Finanzierung von Betreuungsmassnahmen im Kanton Uri soll überdacht werden

Landrätin Jolanda Joss will wissen, ob verordnete Massnahmen in der Kinderbetreuung nach einkommensbasierten, reduzierten Tarifen angeboten werden können.

Nino Gisler
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Kinder können sich nicht aussuchen, in welche Familie sie hineingeboren werden. Wenn Eltern mit Sucht, häuslicher Gewalt oder psychischen Krankheiten zu kämpfen haben, sei die Chancengleichheit bereits ab Geburt nicht gegeben, schreibt Landrätin Jolanda Joos (SP, Bürglen) in einem Vorstoss, den sie am Mittwoch im Landrat eingereicht hat.

Landrätin Jolanda Joos.

Landrätin Jolanda Joos.

Bild: PD

Joos stört sich daran, dass mögliche Massnahmen dagegen – wie zum Beispiel eine sozialpädagogische Familienbegleitung für Erziehungsthemen, ein begleitetes Besuchsrecht bei Scheidungskindern oder eine Fremdplatzierung in Notsituationen – den betroffenen Familien heute vollumfänglich verrechnet werden. «Dies kann dazu führen, dass sich die Eltern dagegen wehren und nicht kooperieren wollen.» Im schlimmsten Fall würden sie den Kindern die Schuld an der finanziellen Last geben.

Joos erachtet es daher als notwendig, dass die Finanzierung zumindest für finanzschwache Familien zu Gunsten der Chancengleichheit der Kinder angepasst wird. «Von einem gestärkten Familiensystem profitieren auch die Gemeinden, denn somit können teurere Massnahmen, die oft später folgen, vermieden werden.»

Im Rahmen ihrer Interpellation stellt Joos dem Regierungsrat folgende Fragen:

  • Welche Institutionen können sozialpädagogische Familienbegleitung, begleitetes Besuchsrecht oder Fremdplatzierungen in Notsituationen verordnen und wo sind sie gesetzlich verankert?
  • Was kosten diese Massnahmen für Familien und wer bietet sie an?
  • Wer bezahlt die Massnahmen, wenn die Eltern Sozialhilfe empfangen? Und müssen die Kosten auch in diesen Fällen zurückgezahlt werden?
  • Kann sich der Regierungsrat vorstellen, die Kosten nach Einkommen der Eltern zu regeln (zum Beispiel nach dem Abstufungsmodell der Betreuungsgutscheine), sodass auch finanziell schwach gestellte Familien die verordnete Unterstützung annehmen können, ohne dass ihnen droht, in die Sozialhilfe abzurutschen?
  • Wäre es im Sinne des Regierungsrates, dass auch Familien ohne Verordnung, sondern auf freiwilliger Basis die Angebote mit einkommensbasierten reduzierten Tarifen (beispielsweise nach dem Abstufungsmodell der Betreuungsgutscheine) in Anspruch nehmen können?
  • Kann sich der Regierungsrat vorstellen, hierfür gesetzliche Grundlagen zu schaffen, falls keine vorhanden sind? In welchem Gesetz wäre dies sinnvoll?
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