Gastroszene ächzt unter Corona: «Die Zeiten bleiben hart»

Die Gastro-Branche ist von der Coronakrise arg gebeutelt worden. Zahlreiche Betriebe kämpfen ums Überleben.

Urs Hanhart
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Die wegen der Coronapandemie um rund vier Monate nach hinten verschobene 109. GV von Gastro Uri wurde am Montag im Beisein von 47 Mitglieder und mehreren Gästen, darunter auch Landammann Urban Camenzind, im Gasthaus Tourist in Isenthal nachgeholt. «Unsere Branche konnte Anfang 2020 positive Zeichen setzen. Man durfte zuversichtlich sein, dass sich die Geschäftslage verbessert. Aber das Coronavirus und der damit verbundene Lockdown haben uns mit voller Wucht getroffen. Er hat das Gastgewerbe vielerorts in eine existenzielle Notlage gebracht», bilanzierte Verbandspräsident Joe Herger in seiner Begrüssung. Dann fügte er noch an: «Die letzten Monate waren für uns alle sehr fordernd – wirtschaftlich, gesellschaftlich, aber auch emotional. Im Zentrum unserer GV soll aber ganz klar unser Vereinsjahr 2019 stehen. Wir möchten nicht allzu viel über Corona reden.»

Präsident Joe Herger (rechts) mit dem neuen Ehrenmitglied Ruth Ziegler an der GV von Gastro Uri.

Präsident Joe Herger (rechts) mit dem neuen Ehrenmitglied Ruth Ziegler an der GV von Gastro Uri.

Bild: Urs Hanhart
(Isenthal, 7. September 2020)

Dieser Vorsatz konnte allerdings nicht eingehalten werden. Massimo Suter, Vizepräsident des Dachverbandes Gastro Suisse, befasste sich in seinem Referat, nämlich schwerpunktmässig mit der Coronakrise. Er betonte: «Die Pandemie hat das Gastgewerbe erschüttert, und die Krise ist noch nicht vorbei. Die Situation ist fragil und die Folgen des Lockdowns werden uns noch lange beschäftigen. Was unsere Branche durchmachen musste, ist einzigartig. Obwohl es nun hoffentlich schrittweise weiter in Richtung einer neuen Normalität geht, bleiben viele Herausforderungen bestehen.»

Möglichst gute Rahmenbedingungen elementar

Zahlreiche Betriebe kämpften ums Überleben, so Suter weiter. «Dabei handelt es sich bei weitem nicht nur um solche, die es vorher schon schwer hatten. Viele Betriebe werden das Geschäftsjahr 2020 nicht mehr retten können, auch wenn es über den Sommer in bestimmten Regionen gewisse Aufholeffekte gab. Die Zeiten bleiben hart und nun folgt die wirtschaftliche Bewährungsprobe.»

Möglichst gute Rahmenbedingungen seien jetzt absolut zentral. Suter zeigte sich erleichtert, dass die Mindestlohnverhandlungen im Sinne von Gastro Suisse verlaufen seien. Gemäss der mit den Gewerkschaften getroffenen Vereinbarung gibt es 2020 und 2021 keine Erhöhung des Mindestlohns. Erst 2022 ist eine Anhebung um 0,2 Prozent vorgesehen. «Das ist sehr wichtig für uns, denn so können wir in den nächsten drei Jahren unsere Budgets planen. Zudem hoffe ich, dass wir dadurch Arbeitsplätze retten können», betonte Suter.

22 Jahre im Vorstand mitgewirkt

Immerhin gab es beim Treffen der Urner Wirte durchaus auch noch andere Themen als Corona. Der eigentliche Höhepunkt der GV war die Ernennung von Ruth Ziegler zum Ehrenmitglied. Die Wirtin des Restaurants Arnisee wirkte nicht weniger als 22 Jahre lang im Vorstand mit. Nun hat sie dieses Gremium verlassen.

Neu in den Vorstand gewählt wurden Cornelia Imhof-Nauer vom Restaurant Adler in Bürglen und Johan Granvik, ein gebürtiger Schwede, der im Oberland mehrere Gastrobetriebe führt. Als Vizepräsidentin bestätigt wurde Marianne Hess-Arnold vom Hotel Alpina in Unterschächen und als Mitglied Aaron Bohl vom «Kafe im griänä Hüüs» in Altdorf.

Mitgliederbestand leicht gesunken

Im Verlaufe des Jahres 2019 verzeichnete Gastro Uri 14 Neueintritte und 16 Austritte. Ende 2019 belief sich der Mitgliederbestand auf 144. Erfreuliches konnte Finanzchef Walti Aschwanden von der Rechnung 2019 vermelden. Diese weist einen Gewinn von rund 4000 Franken aus. Budgetiert war ein Verlust von rund 7800 Franken. Das deutlich bessere Ergebnis als veranschlagt wurde mit Kursgewinnen begründet. Per Ende 2019 belief sich das Eigenkapital von Gastro Uri auf rund 229'000 Franken. Herger kam auch kurz auf den Fachkräftemangel in der Gastrobranche zu sprechen. Er unterstrich:

«Wir müssen versuchen, vermehrt wieder Junge für die Gastro-Berufe zu begeistern.»

In diesem Jahr ist ein viel versprechender Anfang gemacht worden. Im August haben 15 Urner Lernende eine Ausbildung in der Gastrobranche in Angriff genommen. Vor Jahresfrist waren es noch deren 14.

Kurzreferat rundet GV ab

Gastro Uri hat seit kurzem eine neu gestaltete und vor allem deutlich aufgemöbelte Website. Dazu sagte Vorstandsmitglied Aaron Bohl: «Sie hat eine neue Grundstruktur erhalten und kommt jetzt strukturierter und informativer daher als vorher. Zudem ist sie übersichtlicher, kompakter und einfacher gestaltet.» Verlinkungen und nützliche Download- Möglichkeiten runden die neue Website ab.

Zum Schluss hielt Maurus Stöckli als deren Geschäftsführer ein Kurzreferat über die aktuellen Projekte und Aktivitäten der Uri Tourismus AG. Bohl hat kürzlich neu als Vertreter von Gastro Uri im Verwaltungsrat der Tourismusorganisation Urner Unterland Einsitz genommen. Nun soll die Zusammenarbeit verbessert werden. Erste konkrete Vorhaben sollen an der nächsten GV im Mai 2021 vorgestellt werden. Bohl sagte:

«Es ist ein grosses Potenzial vorhanden.»
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