FC ALTDORF: Familie Gnos ist im Cupfieber

Eine Familie, zwei Generationen: Kari Gnos (65) kickte in der Cup-Mannschaft von 1981 gegen die Grasshoppers. Neffe André (29) läuft in einer Woche gegen Servette auf. Unsere Zeitung blickt mit den beiden zurück und nach vorne.

Philipp Zurfluh
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Kari Gnos und sein Neffe André teilen eine grosse Leidenschaft – die Liebe zum FC Altdorf. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 31. Juli 2017))

Kari Gnos und sein Neffe André teilen eine grosse Leidenschaft – die Liebe zum FC Altdorf. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 31. Juli 2017))

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Im Urner Hauptort war der Teufel los: Als Anfang Oktober 1981 bekannt wurde, dass der FC Altdorf im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups auf die übermächtigen Zürcher Grasshoppers aus der Super League – damals hiess sie noch Nationalliga A – treffen würde, rüstete sich das ganze Dorf zum «Spiel des Jahrhunderts». Nicht nur die eingefleischten Fussballer und Anhänger wurden vom Cupfieber ergriffen. Sei es am Arbeitsplatz oder am Stammtisch, fast überall sprengte der grosse Name GC den normalen Rahmen der fussballerischen Realität im Urnerland. Damit möglichst viele Zuschauer aufmarschieren konnten, wurde eine Tribüne mit 800 Plätzen errichtet. 600 Eintritte gingen bereits im Vorverkauf weg. Schliesslich säumten rund 3000 Schaulustige das Spielfeld.

Ein Schlüsselspieler des damaligen Altdorfer Cupteams war der heute 65-jährige Kari Gnos, der früher als kleiner wirbliger und gefürchteter Sturmtank ständig für Unruhe im Strafraum des Gegners sorgte. Er kann sich noch gut an die Partie vom 31. Oktober 1981 erinnern. «Ich war wahnsinnig motiviert und konnte das Spiel kaum erwarten.» Der damals 29-Jährige war ein Jahr zuvor noch Torschützenkönig geworden in der 2. Liga und wollte dem Zürcher Traditionsverein «unbedingt in die Suppe spucken». Er erzählt voller Stolz: «Wir hatten eine starke Mannschaft zusammen, die hervorragend harmonierte.»

Gnos schiesst Tore am Laufmeter

Bis zur Halbzeitpause konnte der Unterklassige einigermassen mithalten, es stand «nur» 0:3. Nach der Pause liessen die Kräfte etwas nach, und der Favorit – bestückt mit nationalen Fussballgrössen wie Claudio Sulser, Roger Berbig oder Roger Wehrli – setzte sich mit 8:0 durch. Was den heute 65-Jährigen, der Anfang Jahr in Pension gegangen ist, am meisten beeindruckte, war die sensationelle Atmosphäre auf der Suworowmatte. «Das Altdorfer Publikum war damals – und ist auch heute noch – ein sehr dankbares.»

Der gelernte Bauspengler sorgte nicht nur auf dem Platz für viel Wirbel, sondern war im Vorfeld der Partie auch in der Tageszeitung «Blick» ein Thema: «Schwur von Goalgetter Gnos! ‹Ich schiesse drei Tore!›», titelte das Blatt am Tag des Cupspiels. Gnos kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er auf diese Geschichte angesprochen wird: «Ein ‹Blick›-Reporter besuchte unser Training vor dem Cupspiel und fragte mich, ob ich gegen GC ein Tor erzielen könnte. Ich sagte, dass es toll wäre, wenn dies gelingen würde.» Am nächsten Tag las er die etwas überspitzte Überschrift und musste lachen über den «Seich», der geschrieben wurde. «Durch diese mediale Aufmerksamkeit hat GC natürlich von meinen Skorerqualitäten Wind bekommen, und ich wurde während des Spiels eng bewacht.» Kurt Jara im GC-Dress scherzte nach der Partie: «Wo ist dieser Gnos – hoffentlich hat er sich nicht aufgehängt!»

Der leidenschaftliche Dribbelkünstler ist in Altdorf aufgewachsen und begann seine Fussballkarriere – wie bereits sein Vater und seine drei Brüder – beim FCA. Eine fussballverrückte Familie. Neben kurzen Abstechern nach Ebikon und Buochs lief er sonst im gelb-schwarzen Trikot der Altdorfer auf. «Meine Stärken waren vor allem die Technik und die Schnelligkeit». Er durfte sich in seiner Aktivzeit beim FC Altdorf einige Male als Torschützenkönig küren lassen. Nach der Aktivzeit engagierte er sich als Trainer, unter anderem bei der ehemaligen «Urner Selection» der Junioren. Gnos traut den Altdorfern gegen die Genfer durchaus eine Überraschung zu.

Der Traum vom Leben als Profifussballer

Während Kari Gnos 1981 in der Blüte seiner Fussballkarriere steckt, hat sein Neffe André das Licht der Welt noch nicht erblickt. Erst sechs Jahre später wird er in Altdorf geboren. Wie sein Onkel entdeckt er früh die Leidenschaft für den Fussball. So durchläuft der heute 29-Jährige bis zu den C-Junioren alle Altersstufen. Sein Talent wird auch beim FC Luzern und beim SC Kriens bemerkt. Diese versuchen, den jungen Gnos zu einem Wechsel zu bewegen. Der damals 14-Jährige entscheidet sich für Kriens. «Das Interesse des Klubs war gross. Er bemühte sich um mich», sagt André Gnos. Dies habe schliesslich den Ausschlag gegeben: Während zweieinhalb Jahren spielt er in den U16- und U18-Teams, wovon er viel profitiert. «Das Niveau war hoch, und wir konnten uns mit starken Nachwuchsmannschaften aus der ganzen Schweiz messen.» Der Traum vom Leben als Profifussballer lebte, wie er erzählt. «André hatte die nötigen Veranlagungen, um den Schritt in höhere Ligen zu schaffen», sagt sein Onkel überzeugt.

Als André in Kriens kickt, beginnt er gleichzeitig die Lehre als Elektromonteur in Altdorf. So muss er bis zu fünf Mal in der Woche am Abend mit dem Zug nach Kriens und wieder zurück. Da bleibt nicht viel Zeit für anderes. «Der Aufwand wurde mir schliesslich zu gross», sagt Gnos. Voll auf die Karte Fussball zu setzen, ist kein Thema. «Ich wollte mir neben meinem Hobby noch ein berufliches Standbein aufbauen.» So kehrt er in den Kanton Uri zurück, wo er sich auf Anhieb in der 1. Mannschaft des FCA etabliert.

Vergangenes Jahr stolzer Vater geworden

In den vergangenen Jahren wurde der vielseitig einsetzbare Spieler immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Es hatte Momente gegeben, wo er sich fragte: «Tue ich mir diese Schmerzen noch an?» Doch aufgegeben hat er nie: «Der Spass am Fussball und die vielen schönen Momente, die ich mit der FCA-Familie erleben darf, bewogen mich zum Weitermachen.» Als Höhepunkt seiner Karriere hebt er den Aufstieg in die 2. Liga interregional hervor sowie den Triumph als Innerschweizer Cupsieger in diesem Jahr. Im November kam sein Sohn Lio zur Welt. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ein neuer Lebensabschnitt hat jetzt begonnen, der mir sehr viel Freude bereitet.» Nach seiner aktiven Zeit bei Altdorf kann er sich durchaus vorstellen, sich als Trainer zu engagieren. «Mein Herz schlägt für den FC Altdorf.»

Für das Spiel gegen Servette zeigt sich André optimistisch: «Ein frühes Gegentor vermeiden und offensiv eiskalt zuschlagen», so lautet seine Devise. Am Spielfeldrand wird dann sein Onkel Kari stehen und seinem Neffen sowie den FCA unterstützen, so wie er es fast an jedem Heimspiel tut.

Hinweis

Das Cupspiel FC Altdorf gegen Servette Genf findet am Samstag, 12. August, 17 Uhr, auf der Schützenmatte statt.

FCA-Spieler André Gnos am Ball. (Bild: Urs Hanhart (Brunnen, Mai 2015))

FCA-Spieler André Gnos am Ball. (Bild: Urs Hanhart (Brunnen, Mai 2015))

«Blick»-Artikel vom 31. Oktober 1981. (Bild: Bildausriss mlu)

«Blick»-Artikel vom 31. Oktober 1981. (Bild: Bildausriss mlu)