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FLÜELEN: Ihre Bastelkunst ist international gefragt

Trudi Ziegler beherrscht mittelalterliche Klosterkunst nahezu perfekt. Deshalb fährt sie sogar ins Ausland, um vor Ort wertvolle Objekte zu restaurieren.
Anian Heierli
Die Details der Kunstwerke sind oft so klein, dass man sie fast nicht erkennt. (Bilder Urs Hanhart)

Die Details der Kunstwerke sind oft so klein, dass man sie fast nicht erkennt. (Bilder Urs Hanhart)

Die Flüelerin sitzt oft stundenlang vor alten Klosterarbeiten, schaut hin und denkt nach. Trudi Ziegler versucht herauszufinden, mit welcher Technik die filigranen Kunstwerke vor mehr als hundert Jahren gefertigt wurden. Wenn sie von ihren Besuchen im Kloster, Museum oder in der Kirche zurück ist, kopiert sie die Technik dieser Objekte in Ruhe daheim in ihrem Bastelzimmer.

Handwerk nach festen Regeln

Meist mit Erfolg, wie ein Blick in ihr Haus in Flüelen verrät. Überall stehen, hängen und liegen ihre Arbeiten. Blumen aus goldenem Draht, verzierte Schatullen, Christbaumschmuck und ganze Installationen in der Grösse eines Gemäldes verschönern die Räume. «Klosterarbeit ist ein Sammelbegriff», erklärt Ziegler. Hauptsächlich würden darunter religiöse Stücke fallen, die früher vor allem von Ordensschwestern gefertigt worden seien. Dabei hielten sich die Klosterfrauen strikt an Regeln: Je nach Objekt waren Technik und Material vorgegeben. Das Grundgerüst besteht aus vergoldetem Draht oder Krüllpapierstreifen – und diese Grundmaterialien werden traditionsgemäss nicht gemischt. Hinzu kommen Verzierungen aus farbenen Glasperlen und Naturmaterialien wie Pflanzensamen oder Dornen. Je nach kirchlichem Fest oder religiösem Anlass unterscheiden sich die Arbeiten, die fast immer symbolischen Gehalt haben.

Die Details der Kunstwerke sind oft so klein, dass man sie fast nicht erkennt. (Bilder Urs Hanhart)

Die Details der Kunstwerke sind oft so klein, dass man sie fast nicht erkennt. (Bilder Urs Hanhart)

«Am wichtigsten ist Geduld»

Die Ornamente aus Draht oder Papier sind häufig so feingliedrig, dass man sie ohne Lupe kaum erkennt. Es ist kaum zu glauben, wie viel Zeit und Geschick Ziegler in jedes ihrer Kunstwerke steckt. «Am wichtigsten ist Geduld», sagt die 66-Jährige. «Zudem braucht es eine Menge an Übung und Erfahrung. Eine dreijährige Lehrzeit würde nicht ausreichen, um sämtliche Techniken zu erlernen.» Dazu gehören unter anderm Nähen, Drahtwickeln, Papierfalten, Blechstanzen oder Wachsgiessen. Ziegler übt das mittelalterliche Handwerk nun seit 23 Jahren aus, und nach eigenen Angaben beherrscht sie längst nicht alles.

Ihr selbst ernanntes Ziel ist es, möglichst viele der alten Methoden zu beherrschen. Seit sie das erste Mal Klosterarbeiten gesehen hat, ist das Handwerk ihre Passion, wie sie sagt. Um die Techniken zu lernen, besucht sie Museen und Klöster in der Schweiz und in Europa, wälzt Literatur und tauscht sich mit Gleichgesinnten aus. «Oft muss man aber von alleine auf die Technik kommen», sagt sie. Denn häufig hätten die Schwestern ihr Wissen nur mündlich überliefert, wodurch manches in Vergessenheit geraten sei.

Zudem waren Klosterarbeiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts verpönt. Damals wollten sich Kirchenvertreter vom kindlichen Aspekt des Handwerks abwenden. Erst später kamen die Arbeiten wieder auf.

Kampf gegen das Vergessen

Mittlerweile hält Ziegler auch drei bis vier Mal im Jahr selber Kurse, um ihre Techniken weiterzugeben. «Mir ist es wichtig, dass das Handwerk nicht ausstirbt», sagt sie. Momentan ist sie diesbezüglich aber sehr zuversichtlich. Allein in der Schweiz gebe es rund 40 Personen, die aktiv Klosterarbeiten herstellen würden. «Ich habe auch junge Leute und Männer unterrichtet», so Ziegler. Es sei ein breites Interesse vorhanden. Beispielsweise lernt gerade eine Benediktinerin aus Seedorf bei ihr. «Im Kanton Uri gibt es zwar noch alte Klosterarbeiten. Doch das Wissen darum ging verloren», erzählt die Flüelerin. Der einzige ihr bekannte Urner, der schon vor ihrer Zeit Klosterarbeiten gemacht hat, ist der pensionierte Schattdorfer Pfarrer Hans Aschwanden, der heute im Altersheim Rüttigarten lebt. Von ihm hat Ziegler so manche Kniffe übernommen. Zieglers Arbeiten sind nicht nur ein Hobby. Ihre Fähigkeiten sind bis über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Sie hat sogar internationale Aufträge: Im Sommer reiste sie zusammen mit drei Freundinnen nach Panzano (Italien), um mit ihnen im örtlichen Kloster originale, historische Arbeiten zu restaurieren. Und dafür reichte ein Besuch nicht aus. In einem ersten Schritt machte sie Fotografien, Skizzen und vermass die Objekte. Anschliessend fertigte sie zu Hause Einzelteile an, welche sie nachträglich vor Ort anbrachte.

Arbeiten aus echtem Haar

Momentan ist Ziegler mit Restaurationen im Kloster Disentis beschäftigt. Nebenbei macht sie immer auch kleinere Aufträge für Private. «Zu mir kommen Leute, die alte, teils beschädigte Objekte zu Hause haben, die ich dann flicke», sagt sie. Aktuell ist Ziegler gerade damit beschäftigt, einer Christkindfigur aus Wachs neue Hände zu modellieren. Für Wachsarbeiten hat sie im Keller extra eine Ecke eingerichtet. Dort vergoldet sie auch Draht und Papier und giesst Wachsfiguren, deren Formen sie hin und wieder sogar selber anfertigt.

Es gibt auch Klosterarbeiten, die aus echtem Haar geklöppelt werden. Das hat Ziegler bislang aber noch nicht versucht. Sie könnte es sich dennoch gut vorstellen, sich auch diese Technik künftig anzueignen.

Anian Heierli

Die 66-jährige Trudi Ziegler fertigt filigrane Kunstwerke. Dabei wendet sie dieselben Techniken an wie Klosterfrauen vor über 100 Jahren. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Die 66-jährige Trudi Ziegler fertigt filigrane Kunstwerke. Dabei wendet sie dieselben Techniken an wie Klosterfrauen vor über 100 Jahren. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

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