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FLÜELEN: Franz Steinegger wird 75 Jahre alt und blickt auf seine Karriere zurück

Er hat Urner «Katastrophengeschichte» geschrieben und die Schweizer Politik jahrzehntelang geprägt. Heute Donnerstag feiert FDP-Urgestein und alt Nationalrat Franz Steinegger seinen 75. Geburtstag.
Bruno Arnold
Franz Steinegger beim Interview in seiner Anwaltskanzlei in Altdorf. (Bild: Philipp Schmidli)

Franz Steinegger beim Interview in seiner Anwaltskanzlei in Altdorf. (Bild: Philipp Schmidli)

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitng.ch

Andere lehnen sich längst zurück, geniessen den Ruhestand, nutzen die Zeit im AHV-Alter für all das, was sie früher wollten – und nicht konnten. Nicht so Franz Steinegger. Das Urner Polit-Urgestein fährt nach wie vor tagtäglich in sein Büro an der Dätwylerstrasse in Altdorf. «So macht man nichts Dümmeres und man ist immer auf dem Finish», sagt er, wenn man ihn auf dieses «Anti-Rentner-Verhalten» anspricht. Um mit seinem typischen Schalk anzufügen: «Nicht zuletzt ist auch meine Frau froh, weil ich so nicht ‹rumpelsurrig› werde.» Heute Donnerstag feiert der Flüeler seinen 75. Geburtstag. «Im Büro?» Er hebt die Schultern. «Wir machen jetzt das Interview. Einen Nachruf brauche ich aber nicht.»

Im Hause Steinegger an der Tagesordnung

Wer Franz Steinegger hört, der denkt wohl in erster Linie an FDP-Politik – oder an «Katastrophen-Franz» (siehe Box). Gemeinderat und Gemeindepräsident von Flüelen, Präsident der FDP Uri, Nationalrat, Präsident der FDP Schweiz, Bundesratskandidat: Politik hat mehr als die Hälfte des bisherigen Lebens des FDP-Politikers geprägt. Das kommt nicht von ungefähr. «Politisieren, diskutieren, argumentieren, das war im Hause Steinegger an der Tagesordnung», erinnert er sich. «Der Anstoss kam meistens von meiner Mutter. Sie hat sehr gerne politisiert, und bedeutend emotionaler als mein eher bedächtiger Vater. Sie hat offen und mit klaren Worten ausgesprochen, was sie dachte, hat deutlich Stellung bezogen und eine eigene Meinung vertreten. Für damalige Verhältnisse war sie eine Emanze», sagt Sohn Franz mit einem breiten Grinsen. «Das Polit-Gen habe ich wohl von beiden geerbt.»

Mutter Margrith war es auch, welche die berufliche Laufbahn der Steinegger-Kinder lenkte. Ein Bruder wurde Maschineningenieur in leitender Funktion bei der späteren Siemens Schweiz AG, ein anderer Chemiker und Direktor der Celfa AG in Schwyz, eine Schwester ist Klosterfrau und wirkte als Seklehrerin, die andere Schwester studierte Geologie. «Für die damalige Zeit war dies sicher nicht alltäglich», sagt der Arbeitersohn. Sparen war angesagt. Er selber entschied sich für ein Jus-Studium. «Weil das voraussetzungslos respektive unabhängig von einer guten Matura war», erklärt er – nicht ganz ernst gemeint. Um dann den effektiven Grund zu nennen: «Ich wollte wissen, wie der Staat funktioniert.» Jener Staat, den er später (mit) prägen sollte.

Liberale galten als Oppositionelle

Dass er bei der FDP landete, hat ebenfalls familiäre Gründe. «Grossvater Anton war ‹Gotthard-Bähnler› – und ein Liberaler. Vater Franz war ‹Schächäwäldler› – ebenfalls ein Liberaler. Als Mitarbeiter eines Bundesbetriebs waren beide aber auch überzeugte Gewerkschafter – ohne je einen SP-Beitritt ins Auge zu fassen.» «Gewerkschaftliche Anliegen waren damals mehr Sache der Betriebe und weniger der Politik», so der 75-jährige Flüeler. Damals galt es fast als normal, dass Gewerkschafter in der FDP politisierten: «Die Freisinnigen waren in Uri Oppositionelle, mussten sich gegen die allmächtigen Katholisch-Konservativen behaupten.» Dieses liberal-gewerkschaftsorientierte familiäre Umfeld hat Steinegger geprägt, dürfte dazu geführt haben, dass er ziemlich genau in der liberalen Mitte einzuordnen ist: eher rechts in der Wirtschafts-, Finanz- und Ausländerpolitik, eher links bei gesellschaftspolitischen Fragen.

«Ich wollte nie nur ein Mitläufer sein»

«In Vieles bin ich einfach reingerutscht, weil die Konstellation gestimmt hat», gibt er sich bescheiden. Steinegger verschweigt aber auch nicht, dass er ehrgeizig gewesen sei: «Ich habe viel Zeit und Arbeit investiert – gerade auf nationaler Ebene», betont er rückblickend. «Ich wollte nie nur ein Mitläufer sein, auch in Bern nicht. Mein Ziel war es immer, die nationale Politik auch mitzuprägen und mitzugestalten. Ich wollte mitentscheiden», gesteht er. Machtbesessen? In einem Interview meinte er einmal: «Jeder Politiker hat Lust an der Macht. Wer das negiert, der lügt.» Er definiert Macht aber anders: «Ich wollte die Kulissen stellen, die es braucht, bevor eine Aufführung über die Bühne gehen kann.» Jahrzehntelang war Franz Steinegger denn auch einer der Kulissensteller respektive Drahtzieher in Bern. 1989 stand er sogar auf dem Sprung in den Bundesrat, musste dann aber Parteikollege Kaspar Villiger den Vortritt lassen. Die «komplizierten Verhältnisse», wie die NZZ damals das Konkubinat mit seiner heutigen Frau Ruth Wipfli Steinegger umschrieb, sollen ihn den Karrierehöhepunkt gekostet haben. Oder: «Die Bürgerlichen trauten dem Fabrikantensohn Villiger mehr zu als dem Arbeitersohn Steinegger», vermutete der damalige SP-Chef Peter Bodenmann. Steineggers nüchterne Analyse aus heutiger Sicht: «Beides mag eine Rolle gespielt haben, war aber nicht matchentscheidend. Die Konstellation stimmte einfach nicht, denn man wollte vor allem eine protestantische Mehrheit im Bundesrat.»

Steinegger galt während seiner aktiven Zeit als Politiker nicht nur als Mann, der es versteht, Brücken zu bauen. Er etablierte sich auch als eine Art «Dauernothelfer»: für den Kanton Uri bei verschiedensten Naturereignissen, für die FDP Schweiz, die er als gerade erst gewählter Parteipräsident möglichst schadlos aus der Affäre Kopp herausführen sollte, und für das ganze Land, als es darum ging, die fast schon gescheiterte Expo. 02 zu retten. Immer wieder musste er in Konfliktfällen schlichten – auch nach seiner offiziellen Zeit in Bern, so etwa 2008 zwischen den Gewerkschaften von SBB Cargo und SBB-Chef Andreas Meyer. Und noch heute wird Steinegger von den verschiedensten Medien um Einschätzungen gebeten. Wohl nicht zuletzt auch, weil er es wie kein Zweiter versteht, Meinungen kurz, prägnant, und druckreif auf den Punkt zu bringen, Zusammenhänge und mögliche Konsequenzen aufzuzeigen.

Abschalten in den Bergen

«Ich weiss nicht, wie ich während Jahrzehnten alles unter einen Hut gebracht habe», staunt er heute selber. «Ich hatte sicher immer ein Umfeld, das mich mitgetragen hat.» Dass eine gescheiterte Ehe und ein Herzinfarkt die Folgen seines übergrossen Engagements gewesen sein könnten, glaubt er kaum. «Ich konnte immer abschalten, mich erholen, auftanken.» Das tat er – und tut er noch heute – hauptsächlich in den Bergen: beim Wandern und Klettern, beim Skifahren oder auf Skitouren. «Hier kann ich den Kopf durchlüften, meine Gedanken sammeln und ordnen, analysieren, Vor- und Nachteile abwägen, entscheiden.»

Franz Steinegger anlässlich der Expo.02 auf der Arteplage in Biel. (Bild: Archiv «Urner Zeitung» / Keystone)

Franz Steinegger anlässlich der Expo.02 auf der Arteplage in Biel. (Bild: Archiv «Urner Zeitung» / Keystone)

Franz Steinegger 1990 bei einem seiner Hobbys, dem Klettern. (Bild: Karl-Heinz Hug / Keystone)

Franz Steinegger 1990 bei einem seiner Hobbys, dem Klettern. (Bild: Karl-Heinz Hug / Keystone)

Franz Steinegger als Präsident der FDP Schweiz im Jahr 1994 in Zürich. (Bild: STR / Keystone)

Franz Steinegger als Präsident der FDP Schweiz im Jahr 1994 in Zürich. (Bild: STR / Keystone)

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