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FLÜELEN: Das ist der einzige Taxifahrer vom Urnersee

Peter Klein (58) erfüllt sich einen lange gehegten Wunsch: Seit kurzem chauffiert er mit seinem Taxiboot Passagiere über den Urnersee. Vor Nebenbuhlern muss er sich nicht fürchten.
Kilian Küttel
Peter Klein legt sein Boot an. Er gehört zu den wenigen in der Schweiz, die einen professionellen Taxidienst auf See anbieten.Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 30. September 2016)

Peter Klein legt sein Boot an. Er gehört zu den wenigen in der Schweiz, die einen professionellen Taxidienst auf See anbieten.Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 30. September 2016)

Im Hafen von Flüelen liegt seine Leidenschaft, sein Leben, sein ganzer Stolz: Seit dieser Woche ist Peter Klein (58) der erste und einzige Seetaxifahrer im Kanton Uri. Nebenbuhler hat er keine. Und wenn auch – es wäre ihm egal. Aus Konkurrenz macht sich Klein nichts: «Ich mache es ja nicht, damit es rentiert», sagt der Flüeler mit einem Glänzen in den Augen, als er sein Boot betritt, ein Tau löst und den Motor startet.

Die Sonne scheint an diesem Freitagmorgen über den Vierwaldstättersee, keine Wolke steht am Himmel. Einzig ein wenig kühl ist es. Für Klein spielt das keine Rolle. Jede freie Minute verbringt er auf dem Wasser. Ob die Sonne scheint, der Regen peitscht, der Wind weht oder ihm der Schnee entgegenschlägt – ihm ist das einerlei: «Dieses Jahr war ich seit Januar etwa 250 Stunden draussen», sagt er. «Das Wasser ist mein Element, mein Ein und Alles.»

Von der Strasse auf den See

Wenn er nicht hinter dem Ruder steht, sitzt Klein am Steuerrad. Früher war er mal Maurer, doch das sei so lange her, es könne sich niemand mehr daran erinnern. Seit 1999 ist er Taxifahrer – ganz klassisch auf der Strasse. Im Moment chauffiert er vorwiegend Mitarbeiter der SBB von Erstfeld nach Goldau und wieder zurück.

Seit sieben oder acht Jahren habe er mit dem Gedanken gespielt, Freizeit und Beruf zu vereinen. «Ich habe mir überlegt, wenn ich schon Taxifahrer bin und ein Boot habe, wieso kombiniere ich das dann nicht?», sagt Klein. Jetzt ist der Entschluss gefällt. Und das kommt nicht von ungefähr. Er brauche ja schliesslich ein Hobby, wenn er pensioniert werde, so Klein. Sonst werde es ihm ja langweilig. Hinzu kommt, dass sein Sohn vor kurzem das Restaurant Seegarten an der Isleten übernommen hat. Da dränge es sich auf, die Gäste über den See zu seinem Sohn zu bringen. Doch die Route führt nicht nur von Flüelen nach Isleten. Klein will mit seinem Taxiboot den ganzen Urnersee abdecken – aber nicht zu jeder Jahreszeit. «Vor allem im Sommer würde es nichts bringen, dann sind die meisten Leute sowieso mit dem Schiff unterwegs.» Da müsse er nicht auch noch den anderen die Kundschaft wegnehmen. Klein sieht sein Angebot als Ergänzung – vor allem dann, wenn die Kursschiffe nicht mehr so fleissig verkehren wie im Sommer: «Wenn jemand abends am Seeufer unterwegs ist, mit dem ÖV nicht mehr nach Hause kommt und ein Taxi braucht – dafür gibt es jetzt mich.» Auf einer Strecke bis 4 Kilometer kostet eine Fahrt 40 Franken. Bis zu sechs Personen kann er mit seiner Flipper 630 CC transportieren.

Mit 60 Stundenkilometern peitscht er den 115 PS starken Motor des Boots über den See. Fünf Minuten braucht er von Flüelen nach Isleten, sieben nach Bauen, zehn nach Brunnen. 11 000 Franken hat er investiert, um das finnische Küstenboot umzubauen. Jetzt entspricht es den Vorgaben des Bundesamtes für Verkehr. Die Reling ist einen Meter hoch, Feuerlöscher und Rettungsring sind im Innenraum verstaut. Und: Das Boot kann nicht sinken. «Der Rumpf ist mit Styropor ausgekleidet. Auch wenn das Taxi mit Wasser vollläuft, geht es nicht unter.» Die Auflagen seien hart gewesen, aber das müsse halt sein, sagt Klein. Seetaxifahrer sind eine einsame Berufsgruppe: Rund um den Vierwaldstättersee gibt es nur einen weiteren Anbieter in Brunnen. Weder in den Kantonen Luzern noch Nid- oder Obwalden fährt jemand professionell Seetaxi – obwohl es hin und wieder Anfragen gebe, wie Markus Durrer vom Verkehrssicherheitszentrum Ob- und Nidwalden erklärt. Doch den meisten sei der finanzielle und technische Aufwand zu gross. Peter Klein liess sich davon nicht abschrecken. Auch wenn es nicht rentieren müsse – traurig über viele Gäste wäre er «natürlich nicht». Aber wie gross die Nachfrage letztlich sein wird, könne er nicht abschätzen.

Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Für den Moment hat Klein genug. Er parkiert sein Boot wieder im Flüeler Hafen. Jetzt gehe er nach Hause und lege sich hin. Abends müsse er wieder hinters Steuer. Aber wahrscheinlich hält er es nicht lange auf dem Sofa aus. «Wenn das Wetter so bleibt, fahre ich noch einmal auf den See», sagt Klein. Seine Augen glänzen wieder.

Kilian Küttel

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