Fusionierte Urner Gemeinde budgetiert grossen Gewinn

Die Gemeinde Seedorf/Bauen hat für 2021 rund 1 Million Franken Ertragsüberschuss veranschlagt. Möglich ist dies durch einmalige Fusionseffekte.

Urs Hanhart
Drucken
Teilen
An der Gemeindeversammlung in Seedorf mussten die Versammelten eine Maske tragen und grosse Abstände einhalten.

An der Gemeindeversammlung in Seedorf mussten die Versammelten eine Maske tragen und grosse Abstände einhalten.

Bild: Urs Hanhart (Seedorf, 12. November 2020)

Die Offene Dorfgemeinde Seedorf, die am Donnerstag unter Einhaltung eines strengen Corona-Schutzkonzepts mit grossen Abständen und durchgehender Maskenpflicht abgehalten wurde, hatte historischen Charakter. Es war die erste gemeinsame Gemeindeversammlung von Seedorf und Bauen, die bekanntlich am 1. Januar 2021 fusionieren. Zugegen waren 87 Stimmberechtigte. «Die Berührungspunkte der beiden Gemeinden sind vielseitig, sodass die politische Fusion eine logische Konsequenz und eine Vertiefung der Beziehung darstellt», sagte Gemeindepräsident Toni Stadelmann in seiner Begrüssung. Dann fügte er noch an: «Die Zusammenlegung der politischen Strukturen allein reicht nicht. Wir würden gerne auch als Gemeinde – sprich Gemeinschaft – zusammenwachsen. Ein gewisser Stolz über die eigene Herkunft hat dabei durchaus seine Berechtigung. Damit aber die Gemeinschaft funktioniert, sind gegenseitiges Vertrauen, Verständnis und Toleranz unabdingbar.» Jede und jeder sei gefordert, ihren beziehungsweise seinen Beitrag zum Gelingen leisten.

In gut anderthalb Monaten gelten Seedorf und Bauen also als eine Gemeinde. Stadelmann wies darauf hin, dass es ab dem neuen Jahr einen neuen, zeitgemässen Gemeindeauftritt im Internet geben werde. Die Website sei dementsprechend überarbeitet worden. «Sie dürfen gespannt sein auf das neue Erscheinungsbild. Es lohnt sich wirklich reinzuschauen», so der Vorsitzende.

Parkplatzbewirtschaftung wird ausgedehnt

Zu Beginn gab es Orientierungen zu verschiedenen aktuellen Themen. Auf dem Gemeindegebiet von Seedorf wird die Parkplatzbewirtschaftung erweitert. Konkret geht es um die Parkplätze beim Seerestaurant und in der Reuss-Schachenstrasse. Die Installation der Signalisation soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Auch die neuen Parkplätze beim Gipo-Areal entlang der Weidstrasse sollen künftig kostenpflichtig werden. «Mit diesen Erweiterungen kann das Hauptziel einer gesamtheitlichen Parkplatzbewirtschaftung auf dem ganzen Gemeindegebiet erreicht werden. Für alle Parkplatzbenutzer werden in Zukunft gleiche, gerechte Bedingungen gelten», erklärte Stadelmann. Der Gemeinderat werde im nächsten Jahr ein neues Parkplatzreglement erarbeiten und dieses der Gemeindeversammlung zum Beschluss vorlegen.

Der Gemeindeführungsstab hat im Zusammenhang mit der Fusion eine Neuorganisation erfahren. Er umfasst insgesamt acht Mitglieder. Als Stabschef amtet Pius Arnold und als dessen Stellvertreter Erich Arnold.

Schulsozialarbeit mit Pilotphase

Die Gemeinden Attinghausen, Isenthal und Seedorf beabsichtigen auf den Beginn des Schuljahres 2021/2022 an den drei Primarschulen und an der Oberstufe der Kreisschule gemeinsam eine Schulsozialarbeit einzuführen. Darüber orientierte Sozialvorsteherin Stefanie Albert. Zunächst wird es eine zweijährige Pilotphase geben. Geplant ist die Schaffung einer 70-Prozent-Stelle. Für das Schuljahr 2021/2022 wird mit Kosten von insgesamt 92'900 Franken gerechnet. Davon muss Seedorf 50 Prozent übernehmen. Attinghausen beteiligt sich mit 40 und Isenthal mit 10 Prozent. Am 27. April 2021 soll es zu diesem Thema eine Infoveranstaltung für Interessierte geben.

Auf das nächste Jahr hin gibt es eine Neuorganisation der Gemeindeverwaltung. Diese wird mit einer Fachabteilung Bauverwaltung erweitert. «Mit der neuen Aufbauorganisation wird eine klare Zuteilung der Aufgaben erreicht. Das jetzige Modell im Baubereich ist nicht mehr zeitgemäss. Wir hoffen, dass der Gemeinderat im operativen Bereich entlastet werden kann», erläuterte Stadelmann. Der Ausbau hat eine Erweiterung des Stellenplans um 20 bis 40 Prozent zur Folge. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich auf rund 30'000 Franken. Die Stelle Bauverwaltung soll im Rahmen eines 60- bis 80-Prozent-Pensums ausgeschrieben und im Frühling 2021 besetzt werden.

Satter Ertragsüberschuss dank Einmaleffekten

Das Budget 2021 der vereinigten Einwohnergemeinde rechnet mit einem Aufwand von 6,34 Millionen Franken. Der Ertrag beläuft sich auf 7,36 Millionen Franken. Unter dem Strich ist ein Ertragsüberschuss von 1,025 Millionen Franken veranschlagt. Dazu relativierte Verwalter Urs Bissig: «Das erste gemeinsame Budget wird durch einmalige Fusionseffekte geprägt. Auf der Ertragsseite sind insbesondere der Kantonsbeitrag an die Fusion von 450'000 Franken zu erwähnen. Zudem wird die Liegenschaft Schulhaus in Bauen ins Finanzvermögen überführt, was zu einer einmaligen Wertberichtigung von 791'000 Franken führt.»

Bei der Festsetzung des Gemeindesteuerfusses folgten die Versammelten dem Antrag des Gemeinderates. Der Satz für natürliche Personen wird auf 90 Prozent festgelegt. Damit bleibt er im Gemeindeteil Seedorf wie gehabt. In Bauen galt bisher ein Satz von 95 Prozent. Der Kapitalsteuersatz bleibt unverändert bei 0,01 Promille.

Ja zu zwei neuen Fahrzeugen

Die Stimmberechtigten hiessen drei Kreditanträge gut. 70'000 Franken wurden für die Beschaffung eines Mannschaftstransportfahrzeugs für die Gemeindefeuerwehr bewilligt und je 80'000 Franken für die Ersatzbeschaffung eines Schulbusses sowie für die Verlegung und Erneuerung der Trinkwasserleitung im Bereich Studenstrasse/Rüttiweg. Abgesegnet wurde auch eine Anpassung des Statuts zwischen den Einwohnergemeinden Attinghausen, Isenthal und Seedorf über die Kreisschule Seedorf. Im Zusammenhang mit der Fusion mussten einige redaktionelle Änderungen und Aktualisierungen vorgenommen werden.

Zum Schluss standen noch Gesamterneuerungswahlen auf dem Programm. In den Primarschulrat wurden Philipp Dubacher, Erika Kempf, Urban Zurfluh, Luzia Baumann und Susanne Bachmann-Aschwanden gewählt; sowie in die Baukommission Tobias Baumann, Roman Gisler, Alfred Kempf, Dominik Spichtig, Francoise Ellenberger und Ivan Simic. Der Wasserversorgungskommission gehören künftig Stefan Aschwanden, Jost Gisler, Karl Traub, Bernhard Riesen und Alfred Zwyssig an. Neu bestimmt wurden auch die elf Kreisschul-Delegierten, die Mitglieder der Rechnungsprüfungskommission und die Abstimmungsbeamten. Zum Gemeindeweibel wählten die Versammelten den Seedorfer Hans Schuler. Zahlreiche auf Ende des Jahres austretende Behördenmitglieder wurden unter Verdankung ihrer Arbeit verabschiedet, unter ihnen der Gemeindepräsident von Bauen, Andreas Gisler, der allerdings der Politik als Mitglied des Landrats erhalten bleibt.

In seinem Schlusswort meinte Stadelmann: «Es war mir eine grosse Ehre, diesen historischen Anlass mit Ihnen zusammen erlebt zu haben. Nun erwarte ich mit Freude das Zusammenwachsen unserer Gemeinschaften.» Am 19. und 20. Juni 2021 soll es ein Fusionsfest geben, sofern Corona keinen Strich durch die Planung macht.