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FLÜELEN: Ein Paar pflegt die alte Kultur der Beizenfasnacht

Ferdi und Helen Zgraggen sind begeisterte Fasnächtler. Sie scheuen keinen Aufwand, um die Leute zu unterhalten, aber auch zu beschenken.
Helen und Ferdi Zgraggen als Weinbauern. (Bild pd)

Helen und Ferdi Zgraggen als Weinbauern. (Bild pd)

In den vergangenen Wochen haben eifrige Urner Fasnächtler in Kellern, Garagen, Arbeits- und Wohnzimmern auf Teufel komm raus genäht, geklebt, gesägt, gehämmert, geschraubt oder auch gedichtet. Zu ihnen gehören beispielsweise Ferdi (73) und Helen Zgraggen (70). Seit Jahrzehnten prägen sie die Flüeler Fasnacht mit ihren Auftritten. «Für uns ist der Schmutzige Donnerstag der schönste Fasnachtstag», freut sich Helen Zgraggen.

Etwas bieten und unterhalten
Für die beiden Ehrenmitglieder der Fasnachtsgesellschaft Fidelitas sind die närrischen Tage nicht einfach ausschweifendes Konsumieren. Sie wollen vor allem geben. «Unser Ziel ist klar: Wir möchten die Dorffasnacht beleben, den Leuten etwas Besonderes bieten, sie unterhalten und beschenken», sagt Helen Zgraggen. Sobald das Motto der Fasnacht bekannt ist, werden erste Pläne geschmiedet. «Es macht meistens sofort klick, und ich weiss, was ich will.» Um dann aber ein Sujet möglichst detailliert gestalten oder auch um den Leuten etwas erzählen zu können, holt das Flüeler Ehepaar nicht selten Bücher aus der Bibliothek, um sich zu informieren. «Wenn wir als alte Römer unterwegs sind, dann müssen wir wissen, wie man damals gelebt hat. Oder: Als Krämer im 19. Jahrhundert darf man keinen modernen Plunder verkaufen.» Die Liebe zum kleinsten Detail ist das erste Markenzeichen der beiden. Das führt dann schon mal dazu, dass sie extra nach Luzern oder ins Tessin fahren, um die richtigen Utensilien aufzutreiben.

Das zweite Markenzeichen: Wenn Ferdi und Helen Zgraggen in den Flüeler Beizen unterwegs sind, dann werden die Leute beschenkt. Als Tessiner Pärchen offerieren sie Wein aus dem Fass, als Ehepaar Reagan braten sie US-Hamburger, als Krämer «verkaufen» sie Krawatten oder altes Geschirr. Und wer erinnert sich nicht an die Guinness-Buch-verdächtigen 30 Meter langen Würste, frisch aus der Maschine gepresst, gebunden und gekocht. «Die Leute sollen etwas davon haben», so einfach lautet Ferdi Zgraggens Motto.

Und die Kosten? «Natürlich ist die Fasnacht für uns oft nicht ganz billig», meint der ehemalige «Kompanyy»-Mitarbeiter. «Aber wenn wir den Leuten eine Freude machen, dann lohnt sich der Aufwand alleweil.» Und Helen Zgraggen fügt an: «Wenn wir einmal nicht mehr an die Fasnacht gehen und vermisst werden, dann wissen wir, dass wir unser Ziel erreicht haben.»

Wehmut schwingt mit
Doch so weit ist es noch nicht. Die «Gwänntli» und die Requisiten für den Schmutzigen Donnerstag 2009 sind bereit. «Nachher nehmen wir es ?voräwägg?», sagt Helen Zgraggen ganz beiläufig. Das tönt nach langsamem Rückzug. «Einmal ist Schluss, vielleicht schon 2009, wer weiss?», sagt sie. Und wird etwas wehmütig. «Leider wird die Kultur der Flüeler Beizenfasnacht vom jüngeren Publikum nicht mehr gepflegt», sind sich die beiden einig. «Unsere Art von Fasnacht ist wohl nicht mehr gefragt. Die Jungen haben eben andere Vorstellungen», meint Helen Zgraggen. «Wir haben es auf unsere Art gemacht, sie wählen ihren Weg. Das ist auch richtig so.»

In Erinnerungen schwelgen
Ferdi und Helen Zgraggen blicken in ihre Alben mit Hunderten von Fasnachtsfotos. «Hei isch das scheen gsyy.» Erinnerungen werden wach, sie geraten ins Schwärmen und Erzählen, die Augen der beiden beginnen zu leuchten. 2009 dürfte wohl definitiv nicht die letzte Flüeler Fasnacht sein, die von Ferdi und Helen Zgraggen mitgeprägt wird...

Bruno Arnold

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