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Schattdorf gehen die Samariter aus – es steht schlecht um den Verein

Am Dienstag wurde vom Samariterverein Schattdorf die 85. Blutspendenaktion durchgeführt – vermutlich zum letzten Mal. Josef Kempf über einen Verein, von dem er wahrscheinlich bald nicht mehr Präsident sein wird.

Kristina Gysi
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Bereits vor einem Jahr berichtete diese Zeitung über den schwierigen Stand des Samaritervereins Schattdorf. Personelle Engpässe und ein Minus in der Vereinskasse veranlasste im Februar 2020 gar eine Abstimmung darüber, ob der Verein weitergeführt oder aufgelöst werden solle. Eine Mehrheit sprach sich damals für die Weiterführung um mindestens ein Jahr aus. Dieses ist nun um – und der Samariterverein steht am gleichen Punkt wie damals. Am 21. März soll im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung über die Zukunft des Vereins entschieden werden.

Die Auflösung des Vereins ist also noch nicht offiziell beschlossen. Hoffnung, dass es anders kommen könnte, ist den Worten des langjährigen Präsidenten Josef Kempf jedoch nicht zu entnehmen: «Wir haben keinen technischen Kursleiter mehr, der zum Beispiel den Nothelferkurs durchführt», so der Präsident. «Das ist wie eine Fussballmannschaft ohne Trainer.» Die Resignation in seiner Stimme ist kaum zu überhören: «Was soll man machen, wenn die Mitglieder nicht mehr wollen», sagt er seufzend. Die Leute seien teilweise zu alt geworden, hätten aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen aufgehört. Dazu kämen immer strengere Vorschriften vom Dachverband: Übungen, die viel Zeit, Infrastruktur und Material voraussetzen und eine Menge Bürokratie erfordern. «Einige der Mitglieder sagen, dass sie dieses Spiel nicht mehr mitmachen wollen.»

Keiner mehr da, der die Arbeit machen will

«Vor allem aber fehlen uns die Jungen», so Kempf. «Die sagen halt oft, dass sie ihr Natel haben und den Notruf wählen können, falls etwas ist.» Der Verein finde keine Nachfolger mehr. Auch deshalb, weil die Freiwilligenarbeit zusehends an Beliebtheit verliere – nicht aber an Bedeutung. «Dieses miteinander Arbeiten gibt es heute nicht mehr so wie früher», sagt Kempf. «Diese Generation stirbt gerade aus.» Wenn, dann kämen noch die Kinder, die von zu Hause aus «geimpft» seien – also zum Beispiel jene, bei denen ein Elternteil das Amt in einem Vorstand innehat. Sonst sei es schwierig bis unmöglich, jemanden zu finden, der die Arbeit weiterführen möchte. «Ich habe das Gefühl, dass unser Verein nicht der einzige sein wird, der sich aus diesem Grund auflösen muss», so Kempf.

Josef Kempf, Präsident des Samaritervereins Schattdorf, bei der Blutspendeaktion vom Dienstag. Die Maske wurde für das Foto kurzzeitig abgenommen.

Josef Kempf, Präsident des Samaritervereins Schattdorf, bei der Blutspendeaktion vom Dienstag. Die Maske wurde für das Foto kurzzeitig abgenommen.

Bild: PD (Schattdorf, 16. Februar 2021)

Samariter aus anderen Gemeinden holen

Der Samariterverein Schattdorf wurde am 6. April 1931 gegründet und bot mit seinen Mitgliedern seither eine helfende Hand in gemeinnützigen und humanitären Angelegenheiten der Gemeinde. So waren die Samariter bis in 2019 bei Grümpelturnieren, organisiert vom Fussballclub Schattdorf, vor Ort und kümmerten sich um die schnelle medizinische Versorgung der Spieler. Anfang 2020 gab der Verein bekannt, dass dieser sogenannte Postendienst aufgrund des Personalmangels nicht länger angeboten werden könne. Ralph Bomatter, Mediensprecher des Fussballklubs, sagt: «Im 2020 fanden keine Plauschturniere statt, und wenn im 2021, dann wahrscheinlich nur im sehr kleinen Rahmen.» Deswegen habe sich der FC Schattdorf noch nicht gross mit der Frage auseinandergesetzt, wer in Zukunft die Aufgaben übernehmen wird, die bisweilen vom Samariterverein getragen wurden. «Wahrscheinlich läuft es aber darauf hinaus, dass wir Samaritervereine aus den Nachbardörfern anfragen müssen», so Bomatter.

Die Gemeinde sucht nach Lösungen

In der Übernahme von Verantwortlichkeiten ist die Gemeinde Schattdorf schon einen Schritt weiter als der Fussballklub: «Wir befinden uns im Dialog mit dem Samariterverein, unseren Nachbargemeinden und dem Kanton», sagt Daniel Münch, Geschäftsleiter der Gemeinde Schattdorf. Bisweilen sei die Idee der «First Responder» für Notfallsituationen aufgekommen. Leute, die im ersten Moment eines Notfalls zu Verfügung stehen, schnell vor Ort sind und Erste Hilfe leisten können – vereinsungebunden. «Sozusagen Schläfer, die im Notfall geweckt werden», sagt Münch. Zwar könne es zukünftig in diese Richtung gehen, Münch betont aber, dass das detaillierte Konzept dazu noch nicht ausgearbeitet ist. «Man weiss, dass das ‹First Responder System› erfolgreich im Luzernischen funktioniert, die Idee ist also nicht neu, aber birgt ihre offenen Fragen im Detail», so Münch. «Wir sind hier derzeit noch in der politischen Diskussion, was das Handling betrifft.» Zudem werden parallel Gespräche über Synergien mit den Nachbargemeinden über Unterstützung vor Ort an Dorffesten, Fasnachten und weiteren Festlichkeiten geführt, so Münch.

Die Karten für den Samariterverein Schattdorf stehen also merklich schlecht. Und so muss man annehmen, dass die 85. Blutspendenaktion, die am Dienstag stattfand, wohl die letzte war, die vom Samariterverein durchgeführt wurde. Zum Glück habe man laut Kempf aber den Blauring Schattdorf überreden können, die Aktionen zukünftig zu übernehmen. «Man wird damit nicht reich, aber immerhin bekommt man eine kleine Entschädigung für die Verbandskasse.» Kempf ist froh, dass das Blutspenden in der Gemeinde weitergeführt wird. «Immerhin kamen jeweils um die hundert Personen zum Spenden», sagt er.