Flüeler Restaurant Mixx gehört neu zur Gilde

Ihr Handwerk als Köchin hat Mireille Gisler seit ihrer Kindheit perfektioniert. Nun wird ihr kulinarisches Können unverhofft ausgezeichnet.

Christian Tschümperlin
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Mireille Gisler flankiert von Markus Sager, Ambassdor der Gilde (links) und René Röthlisberger von Wirtschaft Uri. (Bild: Christian Tschümperlin, Flüelen, 4. Juni 2019)

Mireille Gisler flankiert von Markus Sager, Ambassdor der Gilde (links) und René Röthlisberger von Wirtschaft Uri. (Bild: Christian Tschümperlin, Flüelen, 4. Juni 2019)

Grosse Ehre für Mireille Gisler aus Altdorf: Die Köchin und Inhaberin des Restaurants Mixx in Flüelen wurde dieses Jahr als einzige Frau von neun Neulingen in die «Gilde der etablierten Schweizer Gastronomen» eingeführt. Damit handelt es sich neben dem Schloss A Pro in Seedorf und dem Hotel Eden in Sisikon erst um den dritten Gastrobetrieb im Kanton Uri, dem diese Auszeichnung zuteilwird. Und damit nicht genug: Gisler ist erst die 17. Frau neben gut 223 Männern in der Gilde. «Ich freue mich riesig über diese Ehre», sagt Gisler. Die professionelle Küche sei schon immer eine Männerdomäne gewesen. «Aber das ändert sich langsam.»

Die geheimnisvolle Karte, die sie in der Küche fand

Um in der Gilde aufgenommen zu werden, braucht es eine Portion Glück: Eines Morgens findet die Urnerin in ihrer Küche ganz unverhofft eine Karte mit der Nachricht, sie sei von der Gilde auserwählt worden. Es verhält sich nämlich so, dass man sich nicht um eine Aufnahme bewerben kann. Man muss vorgeschlagen werden, in der Regel von einem Gildenmitglied, wie ihr Ehemann Max Gisler betont.

Offenbar hatte sich ein sogenannter «Ambassador» der Gilde zuvor unter die Gäste gemischt und das Restaurant getestet. «Ich hatte sehr viel zu tun, ich habe nicht einmal bemerkt, dass er da ist», so Gisler. Danach musste sie ein strenges Auswahlprozedere durchlaufen, bei dem sichergestellt wurde, dass der Betrieb zur Philosophie der Gilde passt. Kriterien wie die Gastfreundschaft, die Betriebsführung oder die kulinarische Qualität spielen dabei eine Rolle. «Auch eine einfache Küche, ein Bergrestaurant, kann in die Gilde aufgenommen werden, wenn es gut ist», verrät die glückliche Urnerin. Vom auserkorenen Koch oder der Köchin wird aber erwartet, dass sie am künftigen Gilden-Leben teilnimmt. Auf dem Programm stehen etwa gemeinsames Wandern oder Kochen.

Die offizielle Tafelübergabe im Restaurant fand gestern Mittag vor prominenten Gästen wie etwa René Röthlisberger oder Beat Marty von Wirtschaft Uri, Joe Herger von Gastro Uri oder Maurus Stöckli von Uri Tourismus statt. Gilden-Ambassador Markus Sager überreichte die Tafel, die später beim Eingangsbereich angebracht wird. Nach dem Apéro hielt Mireille Gisler eine kurze Ansprache. Sie bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen und verschwand dann in der Küche. Beim anschliessenden Mittagessen durften die Gäste Gislers Kochkunst gleich selber ausprobieren. Es gab Kalbsfilet an Rotweinjus mit Gemüse und Kartoffeln. Das einhellige Echo fiel äusserst positiv aus.

Faszination für’s Kochen begann in der Kindheit

Gisler hat als Köchin eine vielseitige Biografie durchlaufen. Schon als Kind habe sie gerne gekocht. «Kochen ist einfach meine DNA, ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen», sagt sie. Ihre Laufbahn begann sie mit einer Grundausbildung in der Gastronomie in Holland. Weitere Stationen ihrer Karriere waren Österreich, Einsiedeln, Fürigen und Bürglen, später dann die Hotellerie Sternen in Flüelen bei Peter Bonetti, von dem sie sehr viel gelernt hat. Als Stellvertreterin von René Gisler im «Kreuz» in Altdorf sammelte sie Management-Erfahrungen.

«Es ist im Prinzip so: Als Koch muss man an sehr viel verschiedenen Orten Erfahrungen sammeln, man muss quasi ein Weltenbummler sein», meint ihr Ehemann. Nur so entstünde die Erfahrung, aus der später die kulinarische Kreativität wachsen könne. Das Restaurant Mixx betreibt Gisler im zehnten Jahr. Sie sagt, sie koche gerne saisonal und innovativ. «Zu meinen Spezialitäten gehören Spaghetti Mixx, Wild im Herbst und Gordon Bleu». Wobei das Gordon Bleu bei ihr wegen seines Aussehens und der Zubereitungsart nicht Gordon Bleu heisst, sondern «Handtäschli».Und was ist das eheimnis ihres Erfolges? «Für mich ist jeder Gast ein Testesser, jeder soll sich wohlfühlen.»

Die Gilde

Die Gilde der etablierten Schweizer Gastronomen wurde am 17. Mai 1954 gegründet. «Das war in einer Zeit, als der Wohlstand grösser wurde und man begann, auswärts zu essen», sagt Gilden-Ambassador Markus Sager. Auf den Besucheransturm seien viele Betriebe damals nicht vorbereitet gewesen. Ziel der Gilde war es, in der Gastronomie verbindliche Qualitätskriterien zu schaffen. Heute zählen zur Gilde Küchen, die vom exklusiven Gourmetrestaurant über den Landgasthof bis zum einfachen Bergrestaurant reichen. Bedingung ist aber, dass sie dem Gast ein besonderes Erlebnis bieten. Dazu muss der ausgewiesene Koch auch Inhaber des Betriebes sein, in dem er arbeitet. Die Vereinigung legt wert darauf, die Mitgliederzahl von 300 Betrieben nicht zu überschreiten. Damit sollen rund ein Prozent der Gastrobetriebe in der Schweiz ein besonderes Siegel erhalten.