Frauen fordern in Uri lautstark Gleichstellung

Seit dem grossen Frauenstreik hat sich kaum etwas verbessert. Deshalb haben Urner Frauen ihren Forderungen Nachdruck verliehen.

Urs Hanhart
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Die Frauen äussern unüberhörbar ihre Forderungen.

Die Frauen äussern unüberhörbar ihre Forderungen.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 14. Juni 2020)

Auf dem Unterlehn in Altdorf ging gestern um punkt 15.24 Uhr lärmmässig für einige Minuten mächtig die Post ab. Rund 200 Frauen, Kinder und solidarische Männer pusteten nach Leibeskräften in Trillerpfeifen und Tröten oder hämmerten wuchtig zwei Pfannendeckel zusammen. Diese ohrenbetäubende Aktion war der Höhepunkt eines rund einstündigen Frauenstreiks, der unter dem Motto «Fraulenzen» abgehalten wurde.

In Coronazeiten musste etwas anders als üblich demonstriert werden. Es gab zwar auch Transparente, Fahnen, Luftballons und sogar Regenschirme mit aufgemalten Forderungen, aber die Teilnehmenden achteten darauf, zwischen den Gruppen den Zwei-Meter-Abstand einzuhalten. Viele machten es sich auf mitgebrachten Camping- und Liegestühlen oder auf weichen Decken bequem. Für Nichtinformierte sah es fast so aus, als würde vor dem Zeughaus ein Massenpicknick abgehalten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer achten darauf, genügend Abstand zu halten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer achten darauf, genügend Abstand zu halten.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 14. Juni 2020)

Im Kanton Uri ein Zeichen gesetzt

Dass just um die erwähnte Uhrzeit tosender Lärm losbrach, kam nicht von ungefähr. Franziska Furrer vom Kollektiv des Frauenstreiks Uri erklärt: «Frauen verdienen im Schnitt rund 20 Prozent weniger als Männer. Ab 15.24 Uhr sind die Frauen nicht mehr bezahlt und sie könnten die Arbeit niederlegen.»

Gestern jährte sich der historische Frauenstreik von 2019. Damals waren schweizweit mehr als 500000 Frauen und solidarische Männer auf den Strassen, um Lohn, Zeit und Respekt zu fordern. Nach Einschätzung von Furrer hat sich seither noch nicht viel getan und sich in Sachen Gleichstellung kaum etwas verbessert. Abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass in den eidgenössischen Parlamenten seit dem letzten Herbst deutlich mehr Frauen vertreten sind als vorher. Zu den Kernanliegen sagte Furrer: «Uns geht es nicht um einen Kampf gegen Männer. Vielmehr geht es darum, dass wir uns alle auf Augenhöhe begegnen sowie Respekt und Wertschätzung erfahren. Alle sollen die gleichen Rechte haben und den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten.»

Seit dem Frauenstreik im vergangenen Jahr habe sich wenig verändert, finden die Teilnehmerinnen.

Seit dem Frauenstreik im vergangenen Jahr habe sich wenig verändert, finden die Teilnehmerinnen.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 14. Juni 2020)

Zudem sei es wichtig, dass die Kinderbetreuung bezahlbar werde. Viele könnten sich dies gar nicht leisten. Nicht zuletzt hätten viele Frauen Mühe, nach einer Geburt den beruflichen Wiedereinstieg zu finden. Dort müsse es Verbesserungen geben. Durch die Coronakrise habe sich die Situation der Frauen eher noch verschlechtert. Sie hätten noch mehr Betreuungsarbeit übernehmen müssen. «Seit dem Frauenstreik 2019 werden unsere Anliegen in der Bevölkerung breiter wahrgenommen. Aber ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass sich viel verändert hat. Feminismus ist unbequem und anstrengend. Aber so lange die Gleichberechtigung nicht umgesetzt ist – nicht nur bei Männern und Frauen, sondern für alle Minderheiten – werden wir für unsere Anliegen einstehen. Ich freue mich sehr, dass heute so viele Menschen hierher gekommen sind und gemeinsam im Kanton Uri ein Zeichen gesetzt haben», so Furrer.