Gefühlswelt wird durchleuchtet - Kampagne will auch in Uri Mut machen, über psychische Belastungen zu sprechen

Gesundheitsförderung Uri greift als Mitträgerin der nationalen Kampagne «Wie geht’s dir?» die psychische Gesundheit auf.

Markus Zwyssig
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Bruno Scheiber von der Gesundheitsförderung Uri.

Bruno Scheiber von der Gesundheitsförderung Uri.

Bild: Remo Infanger

«Wie geht’s dir?» heisst es oftmals, wenn zwei Bekannte sich treffen. Diese Frage ist häufig nicht ganz so gemeint wie sie klingt, sondern eine gängige, oberflächliche Einstiegsfrage zu einem Gespräch. Die Gesundheitsförderung Schweiz hat genau diese Frage aufgegriffen und sie im Rahmen der gleichnamigen Kampagne ins Zentrum einer schweizweiten Untersuchung gestellt.

Der Kanton Uri respektive die Gesundheitsförderung Uri trägt die Kampagne mit und setzt diese bereits seit 2018 mit verschiedenen Massnahmen um – gemeinsam mit den Deutschschweizer Kantonen, der Stiftung pro mente sana und der Gesundheitsförderung Schweiz. Bestandteil der nationalen Kampagne sind auch die «10 Schritte + für psychische Gesundheit», über die bereits in loser Folge in der «Urner Zeitung» berichtet wurde.

In Coiffeurgeschäften und Cafés breit informiert

Im Kanton Uri wurden in einer ersten Aktion im 2018 in rund 30 Coiffeurgeschäften Flyer und rund 20000 «Schöggeli» verteilt, um auf die Kampagne aufmerksam zu machen. In einer zweiten Aktion im 2019 wurden die Gäste in Cafés und Restaurants informiert.

Nun hat die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der Kampagne die Bevölkerung zu ihren Gefühlen befragt (unsere Zeitung berichtete). In die schon länger geplante Befragung kam die ausserordentliche Lage rund um das Coronavirus. Gerade diese aktuelle Situation sei belastend und eine Herausforderung für die psychische Gesundheit, heisst es dazu.

Aufgrund der Coronakrise wurde die Befragung erweitert mit expliziten Fragen zur aktuellen Lage. Dabei kam auch Unerwartetes zu Tage: «Gemäss der Studie hat sich herausgestellt, dass je älter die Menschen sind, desto mehr positive Emotionen haben sie», sagt Bruno Scheiber von der Gesundheitsförderung Uri. «Jüngere Menschen erleben häufiger und mehr negative Gefühle als ältere.»

Bei jüngeren Menschen ist die Gefühlsvielfalt grösser

Zwischen dem 20. und 27. Mai 2020 haben sich 9279 Personen aus der Deutschschweiz zu 46 Emotionen geäussert und so die Grundlage für einen neuartigen «Atlas der Emotionen» gelegt. Ziel dabei war es, die Gefühlslandschaft der Deutschschweiz erstmals in dieser Komplexität zu verordnen und darzustellen. Der «Atlas der Emotionen» zeigt, dass trotz der Coronasituation ein positives Grundgefühl vorherrscht und Gefühle wie Dankbarkeit, Zufriedenheit und Liebe am meisten genannt werden.

In der Befragung zeichnet sich eine Demografie der Emotionen ab, die Unterschiede in der Bevölkerung deutlich macht. So erleben junge Erwachsene in ihrem Alltag durchschnittlich 18 Gefühle, Personen im Rentenalter nur noch zehn. Mit zunehmendem Alter reduziert sich laut den Ergebnissen der Studie also das emotionale Spektrum – oder hat die ältere Generation weniger gelernt, über ihre Gefühle zu reden? Junge Frauen wiederum erleben häufiger und mehr negative Emotionen: Während ältere Frauen in ihrem Alltag durchschnittlich vier negative Gefühle erleben, sind es bei jungen Frauen elf.

«Negative Gefühle werden oftmals verschwiegen»

Der «Atlas der Emotionen» zeigt auch: Über Gefühle spricht man in der Deutschschweiz schon, aber nur über die positiven. «Negative Gefühle werden oftmals verschwiegen», sagt Bruno Scheiber. Über Belastendes oder Probleme werde noch immer zu wenig gesprochen. Die Kampagne hat auch weiterhin zum Ziel, Mut zu machen, über psychische Belastungen zu sprechen; aufzuzeigen, dass psychische Gesundheit gefördert werden kann und auf Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen. Ein Gefühlsalphabet soll zukünftig helfen, die verschiedenen Emotionen zu benennen.

Dass über negative Gefühle nicht gerne geredet wird, stellt in Bezug auf die psychische Gesundheit eine besondere Herausforderung dar. Hier setzt auch die Kampagne an. «Für den Erhalt der psychischen Gesundheit ist es wichtig, dass man über negative Emotionen sprechen kann», so Scheiber. «Das entlastet und macht Hilfe erst möglich.» Damit sich Menschen in schwierigen Lebenslagen getrauen, über ihre Situation zu sprechen, brauche es ein Umfeld, das bereit ist, zuzuhören. Die ernst gemeinte Frage «Wie geht’s dir?» kann dabei ein wichtiger Türöffner sein. Aber eben, wer die Frage stellt, muss auch bereit sein, zuzuhören.

Sich bewegen hilft gegen negative Gefühle

Das Gespräch suchen, mit anderen Menschen im Austausch sein und bei Bedarf Hilfe holen oder anbieten, ist wichtig. Dies alles dient der Pflege der psychischen Gesundheit. Daneben gibt es viele weitere Dinge, die gut tun würden: «Sich bewegen, an die frische Luft gehen» ist das in der Studie am meisten genannte Mittel gegen negative Gefühle. Dies hat auch seine Berechtigung: Wenn wir uns bewegen, schüttet der Körper Stoffe aus, die einen positiven Einfluss auf unser psychisches Wohlbefinden haben.

Hinweis: Ausführliche Informationen zu der Studie findet man unter: www.wie-gehts-dir.ch/aktuelles.