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Freistellung in der Reformierten Landeskirche Uri führt zu Turbulenzen

Zahlreiche Mitglieder der Reformierten Landeskirche Uri wollen Pfarrerin Rahel Eggenberger zurück. Ihr war im Januar gekündigt worden und am 10. Mai wurde sie per sofort freigestellt.
Paul Gwerder
Die Idylle trügt: Bei der reformierten Landeskirche Uri hängt der Haussegen seit einiger Zeit schief. (Bild: Paul Gwerder, Erstfeld, 14. Mai 2019)

Die Idylle trügt: Bei der reformierten Landeskirche Uri hängt der Haussegen seit einiger Zeit schief. (Bild: Paul Gwerder, Erstfeld, 14. Mai 2019)

Zur Frühjahresversammlung der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Uri am 13. Mai im Kirchgemeindehaus Erstfeld kamen 56 stimmberechtigte Mitglieder. «Im vergangenen Jahr ist uns einiges gelungen, aber auch ist leider vieles liegen geblieben», sagte Kirchenratspräsidentin Felicitas Schweizer einleitend. Bevor sie die Traktandenliste genehmigen lassen konnte, warf ein Mitglied ein, dass diese nicht komplett sei.

Bereits vor Beginn der Versammlung war spürbar, dass es unter den Mitgliedern brodelte. Auffällig war auch, dass die Präsidentin allein vor dem Mikrofon auf der Bühne stand und die anderen Kirchenratsmitglieder irgendwo im Saal sassen.

Kündigung ist ordentlich erfolgt

Der Kirchenrat hat im Januar Pfarrerin Rahel Eggenberger gekündigt – dies mit der ordentlichen Kündigungsfrist von sechs Monaten. Am 10. Mai ist sie per sofort freigestellt worden. Eine Gruppe unter dem Namen «Zukunft unserer Kirche» (ZUK) beabsichtigte einen Antrag einzureichen, die Kündigung rückgängig zu machen. Dazu sagte Felicitas Schweizer: «Dies ist heute nicht möglich, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt». Die bisherige Pfarrerin hat die Kündigung nicht akzeptiert und will rechtliche Schritte einleiten. Die Präsidentin betonte, der Kirchenrat habe mit der Gruppe «ZUK» das Gespräch gesucht, es sei aber keines zustande gekommen.

Es kam zu vielen Wortmeldungen und Vorwürfen gegenüber dem Kirchenrat: «Wir wollen jetzt wissen, warum der Pfarrerin gekündet wurde.» Die Urner Oberländer (Erstfeld bis Andermatt) seien mit der Arbeit von Pfarrerin Eggenberger sehr zufrieden gewesen. Unmissverständlich wurde verlangt, dass die Kündigung zurückgenommen wird. Ein Versammlungsteilnehmer forderte, dass wenigstens heute und jetzt informiert werde, warum Rahel Eggenberger gehen musste. Felicitas Schweizer, die übrigens ziemlich allein war und von den anderen Kirchenratsmitgliedern wenig Unterstützung erhielt, konnte nur immer das gleiche wiederholen:

«Die Kündigung von unserer Seite war rechtens und ich kann und darf heute dazu nichts sagen.»

Damit habe man grosse Mühe, denn man sei eine Kirchgemeinde und da sollte man nicht auf Paragrafen herumreiten und die Mitglieder orientieren, so ein anderes Mitglied.

Manche fanden, dass es eine Ausrede der Präsidentin sei. Eine Frau meinte: «Der Krisenherd liegt viel tiefer und die Urner Reformierte Landeskirche ist gespalten.» Es wird befürchtet, dass sich niemand auf das Stelleninserat meldet, in welchem zwei Pfarrer zu je einem 80-Prozent-Pensum gesucht werden, wenn diese in der Presse lesen, was in der Kirche abgeht. Noch bis im Juni nimmt Pfarrer Heiner Streit die seelsorgerische Tätigkeit der Kirche interimistisch wahr. Erst nach rund einer Stunde konnte mit der ordentlichen Versammlung begonnen werden, die fast zur Nebensache wurde.

Ausserordentliche Versammlung gefordert

Helen Schuler stellte den Antrag, eine ausserordentliche Versammlung innert dreier Monate einzuberufen. «Seit geraumer Zeit besteht in unserer Kirchgemeinde eine unerträgliche Missstimmung gegenüber dem Kirchenrat», begründete sie. «Wir meinen, dass kirchenrätliche Fehlentscheide und Führungsschwächen, vor allem in Personalfragen, unsere Verzweiflung begründen. Solche nicht nachvollziehbaren Geschichten haben die Einheit unserer Kirche sehr geschwächt und die Auswirkungen sind, dass es viele Kirchenaustritte gibt». Helen Schuler glaubt, dass eine Verbesserung der belastenden Situation mit der jetzigen Zusammensetzung des Kirchenrats unmöglich ist. Dem Antrag stimmten die Anwesenden mit der Änderung zu, dass diese ausserordentliche Versammlung spätestens bis im September abgehalten werden soll und ein Mediator dabei sein müsse.

Schuler wollte auch das Traktandum Kirchenrat und Geschäftsprüfungskommission traktandiert haben. «Wir sind ordentlich bis im Jahr 2020 gewählt, deshalb können früher gar keine Wahlen stattfinden», erklärte die Präsidentin. Ein Mitglied stellte den Antrag, dass die freigestellte Pfarrerin Rahel Eggenberger, die als «Gast» anwesend war, etwas sagen dürfte. Dieser Antrag wurde von der Präsidentin und einem Kirchenratsmitglied kategorisch abgelehnt.

Präsidentin gab den Stichentscheid

Wie giftig das Klima innerhalb der Kirchgemeinde ist, zeigte sich darin, dass es fast bei jedem Traktandum Einwände gab. Dies fing bereits bei der Genehmigung des Protokolls an, an dem gerügt wurde, dass einige Namen nicht richtig geschrieben worden seien. Jemand wollte wissen, warum die neue Website von einer ausserkantonalen Firma erstellt worden sei. Dazu sagte die Präsidentin: «Wir haben drei Offerten eingeholt und diese war die günstigste.» Obwohl die Jahresrechnung mit einem Gewinn von rund 478’000 Franken abschloss, kam bei der Abstimmung eine Pattsituation mit 25 Ja- und 25 Nein-Stimmen zustande. Mit dem Stichentscheid sorgte Felicitas Schweizer dafür, dass die Rechnung angenommen wurde.

Ein Grund für das gute Abschneiden der Rechnung ist die Umstellung der Buchhaltung auf Basis des Schweizer Kontenrahmens für KMU. Es mussten deshalb Rückstellungen von 68’000 Franken zurückgebucht werden und ausserdem wurden 120’000 Franken aus dem Konto Rückstellungen aufgelöst. Auch ist der Jahresbericht der Präsidentin nur mit 31 Ja-Stimmen gegenüber 13 Nein-Stimmen angenommen worden. Und der Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK), welche derzeit nur noch aus einem Mitglied besteht, wurde mit 27 zu 24 Stimmen abgelehnt. Wenigstens wurde Michèle Bilger einstimmig als neues Mitglied in die GPK gewählt.

Abschliessend versicherte die Präsidentin, dass trotz der Kündigung der Pfarrerin alle Gottesdienste stattfinden können. Und wie es um Präsidentin Schweizer stand, zeigte ihr Schlussvotum: «Wenn ihr mich nicht mehr wollt, gehe ich jetzt und sofort und lege das Amt nieder». Danach herrschte betroffenes Schweigen.

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