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FORDERUNGSKLAGE: Abrechnungen beschäftigen das Landgericht

Eine Urner LKW-Fahrerin klagt von ihrem ehemaligen Arbeitgeber 11712 Franken ein. Im Zentrum standen gestern Rapporte voller Widersprüche – bei beiden Parteien.

Acht Monate lang war eine LKW-Fahrerin in einer Urner Firma angestellt. Drei Jahre später trifft sie ihren ehemaligen Arbeitgeber vor Gericht wieder. Der Grund: Die ehemalige Angestellte fordert von der Firma wegen unbezahlter Überstunden und Ferientage, falsch berechneter Minustagen und nicht bezahlter Arbeitswege die Zahlung von 11712 Franken. Die Firma weist die Forderung zurück und ist sich keiner Schuld bewusst. Im Gegenteil: Sie stellt sich auf den Standpunkt, von der ehemaligen Angestellten eigentlich noch Minusstunden in Rechnung stellen zu können.

Vergangene Woche wurden fünf Zeugen zur Sache befragt (Ausgabe vom 19. September), gestern fand die Hauptverhandlung statt. Dabei schilderten die Parteien bei der Einvernahme ihre Sicht der Dinge. Der Geschäftsleiter und der Verwaltungsratspräsident der Firma sagten, beim Einstellungsgespräch sei klar kommuniziert worden, dass die Arbeitszeit erst ab dem ausserkantonalen Einsatzort zu laufen beginnt. Die LKW-Fahrerin hingegen hielt fest, sie sei davon ausgegangen, dass der Arbeitsweg von Uri zu den ausserkantonalen Einsatzorten als Arbeitszeit abgegolten werde. Im Plädoyer hielt ihr Anwalt fest, dass gemäss Verordnung zum Arbeitsgesetz der Arbeitsweg seiner Mandantin gesetzlich als Arbeitszeit zu gelten habe. «Alles andere wäre nicht rechtens.»

Am selben Tag «krank» und «keine Arbeit»

Bei der Einvernahme der Parteien durch Landgerichtspräsidentin Agnes Planzer zeigte sich, dass nicht nur die Aussagen im Widerspruch zueinander liegen. Auch die Schriftstücke, die als Beweismittel zu den Akten genommen wurden, stecken voller Widersprüchlichkeiten. So unterscheiden sich etwa die handgeschriebenen Arbeitszeitrapporte, die die Klägerin damals ausgefüllt hat und visieren liess, von jenen elektronischen Rapporten, die sie dem Gericht hat zukommen lassen: Am selben Tag, den sie damals mit «keine Arbeit» quittierte, war sie gemäss elektronischer Liste krank. Eine Erklärung dafür fand die Klägerin gestern vor Gericht nicht, das sei zu lange her. Sie hielt aber fest, dass ihr gewisse Unstimmigkeiten in den Monatsabrechnungen erst im Nachhinein aufgefallen seien und sie die Abrechnungen damals zu wenig gut kontrolliert habe.

André Britschgi, der Anwalt der beklagten Firma, sah das anders. «Dass urplötzlich neue Rapporte auftauchen, zeigt, dass hier offenbar Beweismittel produziert wurden», hielt er in seinem Plädoyer fest. «Das ist hart an der Grenze zu strafrechtlich relevantem Handeln.» Dabei blieb jedoch auch seine Mandantin, die beklagte Firma, nicht vor unangenehmen Fragen verschont. Auch ihre Unterlagen sorgten teilweise für Verwirrung. So stimmt etwa die Jahresrechnung der Ferientage nicht mit jenen Angaben in den monatlichen Auszügen überein. Ausserdem bleibt unklar, wie das Überstundensaldo im zweiten Monat berechnet wurde. Hier konnten weder der Verwaltungsratspräsident noch der Geschäftsleiter Licht ins Dunkel bringen; für die Abrechnungen seien nicht sie, sondern das Personalbüro zuständig.

Das wiederum nahm der Anwalt der Klägerin in seinem Plädoyer auf: «Wenn eine Firma, die sich sonst immer so seriös geben will, solche Abrechnungen nicht richtig macht, kommt einem das schon schräg rein.»

Während die Klägerin auf ihrer Forderung beharrt, beantragt die Firma, die Klage gänzlich abzuweisen – oder gar nicht erst auf sie einzutreten. Gemäss Anwalt der beklagten Firma ist die Forderungsklage rechtlich gar nicht zulässig, da sie zunächst ohne Bezifferung der Forderung eingereicht worden sei. Erst im Nachhinein eine genaue Zahl zu nennen, sei unzulässig und unhaltbar. Das Urteil wird den Parteien im Dispositiv zugestellt.

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

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