FLÜELEN: Jetzt droht auch dem Wirt eine Anzeige

Hat der Wirt selber «Schweizer verboten» auf ein Schild geschrieben? Das sagt jedenfalls eine Augenzeugin. Gäste wollen rechtlich gegen den Wirt vorgehen.

Florian Arnold
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Das Foto im Facebook-Eintrag. (Bild: pd)

Das Foto im Facebook-Eintrag. (Bild: pd)

Florian Arnold

Das Bild eines Gastroschilds mit der Aufschrift «Schweizer verboten» hat in sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Gegenüber unserer Zeitung hat der Betreiber der Bar Moskito in Flüelen behauptet, jemand habe ihm mit diesem Schild schaden wollen, nachdem er sechs Gästen Hausverbot erteilt hatte (siehe Ausgabe vom Montag). Der Wirt hat Anzeige wegen Verleumdung erstattet. Jetzt muss er selber mit einer Anzeige rechnen. Wie eine 18-Jährige Augenzeugin sagt, hat der Barbetreiber selber das Schild beschriftet und vor dem Lokal platziert. Zudem soll er die Persönlichkeit von Gästen verletzt haben. Ein Gruppe von Gästen, zu der auch die junge Frau gehört, steht kurz davor, Anzeige zu erstatten.

Die 18-Jährige Flüelerin, die anonym bleiben will, schildert das Geschehen vom vergangenen Freitagabend wie folgt: Sie war mit ein paar Freunden im «Moskito», als jemand aus der Gruppe eine Runde Getränke offerieren wollte und eine Quittung dafür verlangte. Der Chef reagierte aufbrausend. Statt einer Quittung brachte er den Gästen einige leere Servietten. Die Gäste liessen jedoch nicht locker und verlangten erneut eine Quittung.

Der Wirt sagte schliesslich, er werde die Quittung bringen, die Gäste müssten aber in Zukunft nie mehr bei ihm vorbeikommen. Nach einigen Minuten knallte er die Rechnung auf den Tisch. Bei genauerem Betrachten fiel den Gästen das Wort «Training» auf dem Zettel auf. Ihnen war klar: Der Wirt hatte versucht, im Trainingsmodus der Kasse abzurechnen, um damit die Mehrwertsteuer zu hinterziehen. Die Gäste sagten ihm, dass dies nicht erlaubt sei, worauf der Wirt sie seines Lokals verwies und drohte, er würde die Polizei rufen, um das Lokalverbot bekannt zu machen.

Identitätskarten aufgehängt

Die rausgeworfenen Gäste warteten während gut zwanzig Minuten vor der Bar, ehe sie selber die Polizei benachrichtigen. In diesem Moment beobachtete die Flüelerin, dass der Wirt das Schild mit der Aufschrift «Schweizer verboten» vor sein Lokal stellte. Die Gruppe fotografierte das Schild und stellte das Bild online.

Schliesslich traf die Polizei vor Ort ein und stellte fest, dass im «Moskito» unerlaubterweise geraucht wurde. Der Wirt beharrte auf dem Lokalverbot und kopierte mit dem Polizisten die Identitätskarten der rausgeworfenen Gäste.

Am Samstagabend kam dann der Schock für die 18-Jährige: Von einer Kollegin wurde sie darauf hingewiesen, dass Kopien der Identitätskarten mit der Aufschrift «Hausverbot» in der Bar hängen würden. Am Samstagabend stellte auch die Polizei die Kopien an der Wand des Lokals fest. Auch hatte der Wirt sich auf Facebook bei der der Flüelerin gemeldet, indem er ihr das Bild der Identitätskarten zusandte. «Das hat mir Angst gemacht», sagt sie. «Ich hätte nicht gedacht, dass die Sache solche Folgen haben würde. Wir wollten ja nur etwas trinken gehen.» Die Stimmung vieler Flüeler sei gegenüber der «Moskito»-Bar getrübt. Viele Flüeler hätten ihre eigenen Erfahrungen gemacht, weiss die 18-Jährige zu berichten. «Es ist in Flüelen ein offenes Geheimnis, dass hier nicht alles sauber läuft», so die 18-Jährige

Polizei ermittelt

Polizeisprecher Gusti Planzer bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Polizei von Freitag bis Montag insgesamt dreimal das «Moskito» aufgesucht habe. Über den Sachverhalt will er aber nichts sagen. «Aus polizeitaktischen Gründen können wir dazu keine nähere Auskunft erteilen.» Noch laufen Abklärungen der Kantonspolizei. Danach wird das Dossier an die Staatsanwaltschaft weitergereicht.

«Ich bin nicht so dumm»

Der «Moskito»-Wirt hielt gestern auf Anfrage unserer Zeitung an seiner Version fest und weist sämtliche Vorwürfe zurück. «Ich weiss nicht, wer dieses Schild beschriftet hat», sagte er. «Ich bin sicher nicht so dumm und gebe einem ganzen Land Hausverbot.» Die Kopien der Identitätskarten habe er gezeigt, weil ihn viele Leute in der Bar auf den Facebookeintrag angesprochen hätten, so der «Moskito»-Wirt.

Wirt bringt Frau und Kinder weg

Mittlerweile wurde vor dem Lokal randaliert. Und gegenüber des Wirts sind Drohungen ausgesprochen, sodass er sich entschied, seine Frau und seine kleinen Kinder zu Verwandten in Sicherheit zu bringen. «Das ist kein Scherz mehr, sondern eine bewusste Schädigung», so der Wirt. Der Gruppe sei offenbar nicht bewusst, welche rechtlichen Folgen die Aktionen haben könnten. Er betont, dass er mit der Schweiz und dem Dorf Flüelen kein Problem habe.