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FUSSBALL: «Am Schluss ist der Schiri schuld»

Er ist der «höchste Schiedsrichter» des Innerschweizer Fussballverbands. Der Urner Beat Dittli spricht im Interview über respektloses Verhalten, fehlendes Fairplay, und erklärt, wie er Nachwuchs rekrutieren will.
Interview Philipp Zurfluh
Der Urner Beat Dittli ist der höchste Innerschweizer Schiedsrichter.Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 25. Oktober 2016)

Der Urner Beat Dittli ist der höchste Innerschweizer Schiedsrichter.Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 25. Oktober 2016)

Der Schiedsrichter ist der «ärmste» Mann auf dem Platz. Alle wissen oder können es besser. Ein falscher Pfiff, und alle sind gegen ihn. Fans, Trainer, Spieler. Dennoch gibt es sie noch, die Menschen, die sich diesen Herausforderungen stellen. Der Urner Beat Dittli ist einer von ihnen. Als oberster Schiedsrichter des Innerschweizer Fussballverbands (IFV) weiss er, was es heisst, innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Spielsituation beurteilen zu müssen, und dass bei Niederlagen oft dem Schiedsrichter die Schuld gegeben wird. Ihm sind aber auch die Aggressionen bekannt, die auf Schiedsrichter immer öfter zukommen – wie die jüngsten Beispiele in Emmenbrücke und Alpnach zeigen (siehe Box).

Beat Dittli, der Innerschweizer Fussball ist durch zwei Abbrüche bei Fussballspielen innerhalb eines Monats ins schlechte Licht geraten. Ist das Zufall?

Die Problematik isoliert auf dem Fussballplatz zu suchen, wäre in meinen Augen falsch. Vielmehr ist es eine Zeiterscheinung, dass der Respekt gegenüber anderen in vielen Teilen unserer Gesellschaft abgenommen hat und generell eine höhere Gewaltbereitschaft vorhanden ist. Der Fussballplatz ist einer von vielen möglichen Schauplätzen, an denen es schlussendlich eskalieren kann.

Fussball galt eigentlich immer als völkerverbindend und integrationsfördernd. Gilt das heute überhaupt noch?

Davon bin ich fest überzeugt. Fussball ist das Paradebeispiel von weitgehend funktionierender Integration. In der Schweiz spielen Menschen aus 180 verschiedenen Ländern in Fussballklubs. Die Tatsache, dass auf der ganzen Welt Fussball gespielt wird, ermöglich es, auch ohne grosse Sprachkompetenz einer Mannschaft beizutreten. Die Eintrittsschwellen sind zudem finanziell gering. Diese beiden Punkte haben zur Folge, dass nicht selten der Fussballverein der erste wichtige Pfeiler zu einer gelungenen Integration von Ausländern in einem Dorf darstellt.

Wie hat sich die Rolle des Schiedsrichters auf dem Fussballplatz in den vergangenen Jahren verändert?

Die Rolle des Schiedsrichters hat sich meines Erachtens grundsätzlich nicht geändert. Nach wie vor soll er unauffällig eine Partei mit 22 verschiedenen Charakteren leiten und dabei die Regeln konsequent durchsetzen. Verändert hat sich indes, wie bereits erwähnt, die Gesellschaft, welche wahrscheinlich generell etwas weniger Respekt vor Autoritätspersonen hat. Ich beobachte zunehmend, dass ein Spieler, der den Schiedsrichter täuscht, von der eigenen Mannschaft noch beklatscht wird.

Täuscht der Eindruck, dass der Respekt und die Fairness der Spieler, Trainer und Zuschauer gegenüber dem Spielleiter nicht mehr so stark gelebt werden wie früher?

Ich glaube, dass hier die Medien nicht ganz unschuldig sind. Mit den heutigen Möglichkeiten werden alle Fehler schonungslos aufgedeckt. Den Schuldigen im Schiedsrichter zu finden, ist oft die einfachste Lösung. Kaum je werden matchentscheidende Fehler von Spielern wochenlang in den Medien thematisiert. Dies kann mitunter ein Grund sein, dass auch im Breitenfussball zuerst der Fehler beim Schiedsrichter gesucht wird.

Werden Fehler von Schiedsrichtern von den Spielern nicht akzeptiert?

Nein, ein Schiedsrichter darf in den Augen vieler keine Fehler machen. Und gerade im Amateurbereich sind die Ansprüche nicht selten unverhältnismässig hoch. Der Blickwinkel eines menschlichen Auges beträgt rund 170 Grad. Jedoch wirklich «scharf stellen» kann man lediglich 5 Grad. Somit gehört sehr viel Erfahrung dazu, immer den richtigen Fokus zu setzen. Es passieren Fehler, weil es schlicht menschlich ist.

Gerade junge Schiedsrichter haben eine anspruchsvolle Aufgabe, wenn sie beispielsweise um einiges jünger sind als die Spieler auf dem Platz. Wie gehen diese damit um?

Der Fussballverband hat vor einigen Jahren das Eintrittsalter für Schiedsrichter auf 15 Jahre gesetzt. Diese fangen bei den C-Junioren an, um ihre ersten Erfahrungen zu sammeln. In den meisten Fällen sind sowieso nicht die pubertierenden Spieler das Problem, sondern die Eltern, die in ihren Söhnen einen zukünftigen Lionel Messi oder einen Cristiano Ronaldo sehen. Es gibt Eltern am Spielfeldrand, die ihrer Vorbildfunktion nicht mehr gerecht werden. Natürlich färbt dieses Verhalten auf die Kinder ab.

Wird es so nicht schwierig, dass der IFV noch genügend Schiedsrichter findet?

Grundsätzlich sind die Vereine in der Pflicht. Diese müssen je nach Anzahl Mannschaften auch Schiedsrichter stellen. Der IFV zählt zurzeit rund 460 Schiedsrichter und 5 Schiedsrichterinnen. Selbst mit dieser hohen Anzahl kommt es immer wieder zu Engpässen, da die meisten Spiele am Samstag stattfinden.

Viele Vereine haben Mühe, Nachwuchs zu generieren. Müssten Klubs bei der Schiedsrichterrekrutierung aktiver werden?

Es ist nicht einfach, junge Leute für das Amt des Schiedsrichters zu motivieren. Für mich machen aber die Vereine im Allgemeinen einfach etwas zu wenig. Es wäre zielführend, wenn spätestens bei den B-Junioren gezielt Gespräche mit potenziellen Kandidaten gesucht würden. Das heisst: Sieht ein Klub in einem Spieler kein Potenzial, kann einem Spieler die Karriere als Schiedsrichter schmackhaft gemacht werden.

Was müsste passieren, damit mehr Leute Interesse an diesem Hobby zeigen?

Es braucht mehr Respekt. Wir müssen uns bewusst werden, dass es nur miteinander geht. Erleben Schiedsrichter auf dem Platz weniger Anfeindungen oder Aggressionen, bleiben sie uns auch länger erhalten. Es findet sich einfacher Nachwuchs, und man kann auch seitens des IFV härter selektieren und dadurch die Qualität steigern.

Ist der Lohn zu tief – gemessen am Zeitaufwand eines Schiedsrichters?

Der zeitliche Aufwand in den unteren Ligen beträgt rund vier Stunden pro Spiel. Dafür erhält der Schiedsrichter eine Spesenentschädigung von 90 Franken. Ich erachte die Bezahlung als angemessen, denn viele Sportler müssen zur Ausübung ihres Hobbys Geld ausgeben.

Warum soll sich ein Jugendlicher entscheiden, Schiedsrichter zu werden?

Das Schiedsrichterwesen kann zu einer Leidenschaft werden, zudem ist sie eine bezahlte Persönlichkeitsschulung. Für die talentierten Schiedsrichter eröffnen sich zudem verschiedene Möglichkeiten für eine Karriere im Fussball, welche man als Spieler nicht hätte.

Interview Philipp Zurfluh

Spielabbruch: Polizei greift ein

Tumultartige Szenen auf der Tribüne im Gersag-Stadion: Am 3. September muss das 3.-Liga-Spiel zwischen Emmenbrücke und Südstern in der 85. Minute abgebrochen werden. Nach einem Penaltypfiff für Emmenbrücke eskaliert die Situation. Zuschauer beider Fanlager gehen aufeinander los. Nach wenigen Minuten treffen sieben Einsatzwagen der Polizei ein. Beiden Teams werden je 3 Punkte abgezogen. Sie erhalten zudem je 40 Strafpunkte und eine Busse von 800 Franken.
Zu einem weiteren Abbruch kommt es am 16. Oktober beim 5.-Liga-Spiel zwischen dem FC Alpnach und dem Luzerner SC. Zu Beginn der zweiten Halbzeit geraten Spieler beider Teams aneinander. Sie würgen, zerren und rempeln. Ein Luzerner Spieler soll einem Alpnacher sogar einen Faustschlag verpasst haben. Der Schiedsrichter bricht daraufhin das Spiel ab. Das Strafmass ist noch nicht festgelegt.

Beat Dittli

Beat Dittli (49) ist in Schattdorf aufgewachsen und lebt heute in Buochs. Er ist als Verkaufsberater tätig. Als Spieler war er unter anderem beim FC Schattdorf und beim FC Altdorf aktiv. Seit 2012 ist er nebenamtlicher Präsident der Schiedsrichter-Kommission des IFV. Beat Dittli hat selber Fussballspiele von der Stufe der C-Junioren bis zur 1. Liga geleitet. Heute ist der Urner immer noch Inspizient sowie Instruktor.

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