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FESTTAGE: So wird in Uri Weihnachten gefeiert

Die Redaktion der «Neuen Urner Zeitung» wünscht all ihren Leserinnen und Lesern von Herzen frohe Festtage. Von ihren Erlebnissen am «Fest der Liebe» erzählen fünf Persönlichkeiten.

Texte Sven Aregger/Florian Arnold/Markus Zwyssig

Achtung, explosiv!

Der Urner Filmemacher Felice Zenoni ist gestern nach Berlin gereist. Er verbringt die Weihnachtstage gemeinsam mit seiner Schwester Raffaela, die als Künstlerin in der deutschen Hauptstadt lebt und arbeitet. «Berlin ist eine besondere Stadt», sagt Felice Zenoni. Neben dem gemütlichen Beisammensein und gutem Essen freut sich der Regisseur der diesjährigen Erfolgsdokumentation «Danioth – Der Teufelsmaler» vor allem auf einen anregenden Theaterabend oder auf einen Musical- Besuch. Unvergessen bleiben für Felice Zenoni die Weihnachtsfeiern, die er vor vielen Jahren als Bub in Altdorf erlebt hat. Der Grossvater, der in der damaligen Munitionsfabrik im Altdorfer Schächenwald arbeitete, schnitzte in seiner Freizeit gerne Kühe und andere Holzfiguren. Über die Weihnachtstage stellte er dann jeweils seine selbst gebastelte Krippe auf. «Grossvater hat sich wirklich Mühe gegeben. Ochse, Esel und Schafe, alles hatte er fein säuberlich geschnitzt. Nur die menschlichen Figuren waren gekauft.» Eine prächtige Palme sei da gestanden, der Stall sei beleuchtet gewesen. «Wir Kinder sind stundenlang vor der Krippe gesessen und haben Grossvaters Arbeit bestaunt», erinnert sich der 51-jährige Regisseur. Irgendwann haben die Kinder aber auch die Rückseite der Krippe betrachtet. Grossvater hatte offensichtlich altes Verpackungsmaterial aus der Munitionsfabrik mit nach Hause genommen und zum Basteln verwendet. «Matières explosives» («explosives Material») stand da nämlich geschrieben. «Das war wohl die beste Art, friedliche Weihnachten zu feiern», sagt Felice Zenoni und lacht.

Rennkalender bestimmt Festtage

Für Aline Danioth werden es kurze Festtage. Am Sonntagabend ist die Skirennfahrerin aus dem französischen Courchevel zurückgekehrt, wo sie ihr erstes Weltcup-Rennen bestritten hatte (44. Rang). Und schon am Freitag nach Heiligabend wird die 17-jährige Andermatterin zum Training nach Österreich aufbrechen. Trotz des gedrängten Terminplans freut sich Danioth auf die Festtage. «Weihnachten ist für mich eine der schönsten Zeiten des Jahres, vor allem wenn es schneit», sagt sie. Am Morgen des 24. Dezember will sie wie gewöhnlich am Gemsstock auf die Pisten gehen. Am späteren Nachmittag besucht sie gemeinsam mit ihrer Familie den Weihnachtsgottesdienst in Andermatt. Den Heiligabend verbringt sie dann zu Hause. Die Grosseltern und der Götti sind zum Essen eingeladen. «Es ist besonders schön, wenn man Weihnachten daheim mit seinen Verwandten feiern kann», sagt Danioth, die wegen des eng gesteckten Trainings- und Rennkalenders im Dezember nur eine Handvoll Tage in Andermatt weilte und daher wenig von der adventlichen Stimmung im Dorf mitkriegte. Unterwegs hat sie aber Zeit gefunden, das eine oder andere Geschenk für ihre Liebsten zu besorgen. Sie selber hat keine grossen Wünsche, zumindest keine materiellen. «Wichtig ist mir einfach, dass die Familie gesund bleibt und dass meine Saison weiterhin so gut verläuft.» Der erste Weltcup-Einsatz in Frankreich war denn auch «ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, über das ich mich mega gefreut habe», so Danioth. Und die junge Urnerin erhält noch vor Jahresende eine weitere Chance, ihr Können auf höchstem Niveau zu zeigen: Sie darf am 28. Dezember am Weltcup-Riesenslalom in Lienz (Ö) starten. «Hoffentlich kann ich mir selber auch noch ein nachträgliches Geschenk machen – mit einem guten Resultat», sagt Aline Danioth.

Doppelte Bescherung

Samih Sawiris feiert gleich zweimal Weihnachten. Zuerst begeht er das Fest der Liebe zusammen mit seinen jüngsten Kindern und seiner Frau. «Dieses Jahr werden wir Weihnachten im Süden auf dem Meer auf unserem Boot verbringen », sagt der ägyptische Investor, der das Tourismusresort Andermatt realisiert. Am 7. Januar feiert Sawiris dann in El Gouna mit seinen Eltern und den drei älteren Kindern. «Das ist sehr schön für mich. Denn so kann ich nicht nur Zeit mit meiner ganzen Familie verbringen, ich erhalte erst noch zweimal Geschenke», sagt er mit einem Schmunzeln. Sawiris ist koptischer Christ und somit Angehöriger der altorientalischen Kirche Ägyptens. Die Mehrheit der Christen in Ägypten sind Kopten.

Schlicht – bis aufs Essen

Der 24. Dezember beginnt bei Ständerat Isidor Baumann wie jeder andere Tag. «Nur am Nachmittag werden einige von unserer Familie nervös, weil noch nicht genau festgelegt ist, wann genau gefeiert wird», sagt der Urner Politiker. «Und gleichzeitig steigt beim einen oder anderen, nicht zuletzt bei mir, das schlechte Gewissen auf, weil man zwar immer an die Geschenke gedacht hat, aber nicht dazu gekommen ist, sie zu besorgen.» Das Schenken halte sich deshalb im kleineren Rahmen. «Es gilt der Grundsatz, dass wir Dinge während des Jahres beschaffen, wenn wir sie brauchen», erklärt er. «Auf Schmuck, Schokolade und andere gängige Weihnachtsgeschenke sind wir nicht erpicht.» Das rühre von seiner Jugend her: «Wenn man immer zu essen hatte und einige Wünsche unter dem Jahr schon in Erfüllung gingen, dann war man an Weihnachten auch mit nur einem Geschenk zufrieden.» Schlicht und einfach – bis auf eines: «An Weihnachten steht im Vordergrund, dass wir besonders gut essen», verrät er. Mit Ausnahmen wegen Auslandaufenthalten oder arbeitsplatzbedingt sei jeweils die ganze Familie anwesend: Neben Isidor Baumann und dessen Frau auch die vier Kinder. «Heiligabend ist der Familie gewidmet. Am 25. Dezember stehen wieder andere Einladungen auf dem Programm jedes Einzelnen», so der Ständerat. Die Familientreffen beschränkten sich allerdings nicht auf Weihnachten. «Unsere Jungen kommen sehr oft nach Hause. Wir sind allzeit bereit, wenn noch ein paar mehr mitessen wollen.» An Weihnachten stelle man sich aber bewusst darauf ein, dass nichts anderes mehr Platz habe neben dem familiären Beisammensein. Politik habe am Tisch aber wenig Platz. «Ich erzähle nicht mehr, als ich muss. Nur wenn etwas brandaktuell ist, wird dies diskutiert.» Gemeinsam frage man sich aber, was das nächste Jahr wohl bringt.

Zeit zum Umbesinnen

Weihnachten heisst für Sabine Dahinden heimkommen. «Es packt mich immer noch, wenn ich an Heiligabend die Kirchenglocken von Altdorf höre», sagt die SRFModeratorin. «Das bedeutet für mich Nostalgie, und in diesem Moment wird mir jeweils bewusst, wie wertvoll es ist, Urner Wurzeln zu haben.» Es sind die Erinnerungen an die Kindheit, die hochkommen. «Wir vier Kinder sind in einem grossen, alten Haus aufgewachsen», erzählt Dahinden. Allein dies habe zu einem fröhlichen Ambiente beigetragen. «Unser Weihnachtsbaum war immer ganz farbig geschmückt, und es lagen viele Pakete darunter.» Man habe miteinander musiziert und gesungen. «Und meine Mutter hat eine Wunderkerze nach der anderen angezündet.» Durch den Tod ihrer Mutter sei Weihnachten zwar nicht mehr gleich wie früher, aber nach wie vor sehr wichtig für die Familie. So wird die Fernsehfrau Heiligabend in Altdorf mit ihren Liebsten verbringen. Und es wird das eine oder andere Päckli geben. «Ich finde das gegenseitige Schenken etwas richtig Schönes», sagt Dahinden. Dass Weihnachten auch mit Kommerz in Verbindung gebracht wird, stört sie dabei wenig. «Bei den Geschenken zählt nicht der Preis, sondern die Fantasie!» Die Weihnachtszeit sei auch eine Gelegenheit, sich umzubesinnen, sagt Dahinden. «Es gibt so viele schlechte Nachrichten aus der ganzen Welt. Aber wenn man sieht, dass alles liebevoll dekoriert ist, man sich schön kleidet und die Leute einander beschenken, ist das ein Zeichen dafür, dass es in der Welt auch viel Schönes und Gutes gibt.» Und darauf solle man sich an Weihnachten konzentrieren, findet Dahinden.

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