääderli ein besonders vielfältiges Programm. Anlass dafür ist ihr 30-Jahr-Jubiläum. Unter dem Motto «Very British» können die Besucher in Altdorf motto­gerechte Unterhaltung und Getränke geniessen. Am Samstagnachmittag werden neben den «normalen» Unterhaltungsangeboten, Hüpfburg und Kinderschminken, dementsprechend ­einige Highlander vom Team Heavy Innerschweiz Highland- Spiele durchführen. Für musikalische Unterhaltung sorgen die Kleinformation Urknall und die Urner Band Wondersen. «Damit das Ambiente stimmt, hoffen wir, dass viele Besucher mottogetreu verkleidet sein werden», sagt Luca Marcacci, Präsident der Chyybääderli.

Erwartet werden am Freitagabend etwa 800 Fasnächtler, am Samstagabend rund 1000. «Wie viele das Nachmittagsprogramm anziehen wird, ist schwer einzuschätzen», meint Luca Marcacci. Dies auch, weil das Programm teils draussen stattfinden wird. «Die Festwirtschaft wird aber überdacht sein, man kann also auch bei schlechtem Wetter vorbeikommen», versichert er.

Der finanzielle Aufwand für das Jubiläumswochenende liegt im mittleren fünfstelligen Bereich, schätzt der Präsident. «Dies ist etwas höher als sonst, weil wir nur in Jubiläumsjahren an zwei Abenden ein Fest durchführen.» Dazu komme die Organisation des Familienprogrammes. Der Umfang des Festes fiel allerdings kleiner aus als ursprünglich geplant. Dies, weil das Konzept, aufgrund der laufenden Diskussionen um Veranstaltungen im Freien, kurzfristig geändert wurde (Ausgabe vom 5. November 2016). «Dadurch haben wir nur einen Ländlerwagen draussen, der bis um 2 Uhr geöffnet ist», erklärt Luca Marcacci. Der Rest der ursprünglich draussen geplanten Infrastruktur wurde gestrichen.

Musikstil tendiert immer mehr in Richtung Punk

Die Guggenmusik Chyybääderli ist vor 30 Jahren aus der Jugendmusik Altdorf entstanden. Seither ist die Gruppe ihrem Musikstil treu geblieben. «Wir sind sogar noch mehr in Richtung Punk gegangen», reflektiert Christian Lusser, ein langjähriges Mitglied. Noch immer würden sie viel Wert auf die musikalische Qualität legen. Diese war auch gefragt, um im Jahr 2005 am Kölner Fasnachtsumzug teilnehmen zu können. Das war ein Erlebnis, an das sich die beiden Fasnächtler gerne erinnern. Dort haben die Chyybääderli am Umzug teilgenommen und in der Stadt gespielt. «Die Leute in Köln haben anders reagiert als hier – sie sind richtig ausgeflippt!», schwärmt Luca Marcacci. Damals sei es ein Glücksfall gewesen, dass sie am Kölner Umzug mitmachen konnten. Jetzt seien die Kriterien noch höher. Deshalb sei es seither nicht mehr möglich gewesen, dorthin zu gehen.

«Es steht ein Generationenwechsel an»

In den letzten Jahren hat sich die nun 30-jährige Guggenmusik mit einem neuen Problem konfrontiert gesehen: Es wird laut Christian Lusser immer schwieriger, genügend neue Mitglieder zu rekrutieren, die im besten Fall sogar ein Instrument gelernt haben. «Ein Grund dafür ist sicherlich, dass es nicht mehr so ‹hip› ist, ein Blasinstrument zu spielen.» Er hofft aber, dass eine Trendwende bevorsteht: «Im Moment gibt es viele junge Brassbands, die Blasinstrumente für modernere Musikstile verwenden, zum Beispiel für Hip-Hop. Das macht die Instrumente wieder beliebter.»

Ein weiterer Grund für die schwierige Mitgliedersuche ist gemäss Lusser, dass junge Erwachsene oft glaubten, zu wenig Zeit zu haben, um in einer Guggenmusik dabei zu sein. «Oft beginnen die ‹Kandidaten› eine neue Ausbildung und haben Angst vor der Belastung in der Guggenmusik», erklärt Lusser. «Diejenigen, die aber dabei sind, bleiben oft auch trotz Ausbildungen, und es funktioniert gut.» Marcacci fügt hinzu, dass sie nur ab dem Oktober jeweils einmal pro Woche proben. «Auftritte haben wir dann normalerweise einen pro Wochenende. Die Belastung ist kleiner, als sie sich die meisten vorstellen.»

Für nächstes Jahr sei es besonders wichtig, viele neue Mitglieder aufnehmen zu können, weil viele der 39 Mitglieder den Austritt geben. «Es steht ein Generationenwechsel an», erklärt der 37-jährige Christian Lusser. «Auch ich überlege mir, aus der Guggenmusik auszutreten.» Die neuen Mitglieder würden vor allem über persönliche Kontakte angeworben. «Da ist auch der Einsatz unserer jüngeren Mitglieder gefragt», erklärt Lusser.

Guggen-Präsident Luca Marcacci schaut aber grundsätzlich zuversichtlich in die Zukunft: «Wahrscheinlich wird es nächstes Jahr eine kleinere Lücke geben», das sei unter anderem der Fall, weil in diesem Jahr nur wenige Neumitglieder dazukamen. «In den folgenden Jahren werden wir diese Lücke aber sicher wieder schliessen können», ist er überzeugt.

Hinweis

Die Jubiläumsfeier der Chyybääderli findet am 27. und 28. Januar im Winkel Altdorf statt. Das Programm: Freitagabend Platzkonzerte ab 19 Uhr, Türöffnung um 20 Uhr, Eintritt 5 Franken. Samstag Familienprogramm ab 13 Uhr, Platzkonzerte ab 19 Uhr und ­Türöffnung um 20 Uhr, Eintritt 15 Franken. An den Festen, die abends stattfinden, ist der Zutritt ab 18 Jahren gewährt.