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Fingerzeig der Urner Wähler nicht erkannt

Redaktionsleiter Bruno Arnold zur Urner Landammann-Wahl vom Sonntag.
Landammann-Wahl. Die Resultate wurden intensiv studiert (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 4. März 2018))

Landammann-Wahl. Die Resultate wurden intensiv studiert (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 4. März 2018))

3746 Stimmen für Roger Nager, 3728 für Barbara Bär, 526 für Vereinzelte: Das sind die absoluten Zahlen der gestrigen Urner Landammannwahl. Bei genau 8000 gültigen Voten ist ein Unterschied von 18 zwischen den beiden FDP-Regierungsräten ein äusserst knappes Resultat – zumindest auf den ersten Blick. Dieses Total setzt sich jedoch aus den in den 20 Urner Gemeinden erzielten Einzelergebnissen zusammen.

Und diesbezüglich sprechen die Zahlen bereits eine etwas andere und auch deutlichere Sprache. Roger Nager, der erst seit 2016 im Regierungsrat sitzt, sicherte sich am Sonntag 46,8 Prozent der gültigen Stimmen und gewann in 14 der 20 Urner Gemeinden. Die amtierende Landesstatthalterin Barbara Bär – sie ist seit 2012 Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektorin – erhielt in 5 Gemeinden mehr Stimmen als der Baudirektor. In Gurtnellen ergab sich eine Pattsituation. Zudem waren 15,6 Prozent der eingelegten Stimmzettel leer, 3,2 Prozent ungültig.

Es lohnt sich, diese 20 Einzelergebnisse etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Barbara Bär erhielt 46,6 Prozent der gültigen Stimmen. Sie lag in Isenthal (64,9 Prozent), Sisikon (59,5), Erstfeld (53,4), Altdorf (51,7 Prozent) und Bürglen (49,0) vor Parteikollege Roger Nager. Mindestens vier dieser fünf Teilerfolge durfte die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektorin erwarten. Denn: Dass Nager in Altdorf, der Wohngemeinde von Barbara Bär, verlieren würde, war anzunehmen.

Mit Niederlagen musste er auch in jenen drei Gemeinden rechnen, in denen es zurzeit wohl jeder andere Urner Baudirektor ebenfalls schwer hätte: Sisikon wartet seit Jahren auf eine Umfahrung, in Bürglen hat die Baudirektion Uri erst jüngst Tempo 30 verfügt, und in Erstfeld hat sich Roger Nager mit seinen klaren Worten zur Alpbach-Konzession respektive gegen die Kooperation mit der KW Alpbach AG wohl nicht nur Freunde geschaffen.

Bleibt noch Isenthal: Die Gemeinde ist bekannt dafür, dass sie auf kantonaler Ebene ein relativ behördenfreundliches Abstimmungs- und Wahlverhalten an den Tag legt. Bei der Landammannwahl dürfte man in der Berggemeinde dem Anciennitätsprinzip ein entsprechend hohes Gewicht beigemessen haben – ganz nach dem Motto: «Jetzt ist Barbara Bär an der Reihe.»

«Als Landammann steht man der Regierung vor und muss bei Krisen die Führung übernehmen und professionell kommunizieren. Beide Qualitäten bringt Barbara Bär nicht mit»: So hatte die SVP Uri ihren taktischen Feldzug gegen die Wahl von Barbara Bär begründet. Damit hat die Partei, die nicht mehr in der Regierung vertreten ist, Erfolg gehabt. Mit Blick auf das Ergebnis der Landesstatthalterwahl 2016 gilt es aber, das auf die Wahlen 2020 abzielende aktuelle parteipolitische Manöver der SVP doch etwas zu relativieren.

Im Februar 2016 erhielt Barbara Bär – damals ohne «offiziellen» Gegenkandidaten und zudem einige Monate vor dem Seelisberger Asyldebakel – nur 57,2 Prozent der gültigen Stimmen. Auf andere Regierungsräte entfielen damals 42,8 Prozent der Voten. 34,3 Prozent der eingelegten Stimmzettel waren Ende Februar 2016 leer, 9,1 Prozent ungültig. Bereits vor gut zwei Jahren entfielen in drei Gemeinden (Bauen, Göschenen und Gurtnellen) mehr Stimmen auf andere Exekutivmitglieder als auf die FDP-Regierungsrätin. In Wassen ergab sich zudem eine Pattsituation.

Mit andern Worten: Bereits 2016 hat das Urner Volk einen gewissen Unmut gegenüber der Arbeit der FDP-Regierungsrätin zum Ausdruck gebracht. Denn Fakt ist: Sowohl Landesstatthalter als auch Landammänner werden in Uri in der Regel respektive fast ausnahmslos mit Glanzresultaten gewählt. Bei Barbara Bär war dies bereits 2016 nicht der Fall. Die FDP muss sich daher fragen, ob sie den damaligen deutlichen Fingerzeig der Wähler respektive die Stimme des Volks zu wenig ernst genommen hat und damit die – zugegebenermassen einer persönlichen Tragödie gleichkommende – gestrige Nichtwahl von Barbara Bär provoziert hat. Zumal der «Fall Seelisberg» die Wahlchancen der Sozialdirektorin alles andere als erhöht haben dürfte.

Bruno Arnold, Redaktionsleiter
bruno.arnold@urnerzeitung.ch

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