Für jeden Kapuzenpullover erhält die Pflegewohngruppe Höfli ein Blumenbouquet

Kapuzenpullover mit der Aufschrift «#wecomebackstronger» sollen das lokale Gewerbe ankurbeln und bereiten sozialen Institutionen eine Freude.

Christian Tschümperlin
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Uri ist der zweite Kanton nach Zürich, der von einer Corona-Initiative profitieren soll: «#wecomebackstronger» – Englisch für «Wir kommen stärker zurück» – will einen Beitrag leisten, um die Menschen und die Wirtschaft gestärkt aus der Krise herauszuführen. Je mehr Leute mitmachen, desto wirkungsvoller werde die Initiative.

Die Idee ist einfach: «Wir möchten das Geld in den lokalen Kreislauf zurückbringen», sagt Bernhard Nitz von der Zürcher Beratungsfirma Oddeven, der die Kommunikation der Aktion in der Schweiz verantwortet. «Die Krise macht uns bewusst, dass der Bäcker um die Ecke oder unser Lieblingsrestaurant wichtige Bestandteile unseres Lebens sind oder wir erfahren plötzlich, dass Freunde und Bekannte nicht mehr arbeiten können, weil komplexe internationale Lieferketten unterbrochen sind.»

Gabriela Gisler vom Altersheim Höfli nimmt das Geschenk der Initiative «#wecomebackstronger» an die Pflegewohngruppe entgegen.

Gabriela Gisler vom Altersheim Höfli nimmt das Geschenk der Initiative «#wecomebackstronger» an die Pflegewohngruppe entgegen.

Bild: PD

Und so funktioniert die Aktion: Eine wenn möglich lokale Druckerei bedruckt Kapuzenpullover mit der Aufschrift «#wecomebackstronger». Wer auf wecomebackstronger.ch das Kleidungsstück bestellt, unterstützt damit zum Beispiel eine Blumenlieferung an die Pflegewohngruppe Höfli in Altdorf oder ermöglicht Pizza-Gutscheine für Klienten der Notschlafstelle Zürich. «Das Geld kommt, im Fall unserer Aktion in Uri, einem Blumenladen zugute und man zaubert den Menschen ein Lächeln ins Gesicht, die zurzeit auf Besuch von ihren Liebsten verzichten müssen.»

Urner profitieren von Zürcher Spenden

Einen Pullover gibt es für 85 Franken. 25 Franken davon fliessen in die Aktionen. Schweizweit wurden bisher innert weniger Wochen fast 100 Exemplare verkauft. Damit konnten in Zürich drei Aktionen lanciert werden – zwei davon sind inzwischen erfolgreich abgeschlossen – sowie eine im Kanton Uri. «Die Kosten fallen je nach Aktion ganz unterschiedlich aus», sagt Nitz.

«Die Zahl der verkauften Pullover im Kanton Uri lässt sich bisher an einer Hand abzählen.» Deshalb läuft die Urner Aktion auf der Webseite momentan noch weiter. Trotzdem konnten sich die Bewohner der Pflegewohngruppe Höfli bereits über eine Lieferung von sechs Blumenbouquets freuen. «Die Initiative in Uri wurde zu einem guten Teil aus Zürich quersubventioniert», so Nitz.

Im Höfli war die Freude über die Geste aus Zürich gross. «Diese wunderbaren Blumen durften ganz vielen Menschen, Mitarbeitenden und Bewohnern ein Lächeln ins Gesicht zaubern», sagt Geschäftsleiterin Ursulina Cadruvi. «Es ist ein grosses Geschenk – die Blumen und die erlebte Freude –, für das wir den Spendern sehr dankbar sind!» An Demenz erkrankte Menschen reagierten, je nach Ausprägung ihrer Sinne, ganz unterschiedlich. Den einen sei der Duft besonders aufgefallen, andere bestaunten die Blumen und wieder anderen stachen insbesondere die Farben ins Auge. «Eine Dame kam zum Beispiel in die Stube, schaute zum Tisch und sagte: ‹Oh, Frühling – schön! Für mich?› Und dann strahlte sie über das ganze Gesicht.»

Bernhard Nitz von der Initiative «#wecomebackstronger».

Bernhard Nitz von der Initiative «#wecomebackstronger».

Bild: PD

Dass die Aktion in den Kanton Uri kam, ist einer Verkettung persönlicher Kontakte zu verdanken. Die Ehefrau von Oddeven-Geschäftsführer Stefan Malär, eine gebürtige Urnerin, stellte den Kontakt in den Gotthard-Kanton her.

«Wir werden oft gefragt, weshalb starten wir gerade in diesem oder jenem Kanton, mit jener oder dieser Firma durch», sagt Nitz. Anfangs habe man versucht, möglichst objektiv vorzugehen: Man wollte Institutionen, die man unterstützt, nach bestimmten Kriterien identifizieren. Weit oben auf der Rangliste standen etwa Spitäler. Doch man habe schnell festgestellt, dass dies nicht klappte. «Oft suchten wir den Kontakt erfolglos. Man sagte uns, ‹bloss nicht, wir sind jetzt schon überlastet.›» Deshalb setzt man bei «#wecomebackstronger» inzwischen auf persönliche Kontakte. Nitz nennt dies den «organischen Weg».

Dass Bernhard Nitz überhaupt auf die Initiative aufmerksam wurde, ist einem Geschäftspartner aus Deutschland zu verdanken. Während eines Telefonats kam man auf das Thema zu sprechen. Nitz sah sofort den Wert der Aktion und brachte sie bei seinem Arbeitgeber ein. «Alle waren hell begeistert», erinnert er sich.

In Deutschland ist «#wecomebackstronger» inzwischen ein grosser Erfolg. Damit eine zweite Aktion im Kanton Uri gestartet werden kann, müssten 10 bis 15 weitere Pullover verkauft werden. «Ab zehn Pullovern könnten wir beispielsweise einen Kinderhort unterstützen», sagt Nitz.

Ziel ist die Pullover-Fertigung in der Schweiz

Der 42-Jährige Familienvater organisiert das Vorhaben zusammen mit seinen Arbeitskollegen ehrenamtlich, seine Firma verdient daran nichts und soll im Hintergrund bleiben, unterstützt jedoch, wo es möglich ist. Nitz will nicht verschweigen, dass die Initiative immer wieder neue Hürden nehmen muss. Er sagt:

«Wir hätten uns gewünscht, wir hätten ein Produkt, das in der Schweiz gefertigt wird. Das hat sich als schwierig herausgestellt. Unser Kapuzenpullover kommt zwar aus einer Fairtrade-Produktion, aber wir bleiben an dieser Idee dran.»

Bedruckt wird der Pullover derzeit noch in einer kleinen Druckerei in Zürich. «Wenn die Nachfrage in Uri abhebt, würden wir gerne eine Druckerei im Urkanton dazunehmen.»

Die englische Sprache punktet bei Slogans

Auf die Frage, weshalb der Slogan auf Englisch daherkommt, sagt Nitz: «Wir haben mit schweizerdeutschen Mottos experimentiert, doch die vielen Dialekte machten uns einen Strich durch die Rechnung.» Nitz sieht zudem Vorteile in der englischen Sprache: «Für Gefühlsfaktoren findet man im Englischen kurze, knappe Begriffe. Die würden so in anderen Sprachen nicht funktionieren.»