FLÜELEN: «Wir sind mit zwei blauen Augen davongekommen»

Alle gegen Einen lautete die Devise: Die Flüeler wählten am Freitag den umstrittenen Kirchenrat Markus Walker ab.

Elias Bricker
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Ein Jubel- und Trubeljahr: In der Pfarrei Flüelen sorgte heuer nicht nur das 350-Jahr-Jubiläum für Gesprächsstoff. (Archivbild Neue UZ)

Ein Jubel- und Trubeljahr: In der Pfarrei Flüelen sorgte heuer nicht nur das 350-Jahr-Jubiläum für Gesprächsstoff. (Archivbild Neue UZ)

Elias Bricker

Flüelen musste am Freitagabend praktisch den ganzen Kirchenrat neu besetzen. Denn sowohl Präsident Peter Schuler, Verwalter René Gamma als auch Mitglied Pia Arnold Engel gaben ihren Rücktritt. Nur Margrit Ziegler und Markus Walker stellten sich zur Wiederwahl. Doch die Flüeler dachten nicht daran, Walker wiederzuwählen. Die rund 80 Anwesenden wollten den umstrittenen Kirchenrat einfach loswerden. Ein Mitglied sagte sogar sofort zu Beginn der Wahlgeschäfte, dass Walker aus seiner Sicht nicht mehr wählbar sei.

Die Flüeler hatten Walker bereits an einer turbulenten Kirchgemeindeversammlung im Mai kurzum abgewählt. Mehrere Kirchenräte stellten damals ihre sofortige Demission in Aussicht, falls Walker im Amt bleibe. Doch Walker wollte die Abwahl nicht einfach so hinnehmen und machte eine Aufsichtsbeschwerde beim Urner Regierungsrat. Die Regierung erklärte die Abwahl schliesslich als nichtig. Und so bleibt Walker bis Ende 2015 Kirchenrat.

Walker stellt Ratsgrösse in Frage

Auslöser für die Turbulenzen waren Sanierungsarbeiten rund um das Pfarrhaus. Kirchenrat Markus Walker leitete diese Sanierung – aber nicht so, wie es vorgesehen gewesen wäre. Kurzerhand entfernte er eine geschützte Hecke und legte eine illegale Baupiste an – unter anderem mit Aushubmaterial von einer privaten Baustelle. Im Kirchenrat kam es zum Eklat. Doch damit nicht genug: Schliesslich verhängte die Baukommission Flüelen im Januar einen Baustopp. Dazu kommt: Walker ist den Behörden kein Unbekannter. Schon öfters hat er sich mit privaten Bauvorhaben über rechtliche Vorgaben hinweggesetzt. Den übrigen Kirchenräten ausser Margrit Ziegler ist die Lust am Amt in den vergangenen Monaten regelrecht vergangen. Deshalb musste nun eine inoffizielle Findungskommission um Remigi Niederberger und Silvia Walker vier neue Personen suchen, die sich für den Kirchenrat zur Verfügung stellen würden. Doch die vier Neuen stellten zur Bedingung, dass sie nur antreten, falls Walker nicht mehr gewählt werde.

Sprengkandidaten aufgestellt

Walker jedoch erhob am Freitagabend Einspruch gegen das Wahlverfahren. Er sei der Ansicht, dass sieben statt fünf Kirchenräte zu wählen seien. Deshalb musste die Versammlung erst über die künftige Grösse des Kirchenrats befinden. Die Stimmberechtigten sprachen sich aber klar für fünf Mitglieder aus. Danach wurden Richi Arnold als Präsident, Martin Walker als Vizepräsident und Hansruedi Zgraggen als Verwalter gewählt. Für die beiden verbleibenden Sitze gab es Kampfwahlen. Denn der umstrittene Markus Walker brachte neben den Vorgeschlagenen, Margrit Ziegler (bisher) und Astrid Walker, plötzlich neue Namen ins Spiel: Josef Gisler junior, Jolanda Wadaa-Poletti und sich selbst. Margrit Ziegler und Astrid Walker wurden grossmehrheitlich gewählt. Auf Gisler und Wadaa-Poletti fielen lediglich je eine Stimme – jene von Markus Walker. Der umstrittene Kirchenrat erhielt keine einzige Stimme. Somit war seine Abwahl Tatsache. «Jetzt kann der Kirchenrat voller Elan durchstarten», sagte der abtretende Präsident Peter Schuler.

Kirchgemeinde muss Busse zahlen

Schuler informierte anschliessend über das Sanierungsprojekt rund um das Pfarrhaus. Das Projekt wurde nötig, weil Wasser in das Erdgeschoss gelangte. Doch statt den budgetierten 58 000 Franken kostet die Sanierung nun 81 000 Franken. Die Mehrkosten sind einerseits auf die Ungereimtheiten bei der Sanierung zurückzuführen. Andererseits sind ölverschmutzte Leitungen im Boden aufgetaucht. Die kontaminierte Erde musste speziell entsorgt werden. Zusätzlich wird die Kirchgemeinde nicht darum herumkommen, für die illegalen Bautätigkeiten eine Busse von 2000 Franken zu bezahlen. «Wir sind alles in allem mit zwei blauen Augen davongekommen», sagte Schuler.

Am Schluss der Versammlung musste Kirchenratspräsident Schuler noch einen Brief, den eine Schwester von Markus Walker verfasst hatte, vorlesen. Darin forderte die Schwester unter anderem, dass sich der Kirchenrat öffentlich bei Walker entschuldige. Schuler, der bis da souverän nach Drehbuch durch die Versammlung führte, ohne sich auf Diskussionen einzulassen, wurde kurz emotional. «Wenn wir uns bei Markus Walker entschuldigen müssen, dann müsste er sich auch bei uns entschuldigen, nach all dem, was er uns angetan hat», sagte Schuler und beendete die Versammlung.