FLÜELEN: 2017 muss die «Seerose» weiterziehen

Der Kanton Uri erlaubt den Betreibern der «Seerose», die Event-Plattform weiter im Flüeler Becken zu ankern – jedoch maximal für ein weiteres Jahr. Eine fixe Stationierung würde jedoch ohnehin Opposition von Landschaftsschützern bedeuten.

Livio Brandenberg
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Die Seerose gastierte auch am Urner Tag im August 2015 in Flüelen. (Archivbild Urs Hanhart / UZ)

Die Seerose gastierte auch am Urner Tag im August 2015 in Flüelen. (Archivbild Urs Hanhart / UZ)

Die schwimmende Event-Plattform Seerose darf noch maximal ein Jahr am jetzigen Übergangsstandort in Flüelen bleiben. Dies haben die kantonalen Behörden entschieden und gestern dem Flüeler Bausekretariat mitgeteilt, wie Bausekretär Edi Arnold auf Anfrage bestätigt. Im Schreiben heisst es, «die Bewilligung für die Verlängerung der temporären Benützung des Urnersees» werde «für maximal weitere zwölf Monate» erteilt.

Weil das Gesuch Ende Oktober eingereicht wurde, muss die «Seerose» das Flüeler Becken somit spätestens am 31. Oktober 2017 verlassen. Man werde den Betreibern der «Seerose» in der nächsten Woche die temporäre Bewilligung ausstellen, so Edi ­Arnold.

Der Betreiber, das ist der Verein Nationales Zentrum für Jugend, Musik und Theater (Muth), versteht, dass Flüelen nun eine Frist ins Spiel bringt. Muth-Geschäftsführer Fabio Küttel sagt aber: «Das macht uns natürlich auch ein wenig Druck.»

Betreiber sind Kanton Uri dankbar

Das Ziel sei nach wie vor eine nachhaltige Lösung, sprich: ein fixer Standort für den Grossteil des Jahres in Vitznau, so Küttel. Die Gesuche dafür liegen beim Kanton Luzern (siehe unsere Zeitung vom 13. November). In Vitznau plant Küttel, ein Ausbildungszentrum für junge Musiker und Theaterleute aufzubauen.

Bis im Oktober 2017 sollte Klarheit herrschen betreffend der Stationierung in Vitznau, sagt Küttel. «Doch falls wir dort nicht weiterkommen und in einem Jahr dann keinen Standort mehr haben sollten, müssten wir einen anderen Lagerstandort suchen.» Ein Vitznauer Anwohner hat gegen Küttels Vorhaben Beschwerde eingereicht. Der Ball liegt nun beim Luzerner Kantonsgericht.

An ein Aufgeben der «Seerose» will der Muth-Geschäftsführer zurzeit nicht denken. «Mit dem Gedanken einer Verschrottung muss man sich befassen – jedoch erst, wenn wir in den nächsten zwei Jahren keine Lösung gefunden haben», sagt er. «Das wäre ein trauriger Gedanke.» Dafür, dass die «Seerose» jetzt noch einmal ein Jahr in Flüelen bleiben dürfe, sei man dankbar. «Wir sind froh um das Entgegenkommen des Kantons Uri», so Küttel.

Momentan ist die «Seerose» ein Schiff

Die nun von den Urner Behörden gesetzte Frist verschafft den Betreibern ein wenig Luft, doch es bleibt die Frage, was mit der «Seerose» dereinst geschehen soll. Eine fixe Stationierung der 450-Tonnen-Plattform – ob in Vitznau oder in Flüelen – dürfte es jedenfalls schwer haben. Denn der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee (LSVV) droht bereits jetzt mit Beschwerden. «Eine längere Stationierung werden wir mit allen Mitteln zu verhindern wissen. Dies habe ich Herrn Küttel bereits mitgeteilt», sagt LSVV-Präsident Urs Steiger auf Anfrage. Der Verband hatte bereits im vergangenen Frühling Einsprache erhoben, als die Betreiber die Plattform in Vitznau auch als Badi nutzen wollten. Eine solche Ausweitung der Nutzung sei unzulässig, sagte Steiger im Mai zu unserer Zeitung. Damals sagte er auch, die «Seerose» sei sowieso als «temporäre Installation» gedacht gewesen, die «nach Abschluss der Nutzung verschrottet» werde. Auch gegen die Nutzung der «Seerose» als Weihnachtsplattform mit Markt und Kulturprogramm – ebenfalls in Vitznau – hatte sich der Landschaftsschutzverband gewehrt.

Ein Grund für die Ablehnung einer langfristigen Stationierung ist die Widerstandsfähigkeit der Stahlplattform. Steiger geht davon aus, dass die «Seerose» «nicht längere Zeit seetüchtig ist». Fabio Küttel teilt diese Bedenken nicht: «Die ‹Seerose› ist sicher noch zehn bis fünfzehn Jahre seetüchtig». Verständnis hat er aber für die Bedenken bezüglich Landschaftsbild der Uferzone. ­Er wäre daher auch offen, wenn es darum gehen sollte, die «See­rose» in einer anderen Farbe zu streichen.

Eine weitere Frage ist, ob der LSVV überhaupt einspracheberechtigt ist. Dies sei davon abhängig, wie der Standort aussehe, erläutert Urs Steiger. «Im Moment ist die ‹Seerose› ein Schiff. Sobald sie aber Installationen zur Stationierung braucht, sind Baubewilligung an Land oder zu Wasser notwendig.» Dort bestehe dann die Möglichkeit, Einsprachen zu erheben, so Steiger.

Livio Brandenberg