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FLÜELEN: Wirt hofft, dass jetzt Ruhe einkehrt

Im Knatsch um das Schild «Schweizer verboten» vor der Moskito-Bar steht Aussage gegen Aussage. Sowohl gegen den Wirt als auch gegen sechs Gäste laufen nun Verfahren.
«Bei mir sind alle willkommen – auch Schweizer», sagt Ussi Talib. Die Tafel ist das Corpus delicti. (Bild Elias Bricker)

«Bei mir sind alle willkommen – auch Schweizer», sagt Ussi Talib. Die Tafel ist das Corpus delicti. (Bild Elias Bricker)

Elias Bricker

Es ist kurz nach Mittag. Das Restaurant Chuchichessi im Haus Urnerhof in Flüelen ist halbvoll. «Am Mittag herrscht hier viel Betrieb – dank der Touristen, die mit dem Schiff nach Flüelen kommen», sagt Wirt Ussi Talib. Am Abend laufe das Restaurant aber nur mässig. Auch die dazugehörige Bar Moskito wird nicht gerade überrannt. «Es kommen zu wenig Einheimische», sagt der Kurde mit syrischen Wurzeln.

Anzeigen von beiden Seiten

Der Knatsch rund um das Gastroschild mit der Aufschrift «Schweizer verboten» vor der Moskito-Bar war auch nicht beste Werbung für seinen Betrieb. Gäste beschuldigten die Moskito-Betreiber, am Abend des 14. August das Schild aufgestellt zu haben (siehe unsere Zeitung vom 17. und 19. August). Die Fotos machten auf Facebook die Runde. Talib beteuert, dass er nichts mit dem Schild zu tun habe. «Bei mir sind doch alle willkommen – auch Schweizer», sagt er. «Ich bin Geschäftsmann. Ich kann doch nicht allen Schweizern Hausverbot geben.» Er ist überzeugt, dass ihm jemand schaden wollte. Sechs junge Erwachsene, mit denen er an jenem Abend gestritten hatte, hat er angezeigt. Doch einige Gäste, die Hausverbot erhielten, haben nun Gegenanzeigen eingereicht. Sie behaupten, Talib stelle Quittungen im Trainingsmodus der Kasse aus, damit er keine Mehrwertsteuer abrechnen müsse. Zudem haben die Moskito-Betreiber nachweislich Kopien von den Identitätskarten der mit Hausverbot belegten jungen Erwachsenen in der Bar aufgehängt, obwohl dies verboten wäre. Aufgrund der Geschehnisse rund um die Moskito-Bar war die Polizei mehrmals vor Ort. «In den vergangenen Wochen hat die Urner Kantonspolizei zahlreiche Befragungen durchgeführt», sagt Sprecher Gusti Planzer. Die polizeilichen Ermittlungen stünden kurz vor Abschluss. Demnächst könne der Fall der Staatsanwaltschaft rapportiert werden. «Ob in diesem Fall überhaupt ein Straftatbestand erfüllt wird und, wenn ja, wie hoch das Strafmass sein wird, ist unklar», so Planzer. Es steht also Aussage gegen Aussage. Zeitgleich läuft gegen den Wirt aber noch ein weiteres Verfahren. Die Polizei stellte fest, dass in der Bar geraucht wurde. «Dies ist nun ebenfalls Gegenstand einer Untersuchung», so Planzer. Talib glaubt aber, dass in der Bar geraucht werden dürfe, weil das Restaurant Chuchichessi als Hauptlokal rauchfrei sei.

Familie ist zurück

Inzwischen hätten sich die Wogen ein wenig geglättet, erzählt der Wirt. Auch seine Frau und die drei Mädchen im Alter zwischen 1 und 4 Jahren seien inzwischen wieder nach Flüelen zurückgekehrt und würden die Spielgruppe besuchen. Talib, der gleich über der Bar wohnt, hatte seine Familie aus Sicherheitsgründen zu Verwandten nach Zürich gebracht, nachdem Unbekannte vor dem Restaurant randaliert hatten. In der Moskito-Bar habe er immer wieder Probleme mit betrunkenen Flüelern gehabt. «Dass einmal ein Glas kaputt geht, kann ja passieren», sagt der 37-Jährige, der seit 15 Jahren in der Schweiz lebt. «Doch einige Flüeler haben immer wieder absichtlich Sachen bei mir kaputt gemacht.» Mitte August sei es einfach genug gewesen. Deshalb sei es auch zu Anzeigen gekommen. «Ich hoffe nun, dass es hier ruhig bleibt», so der Wirt.

Talib, der einen mehrjährigen Pachtvertrag für den «Urnerhof» hat, will sich durch den Knatsch nicht verunsichern lassen. «Ich arbeite schon seit vielen Jahren in der Gastrobranche», sagt der Kurde. «Ich fühle mich wohl hier, weil ich selber in den Bergen aufgewachsen bin.» Allerdings fehlt es ihm an einheimischem Personal, das den Betrieb aufwerten könnte. Doch Einheimische zu finden, ist nicht einfach – schon gar nicht nach den Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen.

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