17 bekannte Muschelarten bevölkern den Vierwaldstättersee

Nicht nur am Sandstrand, auch im Vierwaldstättersee findet man unzählige Muscheln. Dies ist auch ein gutes Zeichen für das funktionierende Ökosystem.

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Die Bachmuschel wird zirka 7 Zentimeter gross. (Bild: PD)

Die Bachmuschel wird zirka 7 Zentimeter gross. (Bild: PD)

(pd/pz) Dieser Tage baden zahlreiche Urner im Vierwaldstättersee. Das Gewässer bringt Abkühlung, Spass und Entspannung. Die Aufsichtskommission Vierwaldstättersee (AKV), bei der auch der Kanton Uri aktiv mitarbeitet, engagiert sich für den Schutz des Lebensraums See. «Nur so kann die hohe Qualität des Vierwaldstättersees weiterhin erhalten bleiben», schreibt das kantonale Amt für Umweltschutz in einer Mitteilung.

Unter dem Wasserspiegel offenbart sich eine faszinierende Welt, mit einem weitgehend noch intakten Ökosystem. Wer beim Baden Acht gibt, entdeckt im Urnersee sogar Muscheln. Die Mollusken, wie sie in der Fachsprache heissen, gehören zu den sonderbarsten Vertretern des Tierreichs. Sie haben einen weichen, flachen Körper, der von zwei Kalkschalen umschlossen ist. Muscheln gehören wie die Schnecken zur Gattung der Weichtiere. Sie atmen wie Fische mit Kiemen.

Muscheln entwickeln Überlebensstrategien

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Schlagzeilen zu ortsfremden Muscheln, die etwa mit Booten in den See eingeschleust wurden. «Diese Neozoen sind unerwünscht – doch nicht jede Muschel im See ist eingeschleppt», schreibt das Amt für Umweltschutz. Es finden sich auch «einheimische» Muscheln, die faszinierende Überlebensstrategien entwickelt haben.

Im Vierwaldstättersee sind etwa 17 Muschelarten bekannt. Gesund ist die Population der Gemeinen Bachmuschel. Dass diese Muschel im Vierwaldstättersee lebt, ist nicht selbstverständlich. In der Schweiz sind die Bestände der Bachmuschel seit 1950 fast vollständig eingebrochen. Die fortschreitende Verschmutzung der heimischen Gewässer macht dem Tier, das klares und sauerstoffreiches Wasser zum Leben braucht, das Leben schwer. Die Gemeine Bachmuschel verschwand von den meisten Standorten. Im Vierwaldstättersee jedoch finden sich nach wie vor ideale Lebensbedingungen. Vertreter dieser Art können bis zu 30 Jahre alt werden. Mit etwas Glück findet man am Ufer eine Schalenhälfte, die angespült wurde. Sie wird etwa 7 Zentimeter gross und ist braun bis grünlich-schwarz.

Erbsenmuscheln werden maximal 6 Millimeter gross

Spannend und anpassungsfähig ist die Gattung der Erbsenmuscheln. Wie der Name sagt, sind die Tiere klein und werden allerhöchstens 6 Millimeter gross. Die Ausnahme ist die Grosse Erbsenmuschel. Sie bringt es auf einen ganzen Zentimeter. Im Vierwaldstättersee kommen mehrere Arten der Erbsenmuschel vor. Manche sogar in sehr tiefem Wasser. Gemäss Biologen wurde die Quell-Erbsenmuschel im Urnersee bei Sisikon schon in 95 Metern Tiefe beobachtet. Sie hält übrigens unter den Wassermollusken in der Schweiz sowohl den Tiefen- als auch den Höhenrekord. Im Lago Maggiore lebt sie in 283 Metern Tiefe (78 Meter unter dem Meeresspiegel) und im Wallis wurde sie in einem hochalpinen Gewässer auf 2800 Meter über Meer gesichtet.

Es lohnt sich, den
 Gewässern Sorge zu tragen

«Dass diese Muscheln bei uns leben, ist ein Zeichen für den guten Zustand des Ökosystems im Vierwaldstättersee», sagt Alexander Imhof, Leiter Amt für Umweltschutz Uri. Es lohne sich, zu den Gewässern Sorge zu tragen – nicht nur wegen der Muscheln. «Der Mensch braucht gesunde Gewässer. Das zeigen die heissen Sommertage in den vergangenen Wochen», erklärt Imhof.