FLÜELEN: Rekord-Horn nimmt Gestalt an

Derzeit wird das weltweit grösste Schiffshorn an den Gestaden des Urnersees zusammengebaut. Am 1. April soll es erstmals in die Welt hinaus hupen.

Urs Hanhart
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Die Arbeiter in Flüelen setzen das Riesen-Horn zusammen. (Bild Urs Hanhart)

Die Arbeiter in Flüelen setzen das Riesen-Horn zusammen. (Bild Urs Hanhart)

Urs Hanhart

Auf dem Areal der Arnold und Co. AG wird seit gestern kräftig gehämmert und geschraubt. Zwei bis drei Mitarbeiter sind daran, Dutzende CNC-gefräste Stahlelemente zusammenzufügen. Gearbeitet wird im Auftrag des OKs, welches sich für die Feierlichkeiten zum 750-jährigen Bestehen der Gemeinde Flüelen verantwortlich zeichnet. Das Mammut-Schiffshorn ist eine der Hauptattraktionen des Jubiläums. Erschaffen hat die 12 Meter lange, 5,5 Meter hohe, 6,5 Meter breite sowie über 5 Tonnen schwere Stahlkonstruktion mit dem Namen «thehOrn» der in Attinghausen aufgewachsene und seit geraumer Zeit in Süddeutschland lebende Künstler Antoine Zgraggen. Er war gestern in Flüelen zugegen, um den Zusammenbau zu überwachen.

An der Nordsee getestet

«Das Horn ist das archaische Instrument schlechthin», erklärte Zgraggen. «Es beinhaltet auch eine gewisse Mythologie. Dadurch passt es sehr gut in die eindrückliche Bergwelt», so seine Idee. Erschaffen hat er ein so genanntes Exponentialhorn. Die Berechnungen sind von einer Pariser Universität vorgenommen worden. Optisch sieht es aus wie ein mehrfach überdimensionales Grammofonhorn. Gestern nach einigen Stunden Zusammenbau war der zentrale Teil der Installation schon zu erkennen, wobei der etwa 2 Tonnen schwere Trichter noch auf dem Boden stand. Später wird dieser dann an ein Stahlgestell montiert. Der Tonerzeuger ist in Kiel hergestellt worden. Dort befindet sich eine von weltweit nur fünf Firmen, die Schiffshörner produzieren. «Der Ton hat eine tiefe Frequenz von 60 bis 70 Hertz, und er kann bis zu 140 Dezibel laut werden. Das ist schon sehr eindrücklich», verrät der Künstler. In Deutschland an der Nordseeküste hat er dieses Schiffshorn schon einmal ausprobiert. Auf offener See sei der Signalton 10 Kilometer weit zu hören gewesen. Jetzt ist er selber gespannt, wie sich die Akustik in der Bergwelt verhält. Speziell beim Schiffshorn-Projekt war, dass er einen Statiker beiziehen musste.

Zumindest für Zgraggen ist «thehOrn» von den Dimensionen her nichts Aussergewöhnliches. Er hat schon mehrfach ähnlich grosse oder sogar noch etwas grössere Installationen geschaffen, darunter zwei Wasserspiele für die Stadt Zürich mit einer Länge von 14 Metern.

Premiere am 1. April

«Bis jetzt kommen wir mit dem Zusammenbau sehr gut voran», freute sich gestern Projektleiter Karl Arnold von der Arnold & Co. AG. «Es hat bisher keine Probleme gegeben.» Arnold ergänzte: «Unser Ziel ist es, noch vor dem Josefstag fertig zu werden. Anfang oder Mitte nächster Woche möchten wir probieren, ob das Horn wunschgemäss funktioniert.»

Etwas knifflig ist laut Arnold der Tonerzeugungsmechanismus. Ursprünglich war ein riesiger Kompressor vorgesehen. Mittlerweile hat man aber auf einen Elektromotor umgeschwenkt.

Am 1. April wird das Riesenhorn auf einem Nauen zu einer Rundtour auf dem Urnersee starten. Dabei sollen die Urner Seegemeinden besucht und offiziell zum Flüeler Jubiläumsfest eingeladen werden. Am Abend wird das monumentale Horn dann in die Seebucht einfahren und anschliessend im Bereich Bahnhof/SGV-Hafen montiert.