FLÜELEN: Plakette mit Wirtepaar wird zum Verkaufsschlager

Die ehemaligen «Linde»-Wirte Edy und Mary Rauch waren so etwas wie die Vorstandseltern des Fasnachtsvereins Fidelitas. Jetzt erhielten sie ein überraschendes Geschenk.

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Edy und Mary Rauch-Arnold haben seit 1988 als Wirtepaar der «Linde» ein grosses Stück Flüeler Fasnachtsgeschichte geschrieben. (Bild: Urs Hanhart)

Edy und Mary Rauch-Arnold haben seit 1988 als Wirtepaar der «Linde» ein grosses Stück Flüeler Fasnachtsgeschichte geschrieben. (Bild: Urs Hanhart)

Mary (64) und Edy Rauch-Arnold (69) stehen auf der Terrasse ihrer Wohnung an der Flüeler Axenstrasse. Sie geniessen den Blick über den Urnersee Richtung sonniges Seedorf und in die umliegenden Berge. Was ihnen aber fast noch wichtiger ist: «Wir haben eine tipptoppe Aussicht, wenn die Katzenmusik vorbeizieht», freuen sich die beiden. Und wenn Mary Rauch an das Flüeler Feuerwerk vom 31. Juli 2016 denkt, gerät sie sogar richtiggehend ins Schwärmen. «Das werden wir vom Dach des Hauses aus geniessen, einen besseren Standort kann man gar nicht haben – einfach super!» Denn das Feuerwerk und die Fasnacht so richtig geniessen können, das gab es für die beiden seit über einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Für sie war dann jeweils Hochbetrieb angesagt – als Wirtepaar der «Linde».

Am 23. Januar 2016 haben sie in der «Linde» eine gigantische «Üsstrinketä» gefeiert – nach mehr als 27-jähriger Wirtetätigkeit. «Natürlich kommt mittlerweile auch etwas Wehmut auf, wenn ich die Katzenmusik höre oder wenn die Fidelitas-Kutsche unüberhörbar durchs Dorf rattert», sagt die Wirtin im Ruhestand. Sie spricht dabei von einem weinenden und einem lachenden Auge: «Einerseits vermisse ich die Stammgäste, anderseits schätze ich es auch, dass ich keinen Stress mehr habe.» Edy Rauch war seit Jahren erstmals wieder beim «Ytrummälä» aktiv dabei, und als Fidelitas-Ehrenmitglied zeigt er sich zudem beim Kochen und bei der Kinderfasnacht behilflich. Mary Rauch geniesst derweil die Fasnacht mit der Familie und der Verwandtschaft.

«2016 ist für uns eine ganz besondere Fasnacht», betonen beide. «Nicht nur, weil wir mit dem Wirten aufgehört haben, sondern vor allem wegen der Plakette.» Die Fidelitas hat das ehemalige Wirtepaar als Sujet gewählt. Die Plaketten mit den Rauch-Konterfeis in Gold und Silber haben bereits einen Ehrenplatz in deren neuer Wohnung erhalten. «Auch wenn Edy auf der Plakette mehr Busen hat als ich», sagt Mary und beginnt schallend zu lachen. Und ihr Mann meint mit Blick auf das vergoldete Exemplar: «Dass wir abgebildet sind, ist für uns eine grosse Ehre und noch mehr ein Zeichen der riesigen Wertschätzung für die Gastfreundschaft, die wir den Flüelern seit 1988 in der ‹Linde› geboten haben.»

«Für den Vorstand der Fidelitas war die ‹Linde› jahrelang die Stammbeiz – nicht nur an der Fasnacht», betont Präsident Peter Wipfli. «Edy und Mary waren so etwas wie die Vorstandseltern. Er stand uns als Wirt immer dann mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die konkrete Umsetzung einer Idee oder um das Erfüllen einer kulinarischen Extrawurst ging», blickt der Flüeler Fasnachtschef zurück. Apropos Kulinarisches: Edys Gemüsesuppe an der Dreikönigs-Katzenmusik oder auch die legendären «Älplermagroonä» an der Alten Fasnacht sind bereits in die Fidelitas-Annalen eingegangen. Und über Mary Rauch sagt Wipfli: «Sie war für uns die gute Seele, die in jeder Situation das richtige Rezept bereit hatte.» Was er damit meinen dürfte: Sie verstand es mit einem «fadägraadä Spruch» oder mit ihrem ansteckenden Lachen, sich anbahnende verbale Eskalationen im Keime zu ersticken. Ihr gelang es jeweils, einen «todkranken» Fasnächtler mit dem richtigen Getränk wundersam zu heilen oder ihn mit einer «Boodä»-gebenden Zwischenverpflegung «üff ds päppälä». Kurz: Mary Rauch kannte die Tricks und Kniffs, um ihre «Kinder» innert Kürze für das weitere Ausharren fit zu machen.

Als im vergangenen Sommer definitiv feststand, dass Edy und Mary Rauch an der Fasnacht 2016 nicht mehr wirten würden, unterhielt sich der Fidelitas-Vorstand auch über das passende Geschenk für das «Linde»-Wirtepaar. «Da kam uns die Idee, Edy und Mary auf der Fasnachtsplakette zu verewigen, sozusagen als bleibendes Zeichen der Wertschätzung für die geleistete Arbeit zum Wohle der Fidelitas», erinnert sich Wipfli. «Jetzt ging es nur noch darum, die dafür nötigen Unterlagen wie etwa ein passendes Foto unter einem unauffälligen Vorwand zu beschaffen», so Wipfli. «Es hat geklappt, alle hielten dicht.» Das Geheimnis wurde tatsächlich erst nach Monaten respektive wie geplant an der GV der Fidelitas Anfang November gelüftet. «Die Flüeler Fasnächtler waren hell begeistert», freut sich Wipfli noch heute über den gelungenen Coup. «Die Plakette hat sich denn auch zum echten Verkaufsschlager entwickelt», weiss Wipfli. «Die Exemplare in Gold und Silber gingen weg wie frische Weggli.» Und spätestens nach der «Üsstrinketä» vom 23. Januar hatten die Fidelitas-Plaketten in Gold und Silber definitiv Raritätswert.

Bruno Arnold

Die Fasnachtsplakette. (Bild: Anian Heierli)

Die Fasnachtsplakette. (Bild: Anian Heierli)