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FLÜELEN: «Danioth»-Haus: Besitzer darf Fenster auf Seeseite einbauen

2016 wollte das Bundesamt für Kultur nichts wissen vom Einbau eines Fensters auf der Seeseite des «Danioth»-Hauses. Jetzt hat der bekannte Besitzer grünes Licht erhalten. Dank seiner Kontakte nach Bern?
Bruno Arnold
Die seeseitige Fassade des Flüeler Danioth-Hauses soll ein zusätzliches Fenster erhalten. (Bild: Bruno Arnold (5. November 2016))

Die seeseitige Fassade des Flüeler Danioth-Hauses soll ein zusätzliches Fenster erhalten. (Bild: Bruno Arnold (5. November 2016))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

2015 hat der ehemalige Urner Regierungs- und Ständerat Markus Stadler zusammen mit seiner Frau Marlis das «Danioth-Haus» an der Seestrasse in Flüelen erworben (siehe Box «Das Haus»). «Wir werden einzig gewisse Änderungen im Innern des Hauses vornehmen, die aber von aussen nicht sichtbar sein werden», liess sich der Käufer damals zitieren.

Bereits wenige Wochen später stellten die Stadlers bei der Baukommission Flüelen ein Gesuch zum Einbau von je einem Fenster an der seeseitigen Westfassade und an der Südseite – obwohl ihnen bekannt war: Das Haus gilt als schutzwürdig. Kanton und Bund hatten Beiträge an die Sanierung der Fassaden gesprochen und dies mit dem Eintrag einer Nebenbestimmung im Grundbuch verknüpft, wonach bauliche Änderungen am Haus nicht ohne vorherige Rücksprache mit der kantonalen Heimatschutzfachstelle und nur mit Zustimmung des Bundesamts für Kultur (BAK) vorgenommen werden dürften.

Bundesamt macht rechtsumkehrt

Nun begann ein monatelanges Hin und Her (siehe Box «Parteien»). Aktueller Stand: Im «Amtsblatt» vom 16. März ist erneut ein Bauvorhaben für den Einbau eines Fensters an der Westfassade publiziert. Dagegen können Legitimierte innert 20 Tagen Einsprache erheben. Dies dürfte aber kaum geschehen: Stadlers Bittgang nach Bern hat sich gelohnt, das BAK hat eine 180-Grad-Kehrtwende vollzogen und wird keine Einsprache (mehr) machen: Stadler hat an höchster (Amts-)Stelle vorgesprochen, bei Isabelle Chassot, Direktorin des Bundesamts für Kultur und früheren Freiburger Staatsrätin.

«Zwischen der Bauherrschaft und der Direktorin des Bundesamtes für Kultur, Frau Isabelle Chassot, wurden Gespräche geführt», bestätigt Oliver Martin, Leiter Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege beim Bundesamt für Kultur, auf Anfrage. «Das BAK hält jedoch fest, dass von Seite des BAK in diesem Rahmen lediglich auf die rechtlichen Grundlagen des Bundesschutzes und die daraus resultierenden Bewilligungsschritte verwiesen wurde. Die Beurteilung des Bauvorhabens – sowie die Diskussion um mögliche Varianten und die schliessliche Zustimmung zum vorliegenden Projekt – erfolgte aus rein fachlicher Sicht durch die zuständige Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege des BAK.»

Verschiedene Fragen an die Adresse des BAK

Unsere Zeitung gelangte daher mit verschiedenen Fragen an die zuständige BAK-Stelle. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Fenstervarianten? Wie ist der Meinungsumschwung des BAK zu erklären, zumal es sich nach wie vor um nicht mehr und nicht weniger als den Einbau eines – allerdings gesamtflächenmässig etwas grösseren – Fensters handelt? Ist ein neues Fenster für das BAK ein baulicher Eingriff in die «spannungsvolle Fassadengestaltung» oder ist es dies nicht (mehr)? Welches sind die neuen Erkenntnisse, die dazu geführt haben, dass das BAK im Gegensatz zu 2016 nun Belichtungsdefizite sieht? Wieso konnte das BAK den Wunsch der Bauherrschaft um ergänzende Belichtung 2016 nicht nachvoll- ziehen, 2018 aber sehr wohl? Wie wird dem «Durchschnittsbürger» erklärt, dass es sich beim Einbau eines neuen Fensters mit den Massen 165 x 180 Zentimeter um eine «grösstmögliche Schonung des Kulturobjekts» handelt? So lauteten die wichtigsten Fragen.

Sektionsleiter Oliver Martin nahm schriftlich Stellung: «Das BAK kam zum Schluss, dass die durch den Fenstereinbau hervorgerufene Beeinträchtigung des Baudenkmals von lokaler Bedeutung in Kauf genommen werden kann, da das Vorhaben im Gegensatz zum ursprünglichen Projekt die Charakteristik des Atelierbaus in grösstmöglicher Weise wahrt», so die Antwort.

Damit gab sich unsere Zeitung nicht zufrieden: Worin unterscheiden sich die beiden (Fenster-)Varianten konkret? Weshalb wurde beim ersten Mal ein Fenstereinbau prinzipiell abgelehnt, weshalb wird er neuerdings akzeptiert? Welches sind die ausschlaggebenden Punkte für diese 180-Grad-Kehrtwende? Wieso wahrt das neue Vorhaben im Gegensatz zum ursprünglichen Projekt «die Charakteristik des Atelierbaus in grösstmöglicher Weise»? Oliver Martin nahm erneut schriftlich Stellung und wehrte sich: «Das BAK hat keine 180-Grad-Kehrtwende vollzogen.» Nach der Sistierung des (ersten) Baugesuchs hätten gemeinsam mit den Fachstellen des Kantons, der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege des BAK sowie den planenden Architekten verschiedene Sitzungen und auch ein Augenschein stattgefunden. Es seien verschiedene Projektvarianten geprüft und das Vorhaben weiter verbessert worden. «Das endgültige Projekt entspricht mehrheitlich den Forderungen des BAK: Das Fenster wurde besser platziert und zerstört die Fassadenasymmetrie nicht mehr. Es hat ein anderes Format und ist anders gestaltet und daher subtil als nachträgliche Anpassung erkennbar. Es bedeutet aus diesen Gründen – im Gegensatz zum ersten Projekt – nunmehr eine leichte Beeinträchtigung», heisst es in der schriftlichen Antwort. «Das BAK zog deshalb seine Beschwerde nach der Eingabe dieses neuen, aus unserer Sicht akzeptierbaren Projekts, und nach der Abschreibung des ursprünglichen Projekts, zurück.»

Grundsätzlich in einem Spannungsfeld

Die Denkmalpflege stehe in ihrer Praxis grundsätzlich in einem Spannungsfeld zwischen der grösstmöglichen Bewahrung der Kulturobjekte und ihrer Anpassung an aktuelle Nutzungsanforderungen, und es sei ihre Aufgabe, sich für vertretbare Lösungen einzusetzen. «Für die Sicherung des langfristigen Erhalts eines Baudenkmals sind dazu oftmals punktuelle bauliche Anpassungen in Erwägung zu ziehen. Von wesentlicher Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass die Schonung der Substanz sowie die Berücksichtigung der wesentlichen Charakteristik des Bauwerks durch grösstmögliche Sorgfalt der Planungen sichergestellt werden.»

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