FRÜHLING: Urner Gärtner lanciert «Zalando» für Zimmerpflanzen

Jetzt spriessen die Pflanzen wieder – doch nicht bei jedem gleich gut. Hilfe bietet die Website eines Urners mit einer innovativen Idee.

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Jonathan Imhof in seinem Büro: «Wenn jeder einen Drittel meiner Pflanzen im Büro hätte, wäre mein Ziel erreicht. (Bild Florian Arnold)

Jonathan Imhof in seinem Büro: «Wenn jeder einen Drittel meiner Pflanzen im Büro hätte, wäre mein Ziel erreicht. (Bild Florian Arnold)

Stylische Töpfe, zierliche Pflanzen alles frei kombiniert, bequem vom Computer aus. Auf der Plattform www.zimmerpflanzen.ch, die seit kurzem online ist, können Käufer ihre Wunschkombination zusammenstellen und sich das Resultat gleich am Bildschirm ansehen. Was man auf «Zalando» mit Kleidern längst machen kann, ist jetzt also auch für Zimmerpflanzen möglich.

Dahinter steckt der Urner Jonathan Imhof (27). Der gelernte Gärtner erklärt, wo der Unterschied zu den Kleidern liegt: «Ein T-Shirt ist ein T-Shirt, aber eine Pflanze ist nicht einfach eine Pflanze.» Jede habe andere Eigenschaften und Vorlieben, damit sie gedeihe. Und das mache die Sache so kompliziert. Zum Glück muss sich der Kunde aber keine Gedanken darüber machen. Wie gross der Topf sein muss und wie viel Substrat in den Topf gehört, berechnet das System von allein. Auf der Plattform kann frei kombiniert werden. Mit wenigen Klicks ist die Bestellung fertig, und nach rund einer Woche wird die fertig eingetopfte Pflanze mit Zubehör an die Haustür geliefert.

Infos gibts kostenlos

Der Idee dieser Plattform geht der Urner seit über sechs Jahren nach. «Es hat mich gestört, dass es bisher kein vollständiges Nachschlagewerk für Zimmerpflanzen gegeben hat», sagt er. Diese Lücke wollte er schliessen und hat das Wissen in Tausenden von Stunden zusammengetragen. Das gesammelte Wissen fliesst einerseits in den Shop ein. Imhof stellt das «Wikipedia» für Zimmerpflanzen aber auch kostenlos auf der gleichen Website zur Verfügung.

«Wer wissen möchte, weshalb seine Zimmerpflanzen nicht richtig wachsen, findet jetzt die Lösung auf meiner Website», sagt der Jungunternehmer. Auch wer mit den kleinen Etiketten beim Grossverteiler nicht zufrieden ist, kann sich nun bequem Zusatzwissen im Internet beschaffen. Mittlerweile sind die 120 wichtigsten Zimmerpflanzen erfasst. Das System ist so ausgelegt, dass es laufend erweitert werden kann.

«Jede Pflanze hat Profil verdient»

«Pflanzen haben mehr Respekt verdient. Sie sind essenziell und tragen die Grundlage des Lebens in sich», sagt der junge Urner. «Es ist nichts als angebracht, dass jede ein eigenes Profil erhält.» Imhof erklärt, weshalb: «Pflanzen sind die besten Filter der Welt. Es kommt nichts Schlechtes dabei heraus.» Daneben würden Pflanzen die Luftfeuchtigkeit in einem Raum erhöhen. «Damit steigt auch das Wohlbefinden, und es wirkt sich erst noch positiv auf die Haut aus.» Imhof ist begeistert vom ganzen Kosmos und der Atmosphäre. «Es ist der absolute Wahnsinn. Die Atmosphäre ist die Grundlage unseres Daseins. In Form von Sauerstoff und Pflanzennahrung. Deshalb sollten wir auch zu ihr schauen. Aber wenn ich sehe, was mit den artenreichen Tropenwäldern weltweit geschieht, wird mir schlecht.»

Überall, wo sich der Mensch aufhalte, müsste es auch Pflanzen geben, findet Imhof. «Der moderne Mensch verbringt 90 Prozent seines Lebens in geschlossenen Räumen. Schädliche Partikel sammeln sich extrem schnell an. Zwei, drei Pflanzen können da helfen», so der Idealist.

Elefantenohr hört ihm bei Arbeit zu

Imhof lebt seinen Traum: Sein 25 Quadratmeter grosses Büro in Intschi im Urner Oberland gleicht einer Oase. Der meterlange Arm einer «Alocasia» (eine Gummibaum-Art) schaut Imhof über die Schultern. Flankiert wird er von einer «Elefantenohr-Kalanchoe», einem Wüstengewächs aus Madagaskar, dessen handflächengrosse Blätter an die Lauscher des Dickhäuters erinnern. Insgesamt sind es gut 15 Pflanzen, die den Tüftler umringen. «Wenn nur jeder einen Drittel davon in seinem Zimmer hätte, wäre mein Ziel erreicht», sagt Imhof.

Selbstständig mit 21 Jahren

Die Programmierung seiner Website hat sich der 28-Jährige von Grund auf autodidaktisch beigebracht. «Ich habe Tausende Stunden meiner Freizeit investiert», so Imhof. «Man kann es fast schon unermüdlich, krankhaft, krampfhaft nennen.» So habe er sich auch einige Male fast die Zähne ausgebissen. Denn damit die Vorschau der Kombinationen, die sich der Kunde zusammenstellt, direkt generiert werden kann, müssen die einzelnen Fotografien der Pflanzen ganz genau zueinander passen. Doch der Urner ist es sich gewöhnt, durchzuhalten. Mit 21 Jahren beschloss er, sich selbstständig zu machen. «Ich habe mir einen Transportbus gekauft und im privaten Kreis begonnen, Aufträge anzunehmen.» Heute kann Jonathan Imhof gut als Kundengärtner leben. Die Website soll ein zweites Standbein werden. «Auch wenn ich nicht böse bin, wenn es mein Haupterwerb wird.» Vorderhand wird ihm die Arbeit nicht ausgehen. «Alle Pflanzen auf der Erde zu erfassen, wäre unmöglich. Da diese nach und nach verschwinden, verdrängt von der Lebensweise des Menschen. Ein Aufruf an die Gesellschaft: Achtet mehr auf die Natur, sie stellt im Endeffekt unser aller Überleben auf der Erde dar.»

Florian Arnold