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FELSSTURZ: Sprengung birgt zusätzliche Gefahren

Sprengen oder sichern? Geologen klären ab, was mit dem lockeren Fels in der Schöllenen passieren soll. Das Risikogebiet wird nun rund um die Uhr überwacht.
Die Strasse in der Schöllenen bleibt wochenlang gesperrt. Andermatt ist per Auto nur via Airolo über den Gotthardpass zu erreichen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die Strasse in der Schöllenen bleibt wochenlang gesperrt. Andermatt ist per Auto nur via Airolo über den Gotthardpass zu erreichen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

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Anian Heierli und Sven Aregger

Wegen des Felssturzes vom vergangenen Mittwoch bei der Galerie Tanzenbein wird die Schöllenenstrasse zwischen Andermatt und Göschenen noch Wochen gesperrt sein. Experten schätzen das Risiko für einen weiteren Steinschlag als gross ein. «Oberhalb der Galerie sind 900 Kubikmeter Gestein abgebrochen, weitere 200 Kubikmeter drohen noch abzubrechen», erklärte Thomas Kloth, zuständiger Einsatzleiter des Bundesamts für Strassen (Astra), gestern im Werkhof Göschenen.

Weitere Schäden vermeiden

Für die Geologen stellt sich nun die Frage: sprengen oder sichern? Sprengen wäre die raschere Lösung. «Wir wissen aber nicht, wie der Fels neben der Abbruchstelle reagiert», sagt Kloth. «Falls auch dort lokale Risse sind, besteht bei einer Sprengung eine zusätzliche Gefahr für die Galerie oder sogar für die Linie der Matterhorn-Gotthard-Bahn.» Die Strasse und insbesondere die Bahnlinie sollen keinen Schaden nehmen. Die Bahnlinie ist derzeit die einzige direkte Verbindung zwischen dem Urserntal und dem Urner Unterland. Im Risikogebiet verlaufen die Bahnschienen durch einen Tunnel, deshalb können die Züge nach Fahrplan verkehren.

Kommt eine Sprengung nicht in Frage, muss das lockere Felsgestein gesichert werden. «Eine aufwendige Arbeit», sagt Geologe Peter Müller. «Das Gestein wird dabei mit Stahlankern und Stahlseilen fixiert. Hinzu kommen Zementinjektionen in offene Felsspalten.» Erst wenn der lose Fels gesprengt oder gesichert ist, können die Aufräumarbeiten an der Galerie beginnen. Gegenwärtig liegen mehrere Felsbrocken auf oder direkt oberhalb der Galerie. «Die Galerie selber ist in den vergangenen Tagen gesichert worden», sagt Astra-Einsatzleiter Thomas Kloth. «Einer weiteren Belastung hält sie aber nicht stand.» Denn die Galerie Tanzenbein ist als Lawinen- und nicht als Steinschlagschutz gebaut worden. Wenn es die Geologen aber für nötig erachten, wird die Galerie steinschlagtauglich gemacht.

Strassensanierung verzögert sich

Unter der Leitung des Astra wird bis Ende 2019 die Schöllenenstrasse in Stand gesetzt. Derzeit laufen die Arbeiten auf zwei Baustellen. «Da die Baustellen oberhalb und unterhalb der risikobehafteten Galerie liegen, können die Arbeiten fortgesetzt werden», sagt Gesamtprojektleiter Willy Reck. «Der Strassenunterbruch führt aber zu einer erschwerten Logistik. Deshalb kommt es zu Verzögerungen.»

Ab sofort lässt das Astra den Risikofelsen rund um die Uhr überwachen, denn trotz Strassensperrung wird die Notfallorganisation aufrechterhalten. «Feuerwehr, Polizei und Ambulanz dürfen bei Notfällen die Schöllenen passieren», betont der Andermatter Gemeindepräsident Roger Nager auf Anfrage.

Gelassenheit im Luxushotel

Die Andermatt Swiss Alps AG (ASA), die das Tourismusresort in Andermatt realisiert, blickt der mehrwöchigen Sperrung der Schöllenen gelassen entgegen. «Wir gehen davon aus, dass die Sperre keine grosse Auswirkungen auf den Betrieb des Hotels The Chedi Andermatt und die Bautätigkeit im Resort hat», sagt ASA-Sprecher Markus Berger. «Wir sind weiterhin gut erreichbar.» Berger betont, dass sowieso viele Gäste mit dem Zug anreisten. Für sie ändere sich nichts. Wer mit dem Auto komme, könne in Göschenen ohne gravierende Zeiteinbusse auf die Bahn umsteigen. Zudem holt «The Chedi» seine Hotelgäste wie bis anhin in Göschenen ab, jetzt halt per Zug.

Ob Sperre oder nicht aufgrund der Zwischensaison ist es im Luxushotel derzeit eher ruhig. «Wir glauben nicht, dass der Felssturz unsere Gästezahlen beeinflussen wird», sagt Berger. Und was die Bauarbeiten im Resort betrifft: Gegenwärtig läuft der Innenausbau im Appartementhaus Biber, im Golfclubhaus und in den Chedi-Residences. «Unser Glück ist, dass dafür keine grösseren Transporte nötig sind», so Berger. Die Lieferanten müssten einen rund 40-minütigen Umweg über Airolo und den Gotthardpass in Kauf nehmen. «Aber das ist logistisch lösbar.» Gemäss Gemeindepräsident Roger Nager könnten wegen des Umwegs aber Durchfahrtstouristen im Urserntal ausbleiben.

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