FLÜELEN: Jung, wild und Unternehmer

Sieben Kollegi- schüler stellen seit diesem Jahr Kirschsteinsäcke her. Das Jungunternehmen hat bereits einen Grossauftrag.

Florian Arnold
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Nathalie Müller (links) und Linda Schuler sowie Fabian Schuler bei der Produktion der Pitpads. (Bild Florian Arnold)

Nathalie Müller (links) und Linda Schuler sowie Fabian Schuler bei der Produktion der Pitpads. (Bild Florian Arnold)

Sie sind zwischen 17- und 18-jährig und dürfen sich bereits Unternehmer nennen. Im vergangenen Februar haben sieben Kollegischüler die Firma Pitpad gegründet. Zu Deutsch: Kirschsteinsack. Und genau dieses jahrhundertealte Produkt stellen nun die Maturanden in ihrer Freizeit her.

Der Bastelkeller in Flüelen ist etwas spärlich ausgeleuchtet. Auf dem Boden steht ein 20 Kilogramm schwerer Sack. Auf dem einen Tisch an der Wand liegen meterlange Stoffrollen, Scheren und Messbänder. Auf demjenigen am Fenster stehen zwei Nähmaschinen bereit. An eine setzt sich Fabian Schuler. Ja, bei Pitpad nähen auch die Männer!

Was von der Primarschule bleibt

«Gewisse Kollegen haben uns schon etwas schräg angeschaut, als wir erzählt haben, was wir produzieren», erinnert sich Schuler. «Doch die meisten fanden es cool, dass wir dieses Unternehmen gegründet haben.» Er selber sei überrascht gewesen, wie viel ihm von der Primarschulzeit in Sachen Nähmaschinenbedienung noch geblieben sei.

Gefunden haben sich die sieben Jungunternehmer im Schwerpunktfach Wirtschaft. Weil sich die ganze Klasse am Projekt des Vereins YES (siehe Kasten) beteiligen wollte, galt es Anfang Jahr, eine Businessidee zu entwickeln. Da erinnerte sich Katarina Kristo an ihren Französischaufenthalt im 4. Gymi zurück. «Meine Gastmutter hat solche Kirschsteinsäcke selber hergestellt», sagt Kristo. Ihre Idee setzte sich schliesslich gegen bedruckte Badetücher, einen Taxiservice und eine Currywurst-Bude durch.

Jedes der sieben Teammitglieder hat seine fixe Aufgabe gefasst. Linda Schuler und Fabian Schuler leiten die Produktion. Im Internet vergleichen sie Preise und bestellen die günstigsten Stoffe. «Wir machen alles just in time», so Fabian Schuler. Will heissen, dass nur so viel bestellt wird, wie auch wirklich verarbeitet werden kann. Kirschsteine konnten die Produktionsleiter teilweise von Schnapsbrennereien und einem Konfitürehersteller beziehen.

Die Finanzen behält Carlo Zurfluh im Auge. Um Administratives kümmert sich Jonas Imhof. Er schreibt Protokolle bei den Sitzungen und kommuniziert mit Kunden sowie den Vertretern des Vereins YES. Kein Business ohne Marketing: Um die Werbung bemühen sich Katarina Kristo und Nathalie Müller. Um ihr Produkt an den Mann zu bringen, sind sie immer wieder im Internet aktiv und haben sogar an einem Warenmarkt auf dem Klausenpass teilgenommen. Bleibt noch eine: Mit ihren 18 Jahren kann sich Céline Gisler als CEO bezeichnen. Selbstbewusst gibt sie als Vision des Unternehmens an: «Wir möchten mit unserem Produkt das Wohlbefinden der Bevölkerung verbessern.»

«Ein kleiner Grossauftrag»

Im Sommer begannen die Urner mit der Produktion. Je nach Auftragslage stehen pro Woche einige Stunden Arbeit an. Kunden sind vor allem Mitschüler und Verwandte. «Aber wir konnten auch schon einen kleineren Grossauftrag an Land ziehen», sagt Administrator Jonas Imhof. So kann Pitpad eine Serie Weihnachtsgeschenke für ein Metalllogistik-Unternehmen produzieren.

Trotz des Erfolgs: Die Jungunternehmer bleiben realistisch. «Es tönt zwar gut. Aber wir werden noch nicht zu 100 Prozent als Unternehmer wahrgenommen», sagt Jonas Imhof. Doch das sei auch nicht das Ziel. «Wir können gute Erfahrungen sammeln.»

Hinweis

Die Kirschsteinkissen von Pitpad können unter www.facebook.com/firmaPitPad bestellt werden.

Das Projekt

Die Urner Firma Pitpad ist im Rahmen der Company- Programme des Vereins Young Enterprise Switzerland (YES) entstanden. Die Idee dahinter: Jugendliche gründen und betreiben ein reales Unternehmen. Dabei lernen sie, wie die Geschäftswelt funktioniert. Unterstützt werden die Jungunternehmer von ehrenamtlichen Beratern (Wirtschaftspaten), Lehrpersonen sowie durch den Verein YES.