FLÜELEN: Urner Traditionsunternehmen steht vor der Auflösung

Die JB Bau AG muss die Nachlassstundung beantragen. Ein grosser Teil der 35 Mitarbeiter wechselt per 1. März zur Porr Suisse.

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Niederlassung der JB Bau AG in Altdorf. (Bild: Google Maps)

Niederlassung der JB Bau AG in Altdorf. (Bild: Google Maps)

Die über 170 Jahre alte JB Bau AG – im Volksmund «dr Sepp Büümä» – steckt in Zahlungsschwierigkeiten. Die beiden Chefs und Aktionäre, Stefan Baumann und Christoph Poletti, bestätigten dies gestern auf Anfrage. Noch in dieser Woche soll beim Landgericht Uri ein Gesuch um Nachlassstundung eingereicht werden. Sämtliche Mitarbeiter sind informiert. Baumann und Poletti haben zudem versucht, auch die jahrelangen Kunden, Lieferanten, Partner und Subunternehmer – soweit möglich – persönlich ins Bild zu setzen.

Chefs sind zuversichtlich

Gewährt das Landgericht Uri die Nachlassstundung, erhält die JB Bau AG Zeit, um mit den Gläubigern eine Lösung zu finden respektive einen Nachlassvertrag auszuarbeiten – mit dem Ziel, den Konkurs abzuwenden. In dieser Phase könnten gegen die JB Bau AG keine Massnahmen wie Betreibung oder Konkurseröffnung ergriffen werden. Zudem wird in der Regel ein Sachwalter eingesetzt, der während dieser Zeit die Tätigkeit der Firma begleitet. «Wir sind aufgrund der Gespräche, die wir in den vergangenen Wochen mit unseren Gläubigern geführt haben, sehr zuversichtlich, dass uns die Nachlassstundung gewährt werden kann», erklärt Stefan Baumann. «In diesem Fall hätten wir die Möglichkeit, einen geordneten Rückzug zu vollziehen.»

Das heisst: Die Firmenverantwortlichen würden versuchen, die Immobilien und das Inventar der Firma sowie die Materialvorräte zu bestmöglichen Preisen zu verkaufen, um danach die Gläubiger in einem akzeptablen Mass befriedigen zu können. Baumann und Poletti möchten die Liquidation der JB Bau AG so schnell wie möglich beendet haben.

Lösung für Personal gefunden

Und was geschieht mit den aktuell 35 Mitarbeitern? Sie erhalten per 29. Februar offiziell die Kündigung. «Mit Ausnahme von ein paar wenigen, für die wir anderswo Lösungen suchen, haben die meisten unserer Leute von der Porr Suisse AG ein Angebot zu einem ab 1. März gültigen Anschlussvertrag erhalten», erklärt Poletti. Die JB Bau AG übergibt auch die gültigen Werkverträge für mehrere Bauvorhaben im Urnerland an die von Robert Fortunati geleitete Altdorfer Niederlassung der Porr Suisse AG. «Unsere Mitarbeiter können beim neuen Arbeitgeber zu den gleichen Konditionen wie bisher einsteigen», so Poletti. Den Wechsel zu Porr vollziehen auch beinahe sämtliche Kaderleute der JB Bau AG. «Das hat den grossen Vorteil, dass die Auftraggeber, welche ihre Werkverträge mit der JB Bau AG abgeschlossen haben, auch bei Porr die gleichen Ansprechpartner haben werden», freut sich Baumann.

Verkauf zweimal gescheitert

Der Verwaltungsrat der JB Bau AG hat bereits seit Februar 2015 Gespräche über einen Verkauf der Firma geführt. Mit ein Grund: Weder Baumann (55) noch Poletti (60) haben Nachkommen, die das Unternehmen weiterführen möchten. «Dies allein war aber nicht ausschlaggebend», betonen die beiden unisono. «Unsere Firma hat ganz einfach eine kritische Grösse», sagt Baumann. «Das heisst konkret: Die Fixkosten sind prozentual zum Umsatz zu hoch, damit sinkt auch die Wettbewerbsfähigkeit.» Die Verkaufspläne wurden jedoch noch aus anderen Gründen vorangetrieben. Sorgen bereiten den Inhabern auch die generell geringen Margen in der Bauwirtschaft, die ab 2017 nicht unbedingt positiven Aussichten für den Urner Hochbau sowie die mit dem Abschluss der Hochwasserschutzprojekte verbundenen fehlenden Perspektiven im Tiefbau. «Zweimal waren wir nahe an einem Vertragsabschluss mit ernsthaften Interessenten, beide Male haben sich die Verkaufspläne im letzten Moment aus strategischen Gründen zerschlagen», bedauert Baumann die aktuelle Situation. «Um mit einem blauen Auge davonzukommen, bleibt uns nur noch die Nachlassstundung.» Was aber beide zumindest doch etwas ruhiger schlafen lässt: «Für die nun aufgegleiste Lösung haben unsere Mitarbeiter fast ausnahmslos Verständnis gezeigt.»

Bruno Arnold