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FILM: «Ein Stück Danioth steckt in jedem»

In den nächsten Wochen kommt «Der Teufelsmaler» in die Kinos. Regisseur Felice Zenoni über Parallelen zum Leben des Künstlers Danioth, Finanzen und Kameraarbeit.
Interview Florian Arnold
Heinrich Danioth (rechts) mit Unternehmer Armin Murer und Hotelier Gottfried Wenger (links) vor seinem Teufelsgemälde oberhalb der Teufelsbrücke. PD

Heinrich Danioth (rechts) mit Unternehmer Armin Murer und Hotelier Gottfried Wenger (links) vor seinem Teufelsgemälde oberhalb der Teufelsbrücke. PD

Mit der Felsmalerei neben der Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht setzte sich Heinrich Danioth ein Denkmal. Trotzdem ist der Urner Maler und Dichter, der 1896 in Altdorf geboren wurde und 1953 starb, etwas in Vergessenheit geraten. Ein Dokumentarfilm rückt den «Teufelsmaler» nun in den Fokus. Hinter dem Filmprojekt steckt der Urner Felice Zenoni, der in Zürich lebt.

Felice Zenoni, Sie sagten einmal, jedes Leben sei spannend genug für einen Film. Würden Sie wirklich jeden porträtieren wollen?

Zenoni: Ich möchte nicht unbedingt über jemanden einen Film machen, der negativ behaftet ist, wie etwa Hitler. Das sind zwar auch spannende Personen, aber ich mache lieber über jemanden einen Film, der etwas Positives zur Welt beigetragen hat.

Heinrich Danioth, den Sie in ihrem neusten Film porträtieren, hat viele Kunstwerke hinterlassen. Er musste aber auch negative Kritik hinnehmen, als er etwa den Teufel an die Felswand in der Schöllenen malte.

Zenoni: Er war der Zeit etwas voraus. Damit eckt man an. Es ist fast symptomatisch, dass Danioth heute als Urner Held gilt und damals nicht allen genehm war. Wenigstens hat man ihn relativ früh wahrgenommen. Mit 30 malte er Fresken im Tellspielhaus. Und acht Jahre später erhielt er den Auftrag, das Bundesbriefmuseum in Schwyz zu bemalen.

Mittlerweile wurde er fast vergessen.

Zenoni: Wir leben in einer schnelllebigen Welt, in der viel passiert. Aber ich glaube, dass Danioth ein Klassiker des 20. Jahrhunderts ist. In der Kunstwelt kommt es zu Wellenbewegungen. Gewisse Dinge tauchen wieder auf. Schön wäre, wenn der Film dabei hilft, dass man sich wieder etwas mehr mit Danioth auseinandersetzt.

Es ist ein Risiko, einen Film über einen unbekannten Künstler zu machen.

Zenoni: Wir haben uns das kommerzielle Risiko natürlich als Erstes überlegt. Und ohne die Starthilfe der Dätwyler-Stiftung hätten wir uns nie an das Projekt wagen können. In der Tat sind 90 Prozent der Fördergelder für den Film aus dem Kanton Uri. Die grossen Abwesenden sind das Bundesamt für Kultur, aber auch die Zürcher Filmstiftung und das Migros Kulturprozent. Die Begründung war immer dieselbe: Das ist ein regionales Filmprojekt. Die Botschaft von Danioth ist aber universell und spricht das Existenzielle des Menschen an. «Think global, act local», hat er schon vor fast hundert Jahren praktiziert.

Auch Danioth litt darunter, als Urner Heimatkünstler abgestempelt zu werden. Nun ergeht es Ihnen ähnlich.

Zenoni: Es ist frustrierend, dass wir ausserhalb der Zentralschweiz praktisch kein Geld erhalten haben. Das wurmt mich. Es gibt immer noch Klischees über Uri. In den Medien sind wir wegen der Staus und wegen einer zweiten Gotthardröhre. Ich habe versucht, ein anderes Uri zu präsentieren. Es braucht viel Kraft, trotz Gegenwind an die Idee zu glauben.

Sind Sie durch die intensive Auseinandersetzung mit dem «Teufelsmaler» zum «Teufelsfilmer» geworden?

Zenoni: Bei mir trifft das Wortspiel nicht zu. Aber klar habe ich probiert, meine bald 25-jährige Filmerfahrung hier noch mehr auf den Punkt zu bringen. Mit 50 Jahren fühlte ich mich reif für meinen persönlichen Heimatfilm.

Ihr Heimatfilm ist nicht voll von bärtigen Älplern und Kuhschwänzen. Vielleicht wäre das aber erfolgversprechender gewesen.

Zenoni: Diese Heimatfilme sind nett anzusehen und zeigen Sehnsüchte, die auch für ein städtisches Publikum interessant sind. Ich wollte aber tiefer gehen.

Dabei mussten Sie sich auch mit sich selber auseinander setzen. Wie viel Danioth steckt in Ihnen selber?

Zenoni: Ein Stück Danioth steckt in allen von uns drin – oder zumindest in jedem Urner. Vielleicht ist dies gar der Schlüssel zu Danioth. Er hatte humorvolle Seiten. Und wieder ist es mir aufgefallen, dass es einen ganz eigenen Urner Humor gibt: eine seltene Mischung aus Ironie, Herzlichkeit und Wärme. Danioth hat aber sicher auch seine Meinung klar gesagt und damit öfter auch seine eigenen Leute vor den Kopf gestossen. Das ist wohl das Naturell eines Künstlers, der sich nicht unterordnen lässt.

Und Danioth soll mit Selbstzweifeln gekämpft haben. Wie war das bei Ihnen während des Filmens?

Zenoni: Je weiter die Reise geht, desto mehr Leute springen auf den Filmzug auf und geben auch ihre Meinung ab. Hier das Ziel nicht aus den Augen zu lassen und nicht klein beizugeben, wenn es problematische Situationen gibt, ist eine Hauptaufgabe des «Reiseleiters».

Mit Ihren bisherigen Filmen haben Sie immer in die Vergangenheit geschaut. Ist Ihnen diese wichtiger als die Zukunft?

Zenoni: Ich habe nie einen Film über den Tod gemacht, sondern immer über das Leben. Und im Fall von «Danioth – der Teufelsmaler» ist das wohl noch intensiver spürbar.

Danioth ist für seine Kunst im Kanton Uri geblieben, Sie aber sind ausgewandert.

Zenoni: Wenn man sich für diesen Beruf entscheidet, muss man dort leben, wo das Orchester spielt. Die Filmbranche konzentriert sich in der Schweiz auf Zürich. Ich würde keine Möglichkeit sehen, den Beruf in Uri auszuführen.

Sie haben hinter, aber auch schon vor der Kamera gearbeitet. Was ist eigentlich interessanter?

Zenoni: Klar hinter der Kamera, obwohl ich auch die Erfahrung vor der Kamera sehr geschätzt habe. Es ist wie das Tüpfchen aufs i. Das ganze i zu schreiben, ist das Spannende und auch befriedigender.

Mit dem Danioth-Film haben Sie sich einen Traum erfüllt. Wie soll es jetzt weitergehen?

Zenoni: Ich wäre froh um ein nächstes finanziertes Projekt. Aber das braucht Geduld. Bei uns heisst es immer: «Zurück auf Feld eins.»

Was wünschen Sie dem Danioth-Film?

Zenoni: Dass vorerst möglichst viele Urner ins Kino strömen. Nur so haben wir Chancen auf Erfolg auch ausserhalb des Kantons. Neben diesem wirtschaftlichen Aspekt ist es aber mein grösster Wunsch, dass die Urner den Film ähnlich in ihr Herz schliessen, wie sie es mit Danioths Werk getan haben. Den Film widme ich meiner Heimat.

Von Danioths Bildern spricht man heute wieder. Wie lange wird man es von Ihrem Film tun?

Zenoni: (lacht) Ich hoffe, dass wir über die Premierenwoche hinweg im Gespräch bleiben. Das wäre schon ein Erfolg.

Florian Arnold

Hinweis

Die Welt-Uraufführung des Films von Felice Zenoni, «Danioth – Der Teufelsmaler», findet am 14. Januar im Cinéma Leuzinger, Altdorf statt.

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