Frauen werden ermuntert, sich politisch zu engagieren und mutig zu sein

An einem Podiumsgespräch am Mittwochabend im Uristiersaal in Altdorf erzählten vier Frauen über ihre Erfahrungen in der Politik. Sie waren sich einige: Es wäre zu begrüssen, wenn sich noch mehr junge Frauen in die Politik einbringen würden.

Paul Gwerder
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Am Podiumsgespräch diskutierten; von links: Anita Zurfluh, Renata Graf, Gesprächsleiterin Marian Balli, Beatrice Kolvodouris und Jolanda Joos. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 30. Oktober 2019)

Am Podiumsgespräch diskutierten; von links: Anita Zurfluh, Renata Graf, Gesprächsleiterin Marian Balli, Beatrice Kolvodouris und Jolanda Joos. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 30. Oktober 2019)

Am Mittwochabend ist im Uristiersaal in Altdorf an einem Podiumsgespräch über das Thema «Mehr Frauen in Wirtschaft und Politik» diskutiert worden. «Am heutigen Abend wollen wir den Frauen den Weg in die Politik aufzeigen und sie dazu motivieren, diesen Weg anzutreten, der ein wenig Überwindung kostet», begrüsste CVP-Landrätin Karin Gaiser die zahlreich erschienenen Frauen und ein paar Männer.

«In der Schweiz gibt es für uns Frauen erst seit 1971 das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht», erinnerte die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen. Am 7. Februar sagten 66 Prozent der Schweizer Männer Ja an dieser denkwürdigen Abstimmung. Es war ein langer Weg, bis es so weit war und an vorderster Front kämpfte die in Zürich wohnhafte Urnerin Emilie Lieberherr.

Gemeinderatsamt als erster Schritt

Heute fragen sich Frauen immer wieder: «Kann ich das»? Heidi Z’graggen meinte dazu: «Ja, denn die Frauen arbeiten hervorragend – und sie müssen diese Chance packen.» Als Eintrittshürde nennt Z’graggen den Eintritt in eine Partei. «Sie werden garantiert eine Partei finden, in der Sie sich wohlfühlen.» Und dann sei es wichtig, den Bekanntheitsgrad zu stärken. «Denn das ist eine der Voraussetzungen, um in die Politik zu kommen», so Z’graggen. Ein erster Schritt könne beispielsweise ein Amt in einer Gemeindebehörde bedeuten. «Dort kann man im Amt wachsen und mehr Kompetenzen sammeln», führt die Justizdirektorin aus. Sie rät den Parteien, die Frauen auf den Wahllisten gut zu positionieren. Sie sollen nicht nur als Listenfüller herhalten.

Am Podiumsgespräch nahmen folgende Frauen teil: Renata Graf (SVP, Gemeindepräsidentin Hospental), Jolanda Joos (SP, Landrätin Bürglen), Beatrice Kolvodouris (FDP, Richterin am Bundesstrafgericht in Bellinzona) und Anita Zurfluh (CVP, Gemeindepräsidentin Attinghausen). Der Anlass wurde von der ehemaligen SRF-Redaktorin Marian Balli aus Altdorf moderiert. Zunächst erklärten die Podiumsteilnehmerinnen, wie sie Politik, Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Renata Graf hatte es in diesem Fall etwas einfacher, denn sie war kinderlos und ist zudem heute pensioniert. Alle anderen haben Familie mit Kindern. Sie sind sich bei diesem Thema einig, dass diese Herausforderung nur mit Hilfe von Familie gemeistert werden könne. Alle müssten am selben Strick ziehen. Familienergänzende Angebote im Kanton Uri würden dabei helfen: «Bis in den Kindergarten ist es relativ einfach, denn die Kleinkinder können in die Kita gehen. Danach wird es schwierig und kompliziert. Die Familie muss sich gut organisieren», erklärte Beatrice Kolvodouris.

Frauen werden respektiert und wahrgenommen

Die Moderatorin kam auf eine Aussage der ehemaligen Bundesanwältin Carla Del Ponte zu sprechen, die meinte: «Man kann nicht Karriere machen und dazu noch eine gute Mutter sein». Dieser Meinung konnten sich die Podiumsteilnehmerinnen nicht anschliessen. Es sei Flexibilität gefragt. So könne der Partner beispielsweise das Arbeitspensum reduzieren und im Haushalt mithelfen. Zum Thema Respekt am Arbeitsplatz meinte Renata Graf:

«Mir war immer klar, wenn ich in der Männerwelt bestehen will, muss ich Leistung erbringen.»

Jolanda Joos betonte, dass sie noch nie festgestellt hätte, dass sie im Landrat nicht wahrgenommen werde. Beatrice Kolvodouris ergänzte: «Der Einstieg ist immer schwierig.»

Die Moderatorin stellte die provokative Frage: «Wen wählen Sie, einen Mann aus Ihrer Partei oder eine Frau einer anderen Partei?» Die Runde meinte übereinstimmend: In erster Linie sei das personenabhängig, aber tendenziell würde jemand innerhalb der Partei gewählt. Renata Graf hat dazu eine klare Haltung: «Ich werde nicht um jeden Preis eine Frau wählen, sondern ich gebe jeweils den Besten und Fähigsten die Stimme.» Für Anita Zurfluh wäre es wünschenswert, wenn sich mehr junge Frauen in der Politik zur Verfügung stellen: «Wen man davon überzeugt ist, dann schafft man das auch.» Und alle waren sich einig: Frauen werden gewählt, wenn sie sich zur Verfügung stellen. Dazu brauche es ein gutes Umfeld und einen verständnisvollen Partner.

Beim anschliessenden Apéro hatten die anwesenden Gäste noch lange Gelegenheit, mit den Podiumsteilnehmerinnen zu diskutieren oder ihnen Fragen zu stellen.