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FILM: Ein Heimatfilm wie aus dem Bilderbuch

Dirndl, Prügeleien und Liebesgeschichten: Der Film «Der letzte Postillon vom St. Gotthard» war vor allem seichte Unterhaltung. Damit hatte der Film Erfolg.
Elias Bricker
Die beiden Postillone Jo­hannes Zgraggen (Adolf Manz, links) und Kaspar Danioth (Rudolf Bernhard). (Bild: PD)

Die beiden Postillone Jo­hannes Zgraggen (Adolf Manz, links) und Kaspar Danioth (Rudolf Bernhard). (Bild: PD)

Elias Bricker

Am 2. August feiert der Film «Gotthard» auf der Piazza Grande in Locarno Premiere. Das Schweizer Fernsehen SRF sendet den historischen Zweiteiler am 11. und 12. Dezember. Darin geht es um die Entstehung des Gotthard-Eisenbahntunnels zwischen 1872 und 1882. Bei der internationalen Produktion wirken Schauspielgrössen wie Carlos Leal und Miriam Stein mit – sowie einige Urner Statisten. Denn im vergangenen Jahr wurde unter anderem auch an der Furka gedreht.

Von Flüelen bis Hospental

«Gotthard» ist aber nicht der erste Spielfilm, der den Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels auseinandersetzt. Bereits Regisseur Edmund Heuberger hat die Thematik 1941 filmisch umgesetzt. Im Zentrum standen damals aber viel weniger die Tunnelarbeiter, als viel mehr die Bevölkerung des Urserntals. Der Film hiess denn auch «Der letzte Postillon vom St. Gotthard».

Die Innenaufnahmen dazu entstanden im Studio Seebach in Zürich. Die Aussenaufnahmen wurden aber hauptsächlich im Kanton Uri gedreht – so etwa in Flüelen, Schattdorf, Wassen, Andermatt und Hospental. Nur auf dem Gotthardpass selber konnte die Filmcrew nicht drehen. Denn während des Zweiten Weltkriegs galten weite Teile des Gotthardmassivs als militärisches Sperrgebiet. Im Film wirkten zudem auch unzählige Urner als Statisten mit. Und einige Mitglieder der Tellspielgesellschaft Altdorf erhielten sogar kleine Rollen.

«Schade um das viele Geld»

Der Film erzählt die letzten Jahre vor der Eröffnung des Gotthard-Eisenbahntunnels 1882. Er zeigt den Alltag der Postillone respektive wie die Leute vor mehr als 130 Jahre mit dem Dampfschiff nach Flüelen reisten und dann mit der Postkutsche weiter nach Camerlata. Der Film gibt aber auch Einblick in den Tunnelbau. Der plötzliche Tod von Tunnelbauer Louis Favre wird zudem heroisch inszeniert.

Im Kanton Uri trifft Altes auf Modernes: Für die Kutscher am Gotthard und den Hufschmied von Andermatt bringt die Eisenbahn aber vor allem Zukunftsängste mit sich. Deshalb macht Postillon Johannes Zgraggen auch nicht gerade Luftsprünge, als seine Tochter sich in einen Ingenieur verliebt und sein Neffe eine Stelle auf der Tunnelbaustelle annimmt. Zudem glauben (oder hoffen) die Filmfiguren gar nicht recht daran, dass der Tunnel je fertig gebaut wird («Schade um das viele Geld. Sie kommen doch nie durch den Berg.»).

Viele Lacher und Happy End

«Der letzte Postillon vom St. Gotthard» ist inszeniert wie ein Heimatfilm aus dem Bilderbuch: Die Frauen tragen Tracht oder Dirndl und die Männer wildern Gämsen. Zudem gibt es wilde Prügeleien wie in einem Italo-Western. Natürlich dürfen auch Liebesgeschichten und ein Happy End nicht fehlen. Der Film endet denn auch mit einer Doppelhochzeit.

Und obwohl der Film eigentlich ein ernsteres Thema behandelt, kommt er über weite Strecken wie eine Komödie daher. Offenbar wollte Regisseur Edmund Heuberger dem Publikum während des Zweiten Weltkriegs leichte statt schwere Kost vorsetzen. Sein Plan ging jedenfalls auf. Denn der Film wurde ein Kinoerfolg.

Mit dem Dialekt hapert es

Die Schauspieler versuchten im Film zudem, krampfhaft breitestes Urner-Deutsch zu sprechen. Das Resultat? Na, ja ... Es ist auch für das Urner Publikum kein Genuss, den Schauspielern zuzuhören. Zudem hat wohl niemand Regisseur Heuberger darauf aufmerksam gemacht, dass die Urschner eigentlich gar kein Urner-Deutsch sprechen, sondern einen eigenen Dialekt haben.

Einzig Rudolf Bernhard, der den Postkutschen-Kondukteur Kaspar Danioth mimt, verzichtete gleich ganz darauf, Urner Dialekt zu sprechen. Die Begründung liefert seine Figur im Film gleich selber: «Ich cha ja nüd däfür, dass ich in Basel ufgwaxä bin.» Der Schauspieler war übrigens der Begründer des Bernhard-Theaters in Zürich.

Ettore Cella setzt sich in Szene

Neben Rudolf Bernhard («Gilberte de Courgenay»), Ellen Widmann («Michel aus Lönneberga») und Adolf Manz («Wachtmeister Studer») spielte im Kinofilm auch der junge Ettore Cella mit. Der Zürcher mit italienischen Wurzeln, der dank Filmen wie «Bäckerei Zürrer» oder «Hinter den sieben Gleisen» im kollektiven Gedächtnis haften bleibt, erhielt im Postillon-Film eine seiner ersten Filmrollen. Der damals 28-jährige Cella mimte dabei einen Tessiner, der in Airolo eine Mühle betreibt. Doch beim Bau des Gotthardtunnels wurde ihm das Wasser abgegraben.

Das Schicksal von Ettore Cellas Filmfigur erinnert deshalb stark an die Neat. Denn beim Bau des Basistunnels versiegten auch plötzlich Wasserquellen in der Gemeinde Silenen. Die Geschichte am Gotthard wiederholt sich ...

Hinweis

Der Film wurde vor wenigen Jahren restauriert und ist seither im Fachhandel als DVD erhältlich.

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