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FLÜELEN: Wasser aus dem See soll Energie liefern

Momentan ist das Ganze noch nicht mehr als eine Idee. Doch das Flüeler Gewerbe könnte schon bald mit Seewasser Maschinen kühlen und Gebäude heizen.
Elias Bricker
Das Industrie- und Gewerbegebiet Flüelen liegt direkt am Urnersee – und dieser hat Potenzial für das Projekt. (Bild Florian Arnold)

Das Industrie- und Gewerbegebiet Flüelen liegt direkt am Urnersee – und dieser hat Potenzial für das Projekt. (Bild Florian Arnold)

Elias Bricker

Das Projekt ist visionär: Das Industrie- und Gewerbegebiet in Flüelen westlich der Bahnlinie könnte schon bald mit Seewasser beheizt werden. Das Wasser aus dem Vierwaldstättersee könnte aber nicht nur zur Gebäudeheizung, sondern auch zur Warmwasseraufbereitung oder zur Kälteerzeugung genutzt werden, wie Gemeindepräsident Simon Arnold an der offenen Dorfgemeinde vergangene Woche kurz andeutete. Rein technisch ist die Idee umsetzbar.

Viele Fragen sind noch offen

Hinter dem Projekt stecken die Gemeinde und die Urner Firma Oeko Energie AG, die unter anderem Wärmeverbünde mit Holzschnitzelheizungen in Altdorf, Andermatt und Schattdorf betreibt. «Das Projekt in Flüelen ist eine visionäre Idee», sagt Markus Dittli von der Oeko Energie AG. Und es gebe noch viele Fragezeichen bezüglich der Machbarkeit und des Potenzials. «Doch das Seewasser als Energieträger zu nutzen, könnte für Flüelen sehr spannend sein», so Dittli.

Trotz vieler Unklarheiten macht man in Flüelen vorwärts: Momentan führt der Gemeinderat im Industrie- und Gewerbegebiet eine Umfrage durch, um zu ermitteln, wie gross der Wärme- und Kältebedarf bei den Flüeler Betrieben überhaupt ist. Erst danach wollen die Projektverantwortlichen entscheiden, ob die Ausarbeitung einer Machbarkeitsstudie überhaupt Sinn macht.

Chance für das Dorf

«Für eine solche Grossinvestition braucht es möglichst viele Betriebe, die mitmachen», sagt Arnold. Der Gemeindepräsident, der als Mitinhaber des Kies- und Sandunternehmens Arnold & Co. AG selber Interesse am Projekt hat, sieht eine grosse Chance für das Dorf. «Längerfristig könnten wir an einen solchen Heiz- und Kälteverbund nicht nur das Gewerbe anschliessen, sondern vielleicht auch die Alterspension Seerose, das Gemeindehaus, die Schulhäuser, den Werkhof oder gar private Liegenschaften», sagt Arnold. «Alternative Heizmethoden werden nämlich längerfristig für alle ein Thema.»

Grosse Mengen Heizöl einsparen

Dass mit kaltem Seewasser geheizt wird, klingt eigentlich nach einem Widerspruch. Wie kann das also funktionieren? Ist das Seewasser genügend warm, dann kann über eine Wärmepumpe hochwertige Wärme entstehen, wie dies bei Grundwasser oder Erdsonden bereits erfolgreich funktioniert. Letzteres ist bestens bekannt bei Ein- und Mehrfamilienhäusern. Im Sommer kann das kalte Seewasser zudem direkt zur Kühlung für Gewerbe und Industrie verwendet werden. Das Prinzip ist nicht ganz neu: Eine der bekanntesten Anlagen ihrer Art ist jene des Badrutts Palace Hotels in St. Moritz. Seit 2007 wird dort mit Wasser aus dem St. Moritzersee nicht nur das Nobelhotel beheizt, sondern auch ein Schulhaus und mehrere Mehrfamilienhäuser. Der Heizölverbrauch hat sich seither um jährlich 475 000 Liter und der CO2-Ausstoss um 1200 Tonnen reduziert. Grosse Anlagen entstehen zudem aktuell in Genf. Die Energiegewinnung aus Seewasser liegt aber auch in der Zentralschweiz voll im Trend. Am Vierwaldstättersee gibt es zwar erst wenige solche Heiz- und Kühlprojekte. Doch im Kanton Luzern sind aktuell mehrere Anlagen geplant. In Zug ist das Prinzip bereits etabliert. Die Siemens Schweiz AG in Zug nutzt das Seewasser beispielsweise seit Jahren für die Kühlung von Gebäuden und industriellen Prozessen. Und auch die Eissportanlagen der Bossard-Arena werden mit Seewasser gekühlt. Zudem werden im Kanton Zug momentan auch Heizprojekte mit Seewasser realisiert.

Potenzial unbedingt ausschöpfen

«Auch im Urnersee steckt ein riesiges Energiepotenzial», weiss der Flüeler Gemeindepräsident Simon Arnold. «Es wäre schade, wenn wir das Potenzial, das so nahe liegt, nicht ausschöpfen würden.»

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