Ürner Asichtä: Endlich ist der Frühling da

Ürner Asichtä: Fränzi Stalder freut sich über die Ankunft der Jahreszeit.

Fränzi Stalder
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Ich gebe zu, es ist kein Frühling wie die Jahre zuvor. Oder vielleicht doch? Ich schlafe gerne bei offenem Fenster. Seit wenigen Wochen brauche ich darum auch keinen Wecker mehr am Morgen. Schon früh, ich gebe zu, manchmal auch etwas zu früh für meinen Geschmack, zwitschern die Vögel den neuen Tag herbei. Kein Zweifel – der Frühling steht bevor.

Frühlingsputz. Ich glaube, dies ist in Verbindung mit dem Frühling das meist gehörte Wort in den letzten Wochen. Endlich wieder einmal Zeit richtig und überall auszumisten, höre ich aus allen Ecken im Dorf und den Social-Media-Kanälen. Fenster putzen, Keller entrümpeln und die Staubschichten hinter jeder Kommode entfernen. Der Frühlingsputz hat wahrlich Hochkonjunktur.

Fränzi Stalder.

Fränzi Stalder.

Dafür glaube ich fest daran, dass dieses Jahr die Frühlingsmüdigkeit ausfällt. So viel wie die vergangenen Wochen habe ich schon lange nicht mehr geschlafen. Keine Termine, keine Vereinstätigkeiten, keine Kultur. Es fällt mir tatsächlich so leicht wie nie, die Lichter abends ordentlich früh zu löschen und mich ins Land der Träume zu begeben. Ich weiss schliesslich auch nicht, wann das Vogelkonzert am nächsten Morgen beginnt.

Frühlingsgefühle im klassischen Sinn haben es im Moment auch nicht leicht. Ja nicht zu nahekommen, heisst das Motto. Neue Leute kennen lernen? Fehlanzeige. Wobei, online ist dies zum Glück nicht verboten. Die Dating-Plattformen florieren mit Sicherheit. Ein kleiner Flirt oder ein nett gemeintes Kompliment ist Balsam für die Seele. Wie inspirierend können tiefgehende Gespräche sein? Jetzt haben wir doch Zeit, unser Gegenüber richtig kennen zu lernen. Oder eine neue Seite an ihm zu entdecken? Was ist mit dem guten alten Liebesbrief? Selbst der Partner in der gemeinsamen Wohnung berühren schöne Worte, 100-prozentig. Es entwickeln sich zurzeit auch wunderbare Gefühle wie Solidarität, Hilfsbereitschaft, Zuversicht, Hoffnung und Zusammengehörigkeit.

Der Frühlingsschnee schmilzt langsam aber sicher. Petrus meint es im Moment gut mit uns. Viel Sonnenschein und steigende Temperaturen locken nach draussen. Herrlich, mein Ausblick auf der Dachterrasse in die Urner Bergwelt. Eine Tasse Kaffee, ein Stück selbst gemachter Kuchen dazu (woher würde ich sonst die Zeit zum Backen nehmen) und auf dem Liegestuhl Vitamin D tanken. Während der Spaziergänge – ein bisschen Bewegung muss nach dem Kuchenessen einfach sein – zeigt sich der Frühling gerade von der schönsten Seite. Spriessende Bäume und blühende Wiesen sind im Dorf und rundherum nicht zu übersehen. Und was gibt es nicht alles Spannendes direkt vor der Haustür: Neue Touren im Wald, ein Winken mit den Nachbarn (jetzt weiss ich, wer da wohnt) und frische Produkte direkt vom Bauern für die neuen Rezepte zum Ausprobieren.

Schön, der Frühling ist wieder da.