Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Weltdiabetestag: Experten des Kantonsspitals Uri geben Auskunft

Immer mehr Personen sind von Diabetes betroffen. Patrick Jauch, Leiter Ernährungsberatung, und Esther Hunkeler, Diabetesberaterin, beantworten einige häufig gestellte Fragen zum Thema.
Patrik Jauch-Herger, Leiter Ernährungsberatung im Kantonsspital Uri, berät eine Patientin. (Bild: PD)

Patrik Jauch-Herger, Leiter Ernährungsberatung im Kantonsspital Uri, berät eine Patientin. (Bild: PD)

Der Weltdiabetestag wurde 1991 angesichts der weltweit rasant wachsenden Zahl von Diabetikern ins Leben gerufen. Das Datum 14. November erinnert an den Geburtstag von Frederick G. Banting, der gemeinsam mit Charles Herbert Best im Jahre 1921 das lebenswichtige Hormon Insulin entdeckte, wie es in einer Mitteilung des Kantonsspitals Uri heisst.

An diesem Tag soll weltweit auf Diabetes, seine Ursachen und seine Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen aufmerksam gemacht werden. «Vor allem soll deutlich werden, dass Diabetes nicht das Problem einiger weniger ist, sondern dass immer mehr Menschen in der ganzen Welt mit der Krankheit leben müssen», wie die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft (SDG) schreibt.

Ist eine Früherkennung von Diabetes möglich?

Esther Hunkeler: Beim Typ-2-Diabetes, früher Altersdiabetes genannt, auf jeden Fall. Wenn jemand zu einer Risikogruppe gehört, macht es Sinn, den Blutzuckerspiegel regelmässig vom Hausarzt kontrollieren zu lassen. So können erhöhte Blutzuckerwerte frühzeitig erkannt und erste Massnahmen, zum Beispiel im Rahmen von Lebensstiländerung mit Hilfe einer Ernährungsberatung, initiiert werden. Für den Typ-1-Diabetes, der vor allem im Kindes- und Jugendalter auftritt und sich grundsätzlich in jedem Lebensabschnitt entwickeln kann, gibt es keine Früherkennung. Der Grund dafür ist, dass die Bauchspeicheldrüse plötzlich aufhört, Insulin zu produzieren, und dies nicht vorhersehbar ist.

Esther Hunkeler ist Diabetesberaterin am Kantonsspital Uri. (Bild: PD)

Esther Hunkeler ist Diabetesberaterin am Kantonsspital Uri. (Bild: PD)

Risikogruppe? Wie merkt also jemand, ober er oder sie ein Diabetesrisiko hat?

Esther Hunkeler: Ein erhöhtes Risiko, Diabetes zu entwickeln, hat eine Person, wenn sie beispielsweise unter Übergewicht mit Bluthochdruck und zu hohen Cholesterinwerten leidet. Diese Faktoren werden noch verstärkt, wenn man nahe Verwandte hat, die bereits an Diabetes erkrankt sind – zum Beispiel Vater, Mutter oder Geschwister. Es können jedoch auch Personen, die ein normales Körpergewicht haben, aber familiär vorbelastet sind, Diabetes entwickeln. Zudem haben Studien gezeigt, dass regelmässige körperliche Aktivität eine wirksame Massnahme sein kann, einem Diabetes vorzubeugen.

Die kalte ist auch die süsse Jahreszeit. Was bedeutet das für Diabetiker?

Esther Hunkeler: Essen und Trinken haben einen direkten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Mir werden in der Diabetesberatung häufig Fragen zur Ernährung gestellt, die dann in der Ernährungsberatung besprochen werden. In der Diabetesberatung erkläre ich den Patienten das Krankheitsbild. Auch lernen sie, wie sie den Blutzucker richtig messen. Zudem sollen die Patienten ihre individuelle Diabetestherapie lernen zu verstehen, sei das nun die Wirkweise eines Medikamentes oder eines Insulinschemas. Wenn jemand Insulin spritzen muss, wird er oder sie ebenfalls von mir geschult. Das Ziel der Diabetesberatung ist es, dass der Patient in der Lage ist, den Diabetes mit Hilfe des Arztes gut zu führen.

Patrik Jauch: Süsses muss auch bei einem Diabetes nicht komplett vom Speiseplan gestrichen werden. In der Regel macht es Sinn, Süssigkeiten und Dessert direkt im Anschluss an eine Hauptmahlzeit einzuplanen anstatt zwischendurch.

Ist der Verzehr von zu vielen Süssigkeiten die Ursache für Diabetes?

Patrik Jauch: Das wird im Volksmund häufig so gesagt, stimmt aber nicht direkt. Hauptfaktor ist das Übergewicht oder im speziellen das übermässige Bauchfett. Das hat den grössten Einfluss. Und dann muss man sagen, dass eben nicht nur weisser Zucker einen Einfluss hat, sondern eher die Gesamtmenge an Kohlenhydraten, was auch den Fruchtzucker, Stärkebeilagen, Malzzucker oder auch Milchzucker betrifft. Eine zu hohe Zufuhr davon kann, nebst dem Einfluss auf das Gewicht und das Bauchfett, auch noch unabhängig einen Einfluss darauf haben, wann ein Diabetes-Typ-2 «ausbricht». Eine Zufuhr mit Mass – auch von Süssigkeiten – gehört aber auch zu einer ausgewogenen Ernährung.

Ganz allgemein zur Ernährung. Inwiefern hängt das Erkrankungsrisiko tatsächlich vom Speiseplan ab?

Patrik Jauch: Eine ausgewogene Ernährung trägt ganz wesentlich zum Erhalt der Gesundheit bei. Hierbei geht es aber nicht nur darum, Gemüse zu essen, sondern um die Ausgewogenheit insgesamt. Man weiss heute, dass verschiedenste Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele andere lange vermieden werden können – aber nicht zu 100 Prozent. Ernährung oder Fehlernährung ist auch nur ein Risikofaktor wie Vererbung, Umwelt, Rauchen et cetera.

Ist Diabetes eine Wohlstandserkrankung?

Esther Hunkeler: Ja, ein Teil ist sicher auf den Wohlstand in unserer Gesellschaft zurückzuführen. Ein Grossteil der Bevölkerung geht einer sitzenden Beschäftigung nach. Zudem ist Essen immer und überall verfügbar, insbesondere auch sehr energiedichte, kalorienreiche Lebensmittel. Diese beiden Faktoren begünstigen Übergewicht, was wiederum ein Risikofaktor für das Auftreten eines Diabetes ist.

Morgens nach dem Aufstehen eine Tasse Kaffee, einen Espresso. Was sagen Sie als Ernährungsberater dazu?

Patrik Jauch: Das Frühstück ist wichtig. Menschen, die frühstücken, haben – auch gemäss aktuellen Studien – ein geringeres Risiko, an Diabetes, Übergewicht oder dessen Folgen zu leiden. Den Kaffee würde ich deswegen aber nicht streichen. Gerade beim Kaffee geht man davon aus, dass er auch positive Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System hat. Ich würde in der Ernährungsberatung jedoch in Erwägung ziehen, was man sich am ehesten vorstellen könnte, zum Frühstück zu essen. Allenfalls würde ich dann bis zur nächsten Beratung ein konkretes Ziel festlegen.

Gesund ernähren, Diabetes vermeiden. Kann man das so sagen?

Patrik Jauch: Vermeiden ist vielleicht das falsche Wort, aber verzögern. So bekommt man, wenn man sich gesund ernährt, den sogenannten Typ-2-Diabetes, Alterszucker genannt, erst mit 90 statt mit 60 Jahren, wenn man eine starke familiäre Veranlagung mitbringt. Der Typ-1-Diabetes hat jedoch mit dem Lebensstil nichts zu tun. Davon kann man in jungen Jahren ebenso wie im hohen Alter betroffen sein, auch wenn der Lebensstil gesund ist.

Sollen Diabetiker mehr Sport treiben?

Esther Hunkeler: Ja, unbedingt. Regelmässige körperliche Aktivität ist ein wichtiger Teil des Behandlungskonzepts, da Bewegung den Blutzuckerspiegel auch ohne Insulin senken kann. Bewegung im Rahmen von 150 Minuten pro Woche hat einen positiven Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel. Dabei spielt es keine Rolle, ob das nun zweimal pro Woche 60 Minuten Schwimmen sind plus 30 Minuten Velofahren auf dem Hometrainer zu Haus oder viermal pro Woche 30 Minuten zügiges Laufen nach dem Abendessen. Und natürlich macht es auch nichts, wenn sich jemand mehr als diese 150 Minuten pro Woche bewegt.

Gibt es besondere Ernährungsempfehlungen bei Diabetes?

Patrik Jauch: Grundlage sind heute die Empfehlungen einer normalen ausgewogenen Ernährung. Die «richtige» Ernährung ist aber die, die zur jeweiligen Therapie passt. Ob sie nur auf den Lebensstil achten, Tabletten nehmen oder Insulin spritzen müssen, unterscheidet sich von den Empfehlungen grundlegend. Wichtig ist es, über die Möglichkeiten Bescheid zu wissen und dann zu entscheiden, wie viel man machen kann oder will. Der eine will das Maximum mit einer Lebensstiländerung herausholen, der andere möchte vor allem die wichtigsten Eckpunkte in den Alltag umsetzen, was auch in Ordnung ist. Darum empfehlen wir eine individuelle Beratung anstelle von sehr allgemein gehaltenen Informationen.

Kann eine Person zu Ihnen ins Spital kommen, wenn sie eine Frage zu ihrer Ernährung und Gesundheit hat?

Patrik Jauch: Ja, bei Erkrankungen wie Diabetes hat jede Person das Anrecht auf sechs bis zwölf Ernährungsberatungen sowie neun Diabetesberatungen pro Kalenderjahr. Diese werden von der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen, wenn man eine ärztliche Verordnung hat. Es lohnt sich also, mit dem Hausarzt eine allfällige Zuweisung zu besprechen. (pd/ml)

Das Interview wurde vom Kantonsspital Uri zur Verfügung gestellt. Vorträge im Kantonsspital Uri zum Thema Ernährungsberatung im 2019 (Beginn jeweils 19.30 Uhr): 31. Januar, Ernährungsberatung und Diabetesberatung bei Diabetes; 18. April, Ernährung bei Reizdarmbeschwerden (FODMAP); 29. August, Ernährung bei Herz-Kreislauferkrankungen; 7. November, Ernährung und Krebs.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.