FLÜELEN: Die Zufriedenheit im Job soll wachsen

Ein sicherer Arbeitsplatz ist von zentraler Bedeutung. An einem Podium wurde aber auch klar, dass es nicht allein um den Profit gehen darf.

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Diskutierten angeregt (von links): Thomas Wallimann, Mirjam Würsch, Erwin Koller und René Röthlisberger. (Bild Georg Epp)

Diskutierten angeregt (von links): Thomas Wallimann, Mirjam Würsch, Erwin Koller und René Röthlisberger. (Bild Georg Epp)

Georg Epp

Mit dem Gesprächsabend «Wirtschaften für Menschen oder für den Profit?» ging im Schulhaus Matte bereits der 13. Anlass im Rahmen der Feierlichkeiten 350 Jahre Pfarrei Flüelen über die Bühne. Unter der Leitung von Erwin Koller, Theologe und Journalist, diskutierten René Röthlisberger, Präsident Wirtschaft Uri, Thomas Wallimann-Sasaki, Sozialethiker KAB, und Mirjam Würsch, Hilfswerk der Kirchen Uri

Auch Theologie soll mitreden

Pfarrer Notker Bärtsch freute sich, in der Aula Schulhaus Matte rund 20 Besucher zum Gesprächsabend zu begrüssen. Nach kurzer Einführung in das Thema startete Theologe Erwin Koller die Diskussion mit der zentralen Frage: «Was heisst gutes Wirtschaften?» Antworten darauf könnten auch in unseren Kirchen, reformiert oder katholisch, nicht gleichgültig sein. Bald einmal wurde klar, dass für die Menschen ein sicherer Arbeitsplatz von zentraler Bedeutung ist. In diesem Sinne braucht es das Wirtschaften. Die Frage ist nur, wie viel ist noch gesund?

Das Rad wieder etwas bremsen

Nur wirtschaften für Profit, Wachstum und Gewinnoptimierung: Das kann es nicht sein. «Ich treffe nur noch Menschen, die wie Hamster unaufhörlich am Rad drehen», sagte Thomas Wallimann. «Alle hoffen, dass es jemand gibt, der dieses Rad etwas bremsen könnte.» Sehr oft gehe die Lebenszufriedenheit des Menschen im ganzen Arbeitsprozess vergessen. Vermehrt betonte er, dass nicht der Profit, sondern der Mensch im Wirtschaftsumfeld im Zentrum stehen sollte. Um gut zu wirtschaften, brauche es innovative Unternehmen, die auch etwas riskieren. Zu viel Risiko, wie der VW-Konzern mit dem Abgas-Skandal zeige, sei aber ungesund und gefährde Arbeitsplätze. «Gewisse Unternehmen werden immer grösser, aber auch immer weniger flexibel.» Sehr schnell bringe der Euro- oder Börsenkurs Firmen in Schwierigkeiten, die Folgen seien Kündigungen oder der Weg wieder zurück auf temporäre Arbeitsplätze. «Sehr oft vermisst man bei grossen Unternehmen den sozialen Aspekt, die Angst vor Arbeitslosigkeit ist mehr oder weniger immer da.»

Kirchen bieten Hilfe an

Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, leiden, viele von ihnen landen beim Hilfswerk der Kirchen Uri. Mirjam Würsch schilderte in kurzen Zügen die Dienstleistungen des Hilfswerks. «In der Beratungsstelle gibt es keine Wartezeiten, und es muss kein Formular ausgefüllt werden, um die Hilfe anzunehmen», sagte Würsch.

Um gut zu wirtschaften, sind optimale Verkehrswege, sei es auf der Strasse mit dem eigenen Auto oder im öffentlichen Verkehr, von zentraler Bedeutung für Uri, meinte René Röthlisberger. Ein um nur 10 Minuten längerer Arbeitsweg könne entscheidend sein. Er nannte das Beispiel Glarus Nord und Glarus Süd. Für den Wirtschaftsstandort Uri sei es auch wichtig, dass die jungen Arbeitskräfte nach wie vor gut gefördert werden, so dass möglichst wenige durch die sozialen Maschen hindurchfallen. Uri habe hervorragende Arbeitskräfte, das Handicap Wirtschaftsraum kann aber nicht wegdiskutiert werden. Thomas Wallimann dementierte die These, dass die heutigen Kirchen viel weniger oder gar keinen Einfluss auf die Wirtschaft ausüben als früher. Als Nidwaldner Landrat spüre er immer wieder, dass ethische Aspekte in gewissen Entscheidungen doch auch berücksichtigt werden. Mirjam Würsch meinte zu diesem Thema: «Wir müssen mehr miteinander auf vorhandene Lücken im Sozialsystem aufmerksam machen.» Grosse Probleme bekundet Thomas Wallimann mit dem heutigen Submissionsgesetz. Sehr oft bekommt der günstigste Anbieter die Arbeit, die dann mehrmals weiter vermittelt wird, und nach einigen Jahren muss die Pfuscharbeit erneuert werden, so dass der billigste am Schluss klar der teuerste war.

Die Ohnmacht im Flüchtlingsdrama

Die Frage: «Wirtschaften für den Menschen oder für den Profit?» konnte mit der Podiumsdiskussion nicht klar beantwortet werden. Gefragt ist der gute Mix und dass der soziale Aspekt nicht vernachlässigt wird. Das Thema Flüchtlingsdramatik, das die Wirtschaftsräume im Moment auch stark beeinflusst, kam erstaunlicherweise erst am Schluss auf den Tisch. Auch hier konnte keine Patentlösung präsentiert werden. Aus der Runde kam der Vorschlag oder die Überzeugung, jeder Einzelne muss selber nachdenken und irgend etwas gegen das Flüchtlingselend tun. Pfarrer Notker Bärtsch und die Besucher freuten sich über die guten Gespräche. Bei den Referenten bedankte er sich mit erwirtschafteten Leckerbissen aus der Region.

Nostalgisch- musikalische Weltreise

Am nächsten Mittwoch, 4. November, um 14.30 Uhr geht im Schulhaus Matte der Altersnachmittag über die Bühne. Tenor Peter-Matthias Born lädt die älteren Menschen von Flüelen und Sisikon zu einer nostalgisch-musikalischen Weltreise ein.